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OB Reker nach Urteil im Fall Lübcke: „Müssen uns mit der Verrohung in der Gesellschaft auseinandersetzen“

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Von: Benjamin Stroka

Henriette Reker spricht über die Corona-Lage in Köln
Kölns OB Henriette Reker wurde im Oktober 2015 selbst Opfer eines Messer-Attentats. © IMAGO / Political-Moments

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat sich in einem eindringlichen Statement zum Urteil im Mordprozess um Walter Lübcke geäußert – und stellt eine deutliche Forderung.

Köln – Der Hauptangeklagte Stephan E. wurde am Donnerstag (28. Januar) für den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zu lebenslanger Haft verurteilt. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker überlebte im Oktober 2015 ein Messer-Attentat auf ihr Leben und äußerte sich nun zum Urteil im Lübcke-Fall zwar zufrieden, aber auch warnend.

Nach Urteil im Lübcke-Fall: Kölns OB Reker mit eindringlichem Statement

„Sie alle werden sicherlich verstehen, dass ich heute Vormittag ganz besonders nach Frankfurt geschaut habe. Von Herzen hätte ich dem Kollegen Walter Lübcke das gleiche große Glück gewünscht, das ich gehabt habe“, so Reker in einem Statement, das die Stadt Köln veröffentlichte.

Dass der Prozess nun abgeschlossen wurde, sei wichtig, so Reker. Sowohl für die Angehörigen von Walter Lübcke als auch für die Öffentlichkeit. „Was aber nicht beendet sein darf, ist die Auseinandersetzung mit den Taten“, stellt die Kölner Oberbürgermeisterin klar.

Henriette Reker: Die Kölner Oberbürgermeisterin mit einer klaren Forderung

Sie kritisiert gleichzeitig, dass man, besonders nach den NSU-Morden, nicht die Augen vor politischen Mordanschlägen aus der rechtsradikalen Szene hätte verschließen dürfen. „Es ist für mich besonders schmerzhaft, dass es zu einem weiteren Mord kommen musste, damit wir uns darüber wieder bewusst werden“, so Reker. Und die 64-Jährige stellt eine klare Forderung: „Wir müssen uns mit der Verrohung in der Gesellschaft auseinandersetzen.“

Die Übergriffe auf Mitarbeiter des Ordnungsamtes, Polizisten, Rettungskräfte und Menschen im öffentlichen Dienst dürften nicht hingenommen werden. Dabei gehe es nicht nur um tätliche Übergriffe, sondern bereits um Drohungen, denen viele ausgesetzt seien.

Kölns OB Henriette Reker: „Grundrechte und Demokratie verteidigen“

„Wir brauchen eine Erneuerung und ein stärkeres Bekenntnis zu unserer wehrhaften Demokratie. Denn Übergriffe und Drohungen gegenüber denjenigen, die im Staatsdienst tätig sind, sind auch Angriffe auf unsere freiheitliche Demokratie und auf unsere Werte Meinungsfreiheit, Vielfalt und Solidarität“, so Reker.

Sie werde immer an vorderster Stelle für diese Werte einstehen und „keinen Millimeter zurückweichen, wenn es darum geht, unsere Grundrechte und unsere freiheitliche Demokratie zu verteidigen“. (bs)

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