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„Beginn vom Ende“: Igelhilfe Köln schlägt nach Todesfällen Alarm

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Von: Oliver Schmitz

Untergewichtige Igel sitzen in der Igelstation «Igelkiste» in einer Wanne von Christiane Uecker und fressen.
Immer mehr Igel müssen von Hilfsstationen gerettet werden. Die Igel im Bild wurden mit Nagellack markiert. (Symbolbild) © Stefan Sauer/dpa

Igel können immer schlechter in der Natur überleben. Die Igelhilfe Köln macht nun auf die problematische Situation aufmerksam – und gibt Tipps wie man helfen kann.

Köln – Igel sind wohl einer der beliebtesten Bewohner im eigenen Garten. Doch seit Jahren haben es die Insektenfresser in ganz Deutschland und Nordrhein-Westfalen immer schwerer, auch ohne Hilfe zu überleben. Mehr noch gibt es für sie immer mehr tödliche Gefahren wie zum Beispiel Mähroboter. Deshalb schlägt die Igelhilfe Köln-Lövenich & Hürth nun Alarm: Die Lage für die Igel sei äußerst kritisch.

Igel in Köln und Hürth: Hilfsstation beschreibt dramatische Lage

In einem alarmierenden Facebook-Post am Mittwoch schilderte eine Mitarbeiterin der Igelhilfe Köln durch eigene Erfahrungen die prekäre Lage der stacheligen Tiere. So seien trotz ihrer Hilfe gerade erst eine Igeldame und ein Igelbaby gestorben – tatsächlich etwas sehr Ungewöhnliches. Ich den vergangenen zehn Jahren sei das quasi so gut wie nie vorgekommen, doch nun würden sich die Vorfälle häufen. Und das nicht nur in der Region, sondern überall.

Diese beiden Todesfälle sind offenbar sehr exemplarisch für ein immer größer werdendes Problem für Igel: dem Insektenschwund. So fehlt es immer mehr an natürlichen Nahrungsquellen für die beliebten Nachbarn, weshalb sie auf andere wie Schnecken oder Regenwürmer zurückgreifen müssen. Doch diese übertragen oft tödliche Innenparasiten. Dieses Problem sei laut der Igelhilfe aktuell so groß wie noch nie zuvor.

Ein verletzter Igel, der unter einen Mähroboter geraten ist.
Vor allem durch die immer beliebteren Mähroboter werden viele Igel schwer verletzt. © Igelhilfe Köln-Lövenich & Hürth

Die aktuelle Situation beschreibt die Igel-Expertin nun als nichts Geringeres als den „Beginn vom Ende der Igel“. Zumindest, wenn die Menschen ihr Verhalten nicht ändern. Diese sind offenbar die Hauptursache für viele Probleme und Gefahren für Igel. „Ich glaube, jeder der sein eigenes Verhalten mal reflektiert betrachtet, wird erkennen, ob er gerade zum Untergang der Igel beiträgt oder nicht“, heißt es in dem Post. Die Situation ist zunehmend belastend für die engagierten Helfer und oftmals Retter: „Ich selber kann die Igelpflege nicht mehr sehr lange so ertragen, ich merke das schon länger“.

Igel bedroht: Viele weitere Gefahren durch Menschen – das kann man tun um zu helfen

Gegenüber 24RHEIN schildern die Mitarbeiter der Igelhilfe Köln-Lövenich & Hürth noch von vielen weiteren ausgehungerten, kranken oder verletzten Igeln. Die Ursachen sind dabei sehr unterschiedlich: Sei es mangelnde oder falsche Nahrung, Gifte und Pflanzenschutzmittel oder auch Rasentrimmer und Mähroboter. Im Großen und Ganzen alles Dinge auf die Menschen direkt oder indirekt Einfluss haben. Laut der Igelhilfe sind die Igel auf jeden Fall „die großen Verlierer der heutigen Zeit“.

Doch sofort stellt sich die Frage: Was kann man tun? Tatsächlich relativ viel. Das wichtigste ist laut der Igelhilfe die persönliche Grünfläche auch mal etwas zu verwildern lassen und den stacheligen Nachbarn eine bessere Nahrungsrundlage zu dienen: „Ein Garten ist kein Wohnzimmer, er muss nicht penibel gereinigt werden“, sagen die Igel-Helfer. Durch heimische Pflanzen werde eine bessere Grundlage für Laufkäfer geschaffen, welche mit das wichtigste Essen die Insektenfresser sind. Gift und ähnliches sind generell immer schädlich, sollten also möglichst weggelassen werden.

Die größte unmittelbare Gefahr geht aber von beliebten Hilfsgeräten aus. Rasentrimmer, Heckenscheren und vor allem Mähroboter könnten den Igeln schwere Verletzungen zufügen und sollte alle mit Vorsicht eingesetzt werden. Also: immer zuvor Hecken und verwilderte Rasenstücke checken. Vor allem die selbständigen Rasenmäher sollten nachts gar nicht laufen, da Igel vor allem nachtaktiv sind. (os) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Text wurde am 9. August inhaltlich aktualisiert. Neuerung: Anpassung zwei Todesfälle, „Innenparasiten“ und Bildunterschrift.

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