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Köln: „Blablabla“ auf Klotür – Gleichstellungsbeauftragte rudert zurück

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Von: Johanna Werning

Piktogramme für eine Frau und ein Mann sind an einer Toiletten-Tür angebracht.
Statt „Damen“ und „Herren“ stand nur „Blablabla“ an einer Klotür eines Kölner Brauhauses – was für Aufregung sorgte. ©  Jens Kalaene/dpa

Ist „Blablabla“ auf der Klotür eines Brauhauses in Köln diskriminierend? Kritik gab es von der Gleichstellungsbeauftragten. Jetzt rudert sie zurück.

Köln – Die Toiletten des Traditionsbrauhauses „Em Kölsche Boor“* sorgten zuletzt für ziemlich viel Gesprächsstoff in Köln. Denn statt einem „H“ oder einem „D“ kennzeichnet ein „Bla“ und ein „Blablabla“ den Eingang zum Männer- und Damen-WC. Für viele ein absolutes No-Go. Auch Kölns Gleichstellungsbeauftragte Bettina Mötting erklärte, dass die Beschilderung „diskriminierend“ sei*. Nun schlägt das Amt für Gleichstellung von Männern und Frauen der Stadt Köln* jedoch andere Töne an.

Nach „Blablabla“-Diskussion: Gleichstellungsbeauftragte rudert bei Klo-Eklat zurück

Zwar seien Rollenklischees ein wichtiges und „ernstzunehmendes Thema“, aber „in dem Kontext, in dem das Thema hier jedoch platziert wurde, ist es der Sache nicht zuträglich und entspricht keinesfalls meiner Priorisierung“, so Gleichstellungsbeauftragte Bettina Mötting auf Nachfrage von 24RHEIN*.

Der Diskussionsumfang sei zwar gut, es wäre jedoch „wünschenswert, wenn die Themen ganzheitlicher betrachtet würden. Mehr Sachlichkeit und weniger Emotionalität würden dabei sicherlich nicht schaden.“ Auch die Medien würden daran eine bestimmte Verantwortung tragen, so Mötting weiter.

Köln: Kritik wegen WC-Beschilderung – Mötting hat „ganz andere Prioritäten“

Vor wenigen Tagen noch teilte Mötting mit, dass sie die Kennzeichnung des Mühlenkölsch-Brauhauses kritisiere. „Ich würde mir wünschen, dass sich die Gesellschaft allmählich von diesen platten Geschlechterklischees verabschiedet“, hieß es damals unter anderem gegenüber dem Express.

Doch statt nun weiterhin über die „diskriminierenden“ Toiletten im „Em Kölsche Boor“ zu beratschlagen, schlägt Mötting nun andere Töne an. „Es ist sicher nicht meine Aufgabe, durch Kölner Kneipen zu ziehen und Toilettentüren anzuschauen“, so die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Köln. „Da habe ich ganz andere Prioritäten“, wie zum Beispiel die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Gründung eines Väternetzwerks oder die Gewalt gegen Frauen und Mädchen, so Mötting weiter.

Köln: Kritik für „Em Kölsch Boor“ wegen Klo-Beschilderung

Die Stellungnahme dürfte vor allem einer gefallen: Mühlenkölsch-Inhaberin Melanie Schwartz. Die Geschäftsführerin der Kölsch*-Brauerei hat in den vergangenen Tagen Vorwürfe erhoben, „dass die Gesellschaft und auch die Gastronomie viel größere Probleme und Sorgen haben, als eine Toilettentür-Diskussion.“ Dazu zählen unter anderem die geltenden Corona-Regeln für Gastro-Betriebe*, heißt es auf Facebook weiter.

Zuspruch bekommt Schwartz nicht nur von Facebook-Usern, sondern nun auch von Gleichstellungsbeauftragte Mötting selbst. „Ich kann mich der Äußerung von Frau Schwartz und ihrem Team nur anschließen. Die Gesellschaft hat durchaus größere Probleme als die Beschriftung von Toilettentüren – seien es die Probleme der Gastronom*innen durch die andauernde Pandemie oder die vielfältigen Herausforderungen in Sachen Gleichstellung.“ (jw) *24RHEIN ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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