1. 24RHEIN
  2. Köln

Köln: Mühlen Kölsch übernimmt Sünner – Experte ordnet die Bier-Fusion ein

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Johanna Werning

Ein volles Kölsch-Glas steht am Kölner Rhein. Im Hintergrund ist der Kölner Dom zu sehen.
Der Zusammenschluss in Krisenzeiten ist bei Brauereien eine Tradition (Symbolbild) © rclassen/Imago

Mühlen Kölsch und Sünner Kölsch fusionieren. Dass das „gut gelingen“ kann, erklärt Bier-Historiker Marc Chudaska. Denn Zusammenhalt in Krisenzeiten ist Brauerei-Tradition.

Köln – Es war die Meldung in Köln: Künftig arbeiten die beiden ältesten Kölsch-Brauereien zusammen. Mühlen Kölsch übernimmt die Produktion von Sünner. Doch was im ersten Moment überraschend klingt, ist in der Bier-Produktion eigentlich keine Seltenheit, wie Brau-Historiker Marc Chudaska im Interview mit 24RHEIN erklärt: Denn der Zusammenhalt der Brauereien hat eine lange Tradition – gerade in schwierigen Zeiten.

Köln: Mühlen Kölsch übernimmt Sünner-Brauerei – und setzt dabei auch auf Tradition

Die Brauereien von Kölsch und Pils leben schon seit Jahrzehnten ganz nach dem Motto „Man möht och jünne künne.“ In schweren Zeiten hält man darum immer wieder zusammen. Das galt auch schon während des Ersten und Zweiten Weltkriegs. „Die Kapital-stärkeren Unternehmen kauften den kleinen Firmen die Kontingente ab“, da sich der Betrieb der kleinen Brauereien häufig nicht mehr lohnte, erklärt der Bier-Historiker Chudaska. Doch auch wenn einige Brauereien dadurch gerettet werden konnten, mussten viele Betriebe schließen.

Und auch in den 1980er Jahren setzten viele Brauereien in NRW auf Fusion. Die „nächste große Übernahmewelle“ stand vor der Tür, so Chudaska – jedoch mit weniger Erfolg. „Viele dieser Fusionen waren kurzfristig gedacht und oft für den Übernehmenden eine große finanzielle Belastung.“ Bei den Zusammenschlüssen wurde häufig alles „auf dem Braumarkt und der alkoholfreien Getränkeindustrie“ gekauft, erklärt der Bier-Experte. Dabei ging es nicht um die eigentlichen Unternehmen, sondern „um den Absatzbereich der übernommenen Brauerei. Das Personal wurde freigestellt, der Betrieb eingestellt und das Firmengelände veräußert.“

„Die Übernahmepolitik der 1980er und 1990er hat oft mehr gekostet, als sie den Unternehmen gebracht hat.“ Darum habe sich das Verfahren auch nicht durchgesetzt. „Heute setzt man auf Kooperation, nicht mehr auf Marktverdrängung.“ Immerhin ist Bier „immer noch ein Produkt mit hohem Heimatbezug und Identifikationsfaktor“, betont Chudaska.

Fusion bei Sünner und Mühlen – „Es kann gut gelingen, schließlich bleiben beide Marken in Köln“

Und genau so sieht auch die Zusammenarbeit von Mühlen und Sünner aus. Die Brauereien wollen ihre Kräfte bündeln. Die Mühlen-Produktion wird dabei vom Heumarkt in der Innenstadt nach Kalk verlagert – auch die Arbeitskräfte bei Sünner werden übernommen und arbeiten nun für die Brauerei zur Malzmühle. Dort gibt es „optimale Möglichkeiten, sowohl Mühlen Kölsch als auch die Sünner-Produkte weiterzuentwickeln“, so die Brauerei am Montag.

Für Brauer-Experte Marc Chudaska klingt das einleuchtend. „Beide Unternehmen setzen jetzt auf den Synergieeffekt. Es kann gut gelingen, schließlich bleiben beide Marken in Köln.“

Somit soll der Produktionszusammenschluss erneut als Lösung funktionieren. „Die Pandemie und das Schließen der Gaststätten hat vor allem die kleineren Brauereien in finanzielle Schieflagen gebracht. Die Kapazitäten konnten nicht ausgelastet werden. Der Konsum – zum Beispiel Karneval und Biergärten im Sommer – ging zurück“, erklärt der Historiker weiter. „Finanz-schwächere Brauereien mit rein lokalem Bezug mussten vielfach aufgeben und schließen.“ Durch den Zusammenschluss könnte jedoch die Krise bei Sünner möglicherweise abgewendet werden.

Köln: Kölsch-Zusammenschluss liegt im Trend: Früh und Gilden produzieren ebenfalls zusammen

Mit der Entscheidung, dass Sünner und Mühlen künftig an einem Standort produzieren und so Ressourcen sparen, setzen die Kölsch-Unternehmen nicht nur auf Tradition – sie liegen auch voll im Trend: Auch „Gilden“ und „Früh“ verfolgen eine ähnliche Zusammenarbeit.

Und das ist „im Zeitalter der Globalisierung auch notwendig“, wie der Bier-Historiker erklärt. „Es ist wirtschaftlich nicht vorteilhaft, Bier weltweit zu verschicken, es wird rund 90 Prozent Wasser um den Globus geschickt. Unter Lizenz brauen zu lassen spart Kosten bei den Transportwegen, in der Logistik und ist gut für die Umwelt“, fasst Chudaska zusammen. (jw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant