Einblicke in stressigen Alltag

Ist er Kölns bekanntester Rettungsdienstler? Seine Videos haben Millionen Menschen gesehen

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Der Kölner Rettungssanitäter Luis Teichmann („5_sprechwunsch“) macht gerade seinen Master an der TH Köln im Bereich Rettungsingenieurswesen.
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Der Kölner Rettungssanitäter Luis Teichmann hat in seinen jungen Jahren schon viel erlebt – und das teilt er auf Instagram und Tiktok.

Köln – „Können wir vielleicht mit Blaulicht fahren?“, fragt ein Patient im Rettungswagen. Die Antwort: „Na klar“. Und schon erstrahlt der Innenraum in blauem Licht. Das hat der Patient wohl nicht gemeint. Fast eine Million mal wurde diese Situation schon gesehen – in einem Reel auf Instagram. Der 24-jährige Luis Teichmann aus Köln teilt seinen Alltag als Rettungssanitäter mit seinen Followern. Und ist dabei mehr als erfolgreich.

Beim Blick auf seinen Account „5_sprechwunsch“ auf Instagram und Tiktok wird klar: In seinen jungen Jahren hat er schon einiges erlebt. Mit seinen Kollegen ist der 24-Jährige aus Köln immer dann im Einsatz, wenn etwas passiert: Ob Unfälle auf der Autobahn, ein Treppensturz, Brandverletzungen oder seit vergangenem Jahr nun auch Corona-Patienten. Wie der Alltag in seiner Einsatzstelle, der Feuer- und Rettungswache in Köln-Mülheim, aussieht, zeigt Teichmann auf seinem Instagram und Tiktok-Kanal „5_sprechwunsch“.

Köln: Rettungssanitäter Luis Teichmann zeigt seinen Alltag auf Instagram und Tiktok

Über 40.000 Abonnenten hat der Kölner Rettungssanitäter inzwischen auf Instagram. Auf TikTok sind es sogar schon über 310.000. Mal sind es humorvolle Reels, mit denen er seine Abonnenten zum Lachen bringt. Zum Beispiel erzählt er darin von lustigen Kollegen, wie der mürrischen Krankenschwester „Rabbiata“, welche unterschiedlichen Charaktere es beim Rettungsdienst gibt oder wie man einen Rettungssanitäter in nur drei Minuten auf 180 bringen kann.

Manchmal mischen sich in seine Videos aber auch lehrreiche Inhalte. Er zeigt, wie man einen Schlaganfall erkennt oder wie man ein Kleinkind reanimiert. Sogar über seine eigene Corona-Impfung hat der Rettungssanitäter berichtet, um anderen Menschen ein bisschen die Angst davor zu nehmen und transparent zu erzählen, wie die Impfung bei ihm ablief.

Köln: So hat der „Rettfluencer“ Luis mit Instagram und Tiktok angefangen

Unter dem Hashtag „Rettfluencer“, der sich aus den Begriffen Influencer und Rettungssanitäter zusammensetzt, findet man in den sozialen Medien bereits einige Menschen, die ihren Followern einen Blick hinter die Kulissen ihres Berufes ermöglichen. Luis Teichmann ist nun einer von ihnen. In nur einem Jahr hat er eine große Fangemeinde dazugewonnen, die nun regelmäßig seine Storys, Reels und Posts verfolgen. „Damit angefangen habe ich aber eigentlich nur so zum Spaß“, erzählt der 24-Jährige. Wie groß das Interesse dahinter tatsächlich ist, zeigen neben den teilweise über eine Million Views auch die vielen Anfragen, die er von jungen Leuten bekommt. „Viele kommen tatsächlich auf mich zu, weil sie sich für den Job interessieren und selbst gern als Rettungssanitäter oder Rettungssanitäterin arbeiten möchten. Ich freue mich dann und versuche, alle Fragen so gut es geht zu beantworten.“ Ein Thema, das viele Menschen umtreibt. Erst vor kurzem wandte sich ein angehender Krankenpfleger in Köln an seine Nachbarn.

Rettungsdienst in Köln: Luis Job hat auch Schattenseiten – besser später damit anfangen, als zu früh

Dass es in seinem Job aber nicht immer so witzig zu geht wie in einigen seiner Reels, versucht er bei den zahlreichen Anfragen aber auch zu vermitteln. „Auch ich wollte damals Rettungssanitäter werden, weil mich vor allem die Action an dem Beruf gereizt hat“, erzählt Teichmann. Schnell habe er aber auch gemerkt, dass man bei den täglichen Herausforderungen auch mal an seine Grenzen stößt. „Besonders nahe gehen mir immer Einsätze mit Kindern, zum Beispiel wenn ein Kind verstirbt“, erzählt der 24-Jährige. „Bei manchen Einsätzen denke ich auch danach noch über das Erlebte nach und brauche manchmal auch etwas Zeit, um das zu verarbeiten. Wichtig ist dabei immer, das Gespräch mit den Kollegen zu suchen. In besonders ernsten Fällen kann man auch auf psychologische Hilfe zurückgreifen.“

Kölner auf Instagram und Tiktok: So hat sich die Arbeit im Rettungsdienst durch Corona verändert

Inzwischen fährt Teichmann nun seit sechs Jahren für die Johanniter, die in den Rettungsdienst der Stadt Köln eingebunden sind. Die Hilfsorganisation ist täglich mit sechs Rettungswagen und zwei Notarzteinsatzfahrzeugen unterwegs. Neben den Johannitern, der Feuerwehr und anderen Hilfsorganisationen sind in der Domstadt sogar täglich bis zu 60 Rettungswagen im Einsatz – an besonderen Tagen wie dem 11.11. oder der Weiberfastnacht sind es sogar etwa 20 Einsatzfahrzeuge mehr.

Angefangen hat er damit als 18-Jähriger in seinem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ). Die Arbeit mit seinen Kollegen in Köln macht ihm immer noch Spaß, obwohl er längst nicht mehr Vollzeit für die Johanniter arbeitet. Seit Beginn seines Studiums an der TH Köln ist er nun als studentische Hilfskraft im Einsatz.

Was ihm und seinen Kollegen derzeit aber besonders zu schaffen macht, ist die aktuelle Corona-Situation. „Im Sommer war noch relativ wenig zu tun. Jetzt seit dem zweiten Lockdown etwa sind die Einsätze nach meiner Wahrnehmung aber deutlich mehr geworden. Und auch auf unsere Arbeit hat sich die Corona-Pandemie extrem ausgewirkt“, erzählt er. Zum Beispiel ist die Arbeit auch körperlich deutlich anstrengender geworden. Im Dienst müssen nun zwölf Stunden lang FFP2-Masken getragen werden, bei Einsätzen mit einem konkreten Verdacht auf eine Covid-19-Infektion müssen sich die Rettungssanitäter sogar mit einem Schutzanzug und eine Schutzbrille schützen, so Teichmann. „Auch der Zeitaufwand ist nun deutlich gestiegen. Zum Beispiel müssen wir nach jedem Einsatz den Rettungswagen nun noch gründlicher desinfizieren. Vier Einsätze fühlen sich dadurch an wie sechs.“

Dass die Arbeit mit Menschen durch seinen Account ein bisschen mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt und sich so viele für seine Arbeit interessieren, freut den 24-Jährigen. Zu hoffen bleibt, dass sich auch weiterhin viele Menschen für einen Job im Gesundheitswesen entscheiden. (nb)

Wie wird man eigentlich Rettungssanitäter?

Während man als Notfallsanitäter eine berufliche, dreijährige Ausbildung absolvieren muss, kann man seine Ausbildung zum Rettungssanitäter in nur vier Monaten abschließen. Auch eine Ausbildung in Teilzeit ist möglich, die Dauer verlängert sich dann auf bis zu 12 Monate. Bewerber müssen mindestens einen Hauptschulabschluss, ein einwandfreies, polizeiliches Führungszeugnis und einen abgeschlossenen Erste-Hilfe-Kurs nachweisen. Zudem wird vielerorts ein Mindestalter von 17 oder 18 Jahren vorausgesetzt.

Die Ausbildung findet direkt bei den Hilfsorganisationen statt, manchmal auch an privaten Rettungsschulen, für die die Auszubildenden die Kosten aber selbst aufbringen müssen. Die Ausbildung umfasst theoretische Lehrinhalte, ein klinisches Praktikum und ein Praktikum auf der Rettungswache. Ausgebildet werden die angehenden Rettungssanitäter in den Grundlagen über Anatomie, Chirurgie, Innere Medizin, Neurologie, Notfallmedizin, Pädiatrie, Physiologie und Psychatrie. Auch rechtliche und technische Themen rund um den Rettungsdienst werden vermittelt. Ein fertig ausgelernter Rettungssanitäter verdient im Monat etwa 2.000 Euro brutto.

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