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„Langer Tünn“, „Schäfers Nas“ & Co: 5 Kölner „Miljö“-Größen, die Sie kennen sollten

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Von: Mick Oberbusch

Anton Claaßen „Der Lange Tünn“ in einem Wettbüro
„Der Lange Tünn“, bürgerlich Anton Claaßen, verbrachte seine Jugend fast vollständig am Zockertisch (Archivbild). © Eduard Bopp/Imago

„Chicago am Rhein“: In den 60er- bis 80er-Jahren war Köln das Mekka des Glücksspiels, der Prostitution und der Kriminalität. Immer mit dabei: Die Größen des „Miljös“, an die man sich in der Domstadt bis heute erinnert.

Köln – Sie arbeiteten als Zuhälter, Türsteher oder in Spielcasinos, sorgten dafür, dass Köln in den 60er- bis 80er-Jahren den Spitznamen „Chicago am Rhein“ erhielt – und sind in der Domstadt bis heute echte Kultfiguren: Die Rede ist von den Größen des Kölschen „Miljös“, die die Metropole am Rhein vor Jahrzehnten in ein Paradies für Zockerei, Zuhälterei und Kriminalität verwandelten.

Köln war einst das „Chicago am Rhein“

Um den „Langen Tünn“, „Schäfers Nas“ oder auch den „Frischse Pitter“ ranken sich bis heute unzählige Mythen und Legenden – so ziemlich jede Kölnerin und jeder Kölner wissen zu den einstigen Unterwelt-Größen eine Geschichte zu erzählen. Wir stellen fünf bekannte Gesichter aus dem „Miljö“ einmal genauer vor.

Anton Claaßen alias „Der Lange Tünn“ – früher Zocker und Zuhälter, heute Stadtführer

Langer Tünn Anton Claaßen
Der „Lange Tünn“ ist Kölnerinnen und Kölnern heutzutage vor allem als Stadtführer bekannt. (Archivbild) © Eduard Bopp/Imago

Anton Claaßen alias „Der Lange Tünn gehört zweifelsohne zu den berühmtesten „Miljö“-Größen und ist in Köln auch heute noch stadtweit bekannt. Im Alter von 14 Jahren verfällt er laut Eigenaussage dem Glücksspiel in der damaligen Zockermetropole, verliert dabei im Laufe seiner Spieler-Karriere Millionen. So landet er einige Zeit später im Rotlichtmilieu, beginnt, als Zuhälter zu arbeiten und verbringt insgesamt drei Jahre seines Lebens im Gefängnis.

Heute geht es der „Lange Tünn“, der regelmäßig in Talkshows zu Gast ist, deutlich ruhiger an: In Facebook-Videos tut er seine Meinung zu allen möglichen Themen Kund, veranstaltet zudem Stadtführungen, wo er Anekdoten und Geschichten von früher erzählt.

Heinrich Schäfer alias „Schäfers Nas“ – gefürchteter Zuhälter und Retter des Kölnerr Dom-Kreuzes

Schäfers Nas“ war der wohl meistgefürchtete Zuhälter in Köln, seinen markanten Spitznamen hat er seiner großen Nase zu verdanken. Anfang der 1960er Jahre wird er durch seine Aktivitäten im Rotlichtmilieu stadtweit bekannt, liefert sich unter anderem eine Rivalität mit dem „Dummse Tünn“, den er im September 1975 niederschlägt.

Besonders bekannt wird „Schäfers Nas“, der insgesamt acht Jahre seines Lebens im Gefängnis verbringt, 1996, als unbekannte Täter das wertvolle Vortragekreuz aus der Schatzkammer des Kölner Dom stehlen. Auf Bitten des Domprobstes lässt Schäfer seine Kontakte in die Unterwelt spielen und schafft es tatsächlich, das Kreuz zurückzubringen. Die Belohnung von 3000 D-Mark soll er mit den Worten „Vom Dom nimmt man nicht, dem Dom gibt man höchstens“ abgelehnt haben. 1997 stirbt er im Alter von 60 Jahren an Herzversagen.

Peter Frisch alias „Frischse Pitter“ – in Köln mit „Minipli“ und Schnauzbart zur Kultfigur

Frischse Pitter Peter Frisch
Der „Frischse Pitter“ hat seine Lockenpracht vor einigen Jahren abgelegt – dem Schnäuzer ist er jedoch weiter treu. (Archivbild) © Eduard Bopp/Imago

Der „Frischse Pitter“ galt im „Miljö“ als „Wirtschafter“ – eine Bezeichnung für die sogenannten „Aufpasser“, die, wenn nötig, nicht gerade zimperlich mit ihrem Gegenüber umgingen. Besonders sein Aussehen macht ihn noch heute zur Kultfigur: Schulterlange, blonde Locken (der sogenannte „Minipli“) gepaart mit einem stets frisierten Schnauzbart waren in den frühen 60er Jahren sein absolutes Markenzeichen.

Durch illegale Machenschaften in den 60er und 70er Jahren war er für den Spitznamen Kölns als „Chicago am Rhein“ maßgeblich verantwortlich. Heute ist auch der Vater von drei Kindern zur Ruhe gekommen, ist Inhaber eines Knoblauchwagens, mit dem er Stationen in ganz Deutschland abfährt.

Anton Dumm alias „Dummse Tünn“ – Der Leibwächter von Romy Schneider

Bereits als Jugendlicher wird der 1938 geborene Anton Dumm durch Straftaten auffällig, so richtig los geht es für ihn jedoch auch erst Anfang der 60er Jahre, wo der „Dummse Tünn“ als Zuhälter überregional bekannt wird. Das wird ihm jedoch kurz darauf zum Verhängnis, bereits 1965 wird er festgenommen und im Oktober 1966 zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Darüber hinaus macht er sich jedoch noch als Leibwächter der deutschen Schauspiel-Legende Romy Schneider einen Namen.

Zuletzt steht der „Dummse Tünn“ 2009 in den Schlagzeilen, als sich auf seinem mittlerweile erworbenen Reiterhof eine Entführung ereignet, an der auch sein Sohn verwickelt ist. „Der gehört in den Knast“, sagt die Rotlicht-Legende, die mit seinem Sohn zerstritten ist, im Anschluss selbst.

Jakob Franzen alias „Karate Jacky“ – Der „Weltmeister der Straße“

Jakob Franzen alias „Karate Jacky“ vor dem „Cesar‘s Palast“ (heutiges „Secret Cologne“) mit Karatepose
Jakob Franzen alias „Karate Jacky“ wurde am 1. April 2021 tot in seiner Wohnung aufgefunden. © Eduard Bopp/imago images

In den vergangenen Jahren wurde Jakob Franzen alias „Karate Jacky“ vor allem an der Seite seines Kumpels „Langer Tünn“ bekannt, regelmäßig trafen sich beide in der Südstadt auf einen Kaffee und diskutierten im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt. Dem voraus geht jedoch die „Miljö“-Zeit, in den 80er Jahren gehört „Jacky“ zu den gefürchtetsten Leibwächtern und Türstehern überhaupt. Laut Eigenaussage hat der langjährige Kampfsportler, der als „Weltmeister der Straße“ bekannt war, noch nie in seinem Leben einen Kampf auf der Straße verloren.

Für seine Judokünste wurde er sogar einst für den Deutschen Olympiakader nominiert, diese wurde ihm jedoch aufgrund seiner Nähe zum Kölner „Miljö“ wieder entzogen. In den vergangenen Jahren lebte Franzen in einer Obdachlosen-Unterkunft in der Annostraße, bevor er im April 2021 ziemlich überraschend im Alter von 60 Jahren verstarb. Bei seinem Begräbnis auf dem Westfriedhof hielt sein enger Freund „Tünn“ eine emotionale Grabrede.

„Chicago am Rhein“ im WDR

Tipp: Wer noch mehr über die kölschen Legenden aus dem „Miljö“ erfahren möchte, sollte am Freitagabend (19. November) um 21 Uhr das TV-Programm des WDR einschalten. Dort und in der WDR Mediathek läuft der Film „Chicago am Rhein – Von großen und kleinen Ganoven in Köln“ von Regisseur Peter F. Müller, der die Rotlicht-Größen noch einmal gebührend „würdigt“. (mo) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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