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„Nahostkonflikt auch in Köln spürbar“: Zahlreiche antisemitische Vorfälle gemeldet

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Von: Nina Büchs

Kundgebungsteilnehmer demonstrieren auf einer Pro-Palästina Demonstration in Köln.
Am 15.05.2021 demonstrierten in Köln mehr als 800 Menschen auf einer Pro-Palästina Kundgebung. Die Kundgebung wurde nach einer Stunde aufgelöst, da die Corona-Auflagen nicht eingehalten wurden. © Dominik Bund/ Imago

Ist der Nahost-Konflikt auch in Köln zu spüren? Daniel Vymyslicky von der städtischen Antisemitismus-Meldestelle gibt einen Einblick und ordnet die Lage in Köln ein.

Köln – Die Lage in Nahost gilt als äußerst angespannt, seit Tagen eskaliert der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Auf beiden Lagern wurden zahlreiche Tote gemeldet. Auch in Nordrhein-Westfalen heizte sich die Stimmung immer mehr auf. In Bonn und Münster wurde zum Beispiel Synagogen attackiert, die Angreifer zündeten dort unter anderem israelische Flaggen an. Doch wie sehr ist der Nahost-Konflikt auch in Köln spürbar? Und kam es dadurch sogar zu einem Anstieg antisemitischer Vorfälle? Darüber hat 24RHEIN mit Daniel Vymyslicky, Mitarbeiter der antisemitischen Meldestelle der Stadt Köln, gesprochen.

Nahost-Konflikt wirkt sich auch auf Köln aus – zahlreiche israelisch-antisemitischen Vorfälle auf Demo am Heumarkt

„Im Rahmen der Demo, die am vergangenen Samstag auf dem Heumarkt stattfand, kam es zu zahlreichen antisemitischen Vorfällen, die rein gar nichts mehr mit legitimer Kritik an Israel zu tun hatten. Auf zahlreichen Pappschildern und Plakaten wurde der Holocaust relativiert. Aber auch Verschwörungsmythen, wie ‚Kindermörder Israel‘, wurden als Parolen gerufen. Eine größere Gruppe skandierte einen Sprechchor, der die islamistische Terrororganisation Hamas glorifiziert. Ein Teilnehmer versuchte zudem, eine israelische Flagge anzuzünden“, erzählt Daniel Vymyslicky von der Antisemitismus-Meldestelle in Köln. 

Aufgrund zahlreicher antisemitischer Vorfälle, die insbesondere in NRW im Kontext derartiger Demonstrationen an die Öffentlichkeit gelangt waren, sahen sich die Veranstalter der Demo dazu genötigt, sich in einem Online-Statement formal von Antisemitismus abzugrenzen, so Vymyslicky weiter. „Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die Veranstaltung antisemitischen Aussagen mit Israel-Bezug eine Bühne geboten hat“, sagt er.

Zu gewaltsamen Ausschreitungen war es – anders als in Berlin-Neukölln – bei der Demo in Köln nicht gekommen. Dennoch geht aufgrund der angespannten Lage in Nahost auch für das Leben der jüdischen Gemeinde in Köln eine Bedrohung aus. „Vor der Demo haben die Kölner Synagogen ihre Mitglieder bereits gewarnt, den Bezirk rund um den Heumarkt an diesem Tag zu meiden, da dies für sie gefährlich werden könnte. Damit wird das Leben der jüdischen Bevölkerung hier sehr eingeschränkt“, so Vymyslicky weiter.

Gut finde er aber, dass nun auch eine Solidaritätsdemonstration in Köln stattfinden wird. „Sie wird am Donnerstag um 17:30 Uhr am Heumarkt stattfinden und wird unter anderem von der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit organisiert“, sagt Daniel Vymsylicky.

Meldestelle für Antisemitismus in Köln

Daniel Vymyslicky arbeitetet in einer Meldestelle für Antisemitismus in Köln, die es seit März 2021 gibt. Seine Arbeit zielt darauf ab, ein Lagebild zu konstruieren, inwiefern und in welchen Erscheinungsformen Antisemitismus in Köln auftritt. Die in der Meldestelle eingegangenen Hinweise werden dabei sorgfältig dokumentiert und fließen auch in Statistiken ein.

Konflikt zwischen Israel und Palästina: Sind die antisemitischen Vorfälle in Köln gestiegen?

Wie stark die Anzahl antisemitischer Vorfälle aufgrund der aktuellen Situation steigen wird, kann Vymyslicky jedoch nicht sagen. Die Meldestelle in Köln existiert erst seit etwa zwei Monaten, die Datenbasis lasse daher noch keine gesicherten Erkenntnisse zu, erklärt er. „Zweifellos aber ist der Nahost-Konflikt auch in Köln spürbar und führt hier vermehrt zu israelbezogenem Antisemitismus.“.

Antisemitismus in Köln: Wie groß ist das Problem auch außerhalb des Nahost-Konflikts?

Obwohl die Meldestelle nun erst vor wenigen Monaten ihre Arbeit aufgenommen hat, kann Vymyslicky schon erste Erkenntnisse festhalten. „In dieser kurzen Zeit habe ich schon so gut wie jede Erscheinungsform von Antisemitismus in Köln dokumentiert. Doch besonders antisemitische Verschwörungstheorien und israelbezogener Antisemitismus sind aktuell sehr präsent.“ (nb)

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