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Haftstrafe für „Pulverteufel von Köln“ – am Ende des Prozesses musste der Richter hart durchgreifen

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Von: Mick Oberbusch

Blick auf die JVA in Köln-Ossendorf aus der Zellen-Perspektive
Der Blick nach draußen ist für die Inhaftierten der JVA Köln in Ossendorf nur durch die Gitterstäbe möglich (Symbolbild). © Oliver Berg/picture alliance

Das Urteil gegen den „Pulverteufel“ ist gefallen: Wegen Vortäuschens einer Straftat und anderer Delikte muss der 50-Jährige aus Leverkusen nun zwei Jahre in Haft.

Update vom 18. Januar 2021, 19 Uhr: Das womöglich in einer Kölner Zelle entstandene Video eines Gefangenen mit einer Waffe ist nach Erkenntnissen der Polizei schon mehr als eineinhalb Jahre alt. „Nach den polizeilichen Ermittlungen stammt das Video bereits aus März 2019, da der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt in der gefilmten Zelle inhaftiert war und die aus dem Video ersichtliche Kleidung trug“, teilte das NRW-Justizministerium in einem am Montag veröffentlichten Bericht an den Rechtsausschuss des Landtags mit. Ob es sich bei der Waffe um ein scharfes Gerät gehandelt habe, sei aber nicht zu klären gewesen.

Weiter heißt es in dem Bericht, der Haftraum des Mannes war nach Bekanntwerden des Videos umgehend durchsucht worden. „Inkriminierte Gegenstände“ seien dabei aber nicht entdeckt worden. Zudem sei in der JVA zu keinem Zeitpunkt „eine bevorstehende Meuterei“ festgestellt worden. Ein Ermittlungsverfahren sei eingestellt worden, weil nicht auszuschließen gewesen sei, dass es sich bei der gezeigten Waffe um eine Attrappe gehandelt hatte.

Der Bericht geht allerdings davon aus, dass der Mann einen Helfer hatte, der für die Veröffentlichungen zuständig war. Zudem sei ein Verfahren gegen einen Bediensteten der JVA wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit anhängig. Hintergrund seien die Behauptungen des Beschuldigten, durch Bestechung über Waffen, Munition, Handys und andere Gegenstände verfügen zu können.

Update vom 14. Dezember, 11.00 Uhr: Der „Pulverteufel“ von Köln ist wegen Vortäuschens einer Straftat zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Das Urteil wurde am späten Freitagabend bekannt gegeben, nachdem dem 50-Jährigen nach sechs Stunden sein letztes Wort im Prozesswegen Prozessverschleppung entzogen worden war. „Der Entzug des letzten Wortes ist rechtlich zulässig, wenn die Ausführungen nur noch verfahrensfremden Zwecken dienen“, sagte Landgerichtssprecher Jan Orth am Samstag auf Dpa-Anfrage. Der Angeklagte aus Leverkusen wurde außerdem wegen Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Bedrohnung verurteilt. (nb mit dpa)

Verstörendes Video: So dreist lebt JVA-Häftling „Pulverteufel“ im Knast – Koks, Waffen, Geld

Köln – „Bei der kleinsten Violine der Welt, da spielt jeder mit – auch jede Wachtel.“ Es sind die ersten Sätze, die der in Köln als „Pulverteufel“ bekannte und aus Leverkusen stammende Markus T. in die Kamera seines Mobiltelefons spricht. Im April 2018 hatte T. am Landgericht einen großen Polizeieinsatz ausgelöst, weil er eine undefinierte, pulvrige Substanz mit in den Gerichtssaal nahm. Dies brachte ihm den Spitznamen ein, seit Juli diesen Jahres sitzt der polizeibekannte 50-Jährige in der JVA Köln in Sicherungshaft.

Mit Kohle kann man hier eine ganze Menge erreichen

„Pulverteufel“ Markus T. in seinem Handyvideo aus der JVA Köln

Nun veröffentlichte er am 6. Dezember auf der Video-Plattform „vimeo“ ein Video, welches er augenscheinlich mit einem Handy in der Zelle aufgenommen hat. Es trägt den Titel „Waffen, Munition, Drogen, und Geld in der JVA Köln“, wurde über den Twitter-Account „Pulverteufel_LG“ gepostet und bislang über 1000 mal angesehen. Die dort zu sehenden Aufnahmen führten sogar zu Durchsuchungen in der Kölner Justizvollzugsanstalt – die im Video gezeigten Gegenstände wurden allerdings nicht gefunden. „Gegen Geld ist es sehr leicht, in der JVA Köln an Waffen, Muntion und Drogen zu bekommen. Das dort inhaftierte Aktivisti berichtet aus der Zelle mit seinem Handy“, lautet die Videobeschreibung.

Markus T. alias „Pulverteufel“ sieht sich als Aktivist – und präsentiert Drogen, Geld sowie eine Waffe

Das Video zeigt das Innere einer Zelle, womöglich der von Markus T., auch wenn die Leitung der JVA dies nicht bestätigte. „Wichtig ist immer, dass man genug Kohle hat, sonst ist das nicht ganz so hübsch hier“, sagt er, während er einen Berg an Euro-Scheinen filmt, die er unter Handtüchern auf seinem Tisch versteckt. Daneben zu sehen ist eine dünne Linie aus weißem Pulver, der Inhaftierte nimmt einen gerollten Geldschein in die Hand und spricht wiederholt von „Näschen ziehen“. Im Anschluss schwenkt die Kamera auf die Zellenwand, wo ein Bild vom Hambacher Forst hängt. „Auch immer mit dabei, weil das ist wichtig“, sagt der 50-Jährige, der sich in seiner Zelle „bisschen beengt“ fühlt.

Doch damit noch nicht genug. In der Mitte des 3:22 Minuten langen Videos geht der „Pulverteufel“ zu seinem Schrank und holt eine schwarze Handfeuerwaffe samt Patrone hervor. „Ein kleiner Schrank für das Wichtigste: Die Waffe“, sagt er, bevor er diese auf seinem Bett unter weiteren Handtüchern versteckt. „Da sind die hier ein bisschen allergisch, aber wichtig ist auch, dass man Munition hat, sonst geht das Ganze nicht“, erklärt er. Die Frage, woher die Waffe stammt, beantwortet er indirekt: „Mit Kohle kann man hier eine ganze Menge erreichen.“

JVA Köln: Pulverteufel Markus T. zeigt keinen Respekt gegenüber der Justiz

Der fehlende Respekt vor der Justiz und dem Gefängnis klingen in jedem von T.‘s Worten durch, eine Gegensprechanlage in seiner Zelle beschreibt er als „Service-Knopf, falls man die Bedienung wünscht. Einfach drücken, dann meldet sich die Bedienung.“ Der Stolz, als er über seine Besitztümer spricht, ist dem 50-Jährigen anzumerken.

Denn dort postete „Pulverteufel_LG“ kurz nach dem Video folgenden Satz: „Ein Handy zu bekommen (oder zu haben) ist weiterhin nicht schwer. Gegen Geld gibt es hier von bestechlichen Wachteln alles.“ (mo)

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