Verbrechen in Leichlingen

Prozess in Köln: Vergewaltiger kommen mit Bewährungsstrafe davon – Richter begründet mildes Urteil

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Das Landgericht Köln verurteilte drei Vergewaltiger aus Leichlingen zu einer Bewährungsstrafe.
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Das Landgericht Köln verurteilte drei Vergewaltiger aus Leichlingen zu einer Bewährungsstrafe. So rechtfertigte der Vorsitzende Richter das milde Urteil.

  • Das Landgericht Köln hat am Donnerstag, dem 17. Dezember, drei Vergewaltiger verurteilt
  • Das Urteil fiel mit einer Bewährungsstrafe jedoch ungewöhnlich mild aus
  • Das Opfer hat seit der Tat mit psychischen Folgeschäden zu kämpfen

Köln – Nein heißt Nein. Dieses Wort ist unmissverständlich. Einer jungen Leverkusenerin nützte dieses Wort nach einem Kneipenbesuch in Leverkusen aber nicht viel. Denn obwohl sie „Nein“ sagte, wurde sie von drei Männern aus Leichlingen vergewaltigt. Und damit nicht alles: Sie filmten die Tat auch noch mit ihrem Handy. Vor Gericht kamen sie nun mit einer milden Strafe von jeweils zwei Jahren Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, davon.

Vergewaltiger kommen mit Bewährungsstrafe davon: So geht es der Leverkusenerin heute

Vermutlich wird dieses milde Urteil viele Menschen schockieren. Schließlich ist eine Vergewaltigung eine ernste Straftat, die laut dem Bundesamt für Justiz mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft wird. Eine hohe Strafe ist auch angesichts der Folgen für die Opfer gerechtfertigt. So kommt es bei einigen Vergewaltigungsopfern zu posttraumatischen Belastungsstörungen, manche leiden nach der Tat an Depressionen, Psychosen, Panikattacken und Suizidgedanken. Auch die Leverkusenerin belastet die Tat, im April 2018, immer noch schwer. Sie leidet unter einer ärztlich diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung und Panikattacken. Derzeit wartet sie auf einen Platz in der Traumatherapie, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet.

Männer aus Leichlingen vergewaltigen Frau: Das ist der Grund für das milde Urteil

Der Vorsitzende Richter am Landgericht Köln, Benjamin Roellenbleck, gab bei der Urteilsbegründung bekannt, dass sich am Ende sowohl die drei Richterinnen und Richter als auch die Schöffen einig gewesen wären, dass es die Täter verdient hätten, „sich in Freiheit zu bewähren.“ Der Grund für das milde Urteil seien die Geständnisse der Täter vor Gericht gewesen. Durch die Aussagen der drei Männer vor dem Landgericht hätte auch die junge Frau nicht mehr detailliert befragt werden müssen. Zudem wurde ihnen auch ein Täter-Opfer-Ausgleich und eine Zahlung von 9000 Euro an die Geschädigte angerechnet. Wie der Kölner Stadt-Anzeiger weiter berichtet, erschwerte auch das ambivalente Verhalten des Opfers die Entscheidung des Gerichts und damit vermutlich auch die Aussicht auf ein hartes Urteil. Denn das Opfer war zunächst mit den intimen Handlungen einverstanden.

Vergewaltigung in Leverkusen: Opfer war zunächst mit Geschlechtsverkehr einverstanden

Wie der Kölner Stadt-Anzeiger bereits zu Beginn des Prozesses berichtete, soll die Leverkusenerin zunächst sogar einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit einem der Männer gehabt haben. Doch wenig später kippte die Situation. „Ab dem Zeitpunkt, als die Frau dann klar und deutlich „Nein“ gesagt hätte, hätten die Täter wissen müssen, dass ihr Verhalten spätestens von da an falsch und strafbar war“, so der Richter. Stattdessen haben die drei Männer Ende 20 gegen den Willen der Frau weiter intime Handlungen an ihr vorgenommen und diese sogar mit dem Handy gefilmt. Die Handyaufnahmen lagen dem Gericht vor.

Vergewaltigung nach Kneipenbesuch in Leverkusen: Videomaterial zeigt Erschreckendes

Richter Roellenbleck trug vor ein paar Tagen Passagen aus dem Begleittext zum erstellten Videomaterial vor. Diese Beschreibung wurde von der Polizei verfasst. Darin sei zu erkennen, dass die Frau immer wieder „gewimmert“ und zum wiederholten Mal „Nein“ gesagt habe. Die Männer hatten daraufhin „Halts Maul“ geantwortet. Einer von ihnen entgegnete, dass es nun „richtig“ losgehe. Zudem war auf dem Video zusehen, wie sich die Frau vergeblich gegen die Vergewaltiger wehrte, indem sie versuchte, ihre Hände wegzustoßen.

Vergewaltigung in Leichlingen: So lernten sich Täter und Opfer kennen

An dem Tag, an dem die Tat passierte, sollen die Angeklagten außerdem Alkohol und zuvor auch Kokain konsumiert haben. Die Männer hatten die Frau nach einem Stadionbesuch in einer Bar in Leverkusen im Kneipenviertel Opladen kennengelernt. Danach hätte die junge Frau eingewilligt, noch auf einen Absacker in die Wohnung eines der Angeklagten zu gehen. Dort kam es dann zu den intimen Handlungen.

Landgericht Köln verurteilt Vergewaltiger: Sie müssen auch an „Weißen Ring“ zahlen

Laut dem Urteil müssen die Männer außerdem eine Summe von je 1000 Euro an die Opfer-Hilfsorganisation „Weißer Ring“ zahlen. Das Urteil, das das Landgericht Köln am Donnerstagmorgen fällte, ist noch nicht rechtskräftig. Wie die traumatisierte Leverkusenerin mit der milden Strafe ihrer Peiniger umgeht, ist nicht bekannt. (nb)

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