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Kölner Partei fordert: Frauen sollen „Oben ohne“ ins Schwimmbad dürfen – wenn sie wollen

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Von: Max Müller

Ein Fall aus Göttingen macht bundesweit Schlagzeilen: Dort dürfen Frauen seit 1. Mai oben ohne schwimmen gehen. Ist das bald auch in Köln erlaubt?

Köln – Im letzten August hat eine Frau in einem Göttinger Hallenbad obenrum nichts an. Badegäste sprechen sie an, das Personal diskutiert mit ihr. Was sie im ersten Moment nicht wissen: Die Person definiert sich nicht als Frau und möchte – wie andere Männer auch – ihre Brust nicht bedecken. Der Fall landet vor dem Sportausschuss der Stadt. Die Folge: Seit 1. Mai 2022 dürfen Frauen in Göttingen jedes Wochenende oben ohne schwimmen gehen.

Auch in Köln ist das Thema mittlerweile angekommen, wo seit 18. Mai die Freibad-Saison läuft. Die Kölner Fraktion der Volt-Partei fordert in einem Instagram-Post: „Frauen sollten, genau wie Männer, nur in Badehose schwimmen gehen können, wenn sie das möchten“, so die pro-europäische Bewegung, die 2017 gegründet wurde. „Die Stadt Köln sollte ihre Chance nicht verpassen, hier deutschlandweit – wie in Göttingen – eine Vorreiterrolle einzunehmen.“ Gemeinsam mit den Grünen hat Volt im Gleichstellungsausschuss eine Anfrage gestellt, die am 13. Juni diskutiert werden soll.

Gut zu wissen: Die Partei Volt bildet zusammen mit den Grünen und der CDU ein Bündnis im Rat der Stadt Köln.

Oben ohne ins Wasser in Köln? Das sagen die KölnBäder

Umgesetzt werden müssten die neuen Regeln in den Kölner Schwimmbädern. Was hält man dort von dem Vorschlag? „Grundsätzlich begrüßen wir, wenn sich die Politik mit zeitgemäßen Fragen auseinandersetzt. Klar ist aber auch: Für die laufende Freibadesaison ist nicht geplant, die bestehenden Baderegeln zu ändern“, erklärt Franziska Graalmann, Pressesprecherin der KölnBäder GmbH auf Anfrage von 24RHEIN. „Dass Frauen oben ohne schwimmen gehen, ist bei uns kein Thema – weder in diesem Jahr, noch in den Jahren zuvor.“ Das sei allerdings durchaus schon anders gewesen. „Es gibt Bilder aus den 70er Jahren in Kölner Freibädern, da haben ganz viele Frauen ihre Brüste nicht bedeckt.“ Ein grundsätzliches Verbot gebe es auch heute nicht – allerdings nur beim Sonnen auf der Liegewiese.

Im Schwimmbecken gelten andere Regeln. Hier hilft der Blick in die Badeordnung: „Frauen dürfen oben ohne nicht ins Wasser.“ Doch was passiert, wenn, wie im Göttinger Fall, sich eine Person als Mann definiert, obwohl sie rein optisch eher wie eine Frau aussieht? „Das würde keinen Unterschied machen“, stellt Graalmann klar. Das heißt: Es geht darum, wie man von außen wahrgenommen wird, nicht darum, welchem Geschlecht man sich selbst zugehörig fühlt.

Köln: Bewegung Volt fordert Oben-ohne-Recht für Frauen

Die Frage, wie die Badekleidung in Kölner Schwimmbädern aussehen soll, ist ebenfalls klar geregelt. „Die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale müssen bedeckt sein“, erklärt Graalmann. Zusätzlich dürfe der Stoff nicht aus Baumwolle sein und müsse schnell trocknen. Ansonsten gilt: Mehr Anziehen ist immer erlaubt. „Frauen dürfen auch mit Burkini ins Wasser“, sagt Graalmann.

Warum ist ein nackter Männeroberkörper okay, nackte Brüste aber nicht? Diese Frage stellen sich nicht nur Aktivistinnen und Aktivisten in Göttingen oder die Partei Volt. Deutschlandweit gründen sich Bewegungen, die ein Oben-ohne-Recht für alle Menschen fordern – zumindest für die Orte, an denen sich auch Männer mit nacktem Oberkörper zeigen dürfen. Sie fordern Geschlechtergerechtigkeit und die Entsexualisierung des weiblichen Körpers. In Berlin gab es im Sommer 2021 eine Fahrrad-Demo mit dem Motto: „No Nipple is free until all Nipples are free!“ (Keine Brustwarze ist frei, bis alle Brustwarzen frei sind), um gegen ein Verhüllungsgebot in Parks zu protestieren.

Schwimmen für Transsexuelle in Köln

An jedem vierten Freitag im Monat ist das Genoveva-Bad in Köln-Mülheim von 20:30 bis 22:00 Uhr für Menschen reserviert, die sich als trans- oder intersexuell definieren.

Geschichte der Badekleidung: Bikini Verbote in den 50ern

Schon im vergangenen Jahrhundert wurde Frauen per Regelung vorgeschrieben, wie sie sich beim Baden zu kleiden haben. Der sogenannte Zwickelerlass von 1932 besagte, dass Frauen nur dann öffentlich baden durften, wenn sie einen Badeanzug trugen, der Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckte und unter den Armen fest anlag. In den 50er und 60er Jahren gab es Bikini-Verbote in Bädern oder an Stränden, die erst im Zuge der Studentenbewegung und der damit einhergehenden sexuellen Befreiung aufgehoben wurden.

Ein Blick ins europäische Ausland zeigt: Die Kleiderordnung im Schwimmbad ist unterschiedlich geregelt. In Frankreich sind aus hygienischen Gründen in vielen Campingpools lange oder weite Badehosen verboten. Wer schon mal in einem italienischen Schwimmbad war, wird wissen: Dort ist das Tragen einer Badehaube obligatorisch.

Saison startet: Freibäder in Köln

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