Entdeckung am Ebertplatz

Seltene Besucher gesichtet: Tiere aus Südamerika in Köln aufgetaucht – sind sie eine Gefahr für die Stadt?

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Der Nutria ist eine aus Südamerika stammende und in Mitteleuropa eingebürgerte Nagetierart (Archivbild).
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In Köln sind Nutrias nur selten zu sehen. Doch nun sind zwei Exemplare am Ebertplatz und in Sürth aufgetaucht. Das könnte Folgen haben.

  • In Köln wurden Nutrias entdeckt
  • Dabei handelt es sich um Nagetiere aus Südamerika
  • Die Tiere können aber Schäden anrichten

Köln – Auf den ersten Blick sehen sie putzig aus, die zwei Tiere, die ihre Köpfe neugierig in Richtung Kamera aus dem Wasser recken. Dabei handelt es sich um Nutrias – auch Biberratten genannt. Sie stammen eigentlich aus Südamerika – zwei von den Tieren wurden nun in Sürth und östlich des Ebertplatzes am Weiher im Theodor-Heuss-Park entdeckt. Aber auch in den Kölner Rheinauen bei Worringen und Flittard kam es schon zu Begegnungen mit den Tieren. Zwar werden die Tiere in Köln immer noch selten gesichtet, sollte es jedoch zu einer Vermehrung kommen, können die Biberratten auch zur Gefahr werden.

Köln: Nutrias am Ebertplatz und in Sürth entdeckt– darum sieht man sie so selten

„Nutrias kommen in NRW fast flächendeckend vor. Sie besiedeln bevorzugt Bäche und Flüsse mit reicher Ufervegetation. Aber an auch Seen, Teiche und Kiesgruben lassen sich die Tiere gerne nieder, wenn Wasser- und Sumpfpflanzen ausreichend vorhanden sind“, so Achim Kemper vom Naturschutzbund (NABU) Köln. Dass die Tiere in City-nahen Stillgewässern vorkommen, ist jedoch neu, so Kemper. Sie werden außerdem sehr selten gesehen. Der Grund: Die Nagetiere sind nachtaktiv.

Anders als in Köln sind Nutrias in den Bonner Rheinauen regelmäßig zu sehen. Ein Video zeigt, wie nah die Nager Spaziergängern kommen. In der Stadt gilt ein Fütterungsverbot.

Nagetiere aus Südamerika in Köln unterwegs – richten die Tiere etwa Schaden an?

Immer wieder kommt es vor, dass die Nager von der Landschaftsbehörde zum Abschuss freigegeben werden. So auch in Bremen. Die Freigabe erfolgt zum Beispiel dann, wenn „die Nutrias Schäden in Gewässern mit menschlicher Nutzung (zum Beispiel Fischerei) anrichten“, so Kemper. Aber auch im Rahmen des Hochwasserschutzes sei eine Tötung der Tiere erlaubt, da sie durch gegrabene Uferhöhlen in Dämmen, Deichen und Uferbefestigungsanlagen Schaden anrichten können, so Kemper. Doch wie sieht das in Köln aus? „In Köln wurden bislang keine Schäden durch Nutrias gemeldet“, so Birgit Konopatzki, Pressesprecherin der Stadtentwässerungsbetriebe in Köln. Auch auf den Hochwasser-Schutz haben die Tiere keine Auswirkungen, so Konopatzki. „Schließlich bestehen die Uferbefestigungen und Schutzwände gegen das Hochwasser aus Stahl, daher können die Tiere auch dort keine Schäden anrichten.“

Häufig werden die Nagetiere übrigens mit Bibern verwechselt. Der Schwanz der Nutrias ist aber dagegen nicht so rund und auch nicht so abgeflacht, wie bei den Bibern. Ein Steckbrief gibt Aufschluss über Aussehen, Verbreitung, Nahrung und Feinde der Tiere:

Putzige Nager aus Südamerika: An diesen Merkmalen erkennt man die Tiere

  • Aussehen: Das Fell ist überwiegend rötlich braun, am Bauch graubraun. Sie haben auffällige, orange Schneidezähne und einen etwa 45 Zentimeter langen Schwanz, der an eine Ratte erinnert. Nutrias können neun Kilogramm schwer und bis zu 70 Zentimeter lang werden. An den Hinterfüßen besitzen die Tiere Schwimmhäute, mit denen sie sich im Wasser fortbewegen können.
  • Verbreitung: Seit den 20er Jahren wurden die Nagetiere aus Südamerika auch in Pelztierfarmen in Deutschland gehalten. Von dort aus konnten einige Tiere flüchten. Daraufhin haben sie sich auch in Deutschland immer weiter vermehrt. Wie viele Nutrias es in Deutschland gibt, ist nicht erfasst.
  • Nahrung: Nutrias ernähren sich meist vegetarisch und bevorzugen Blätter, Stängel und Wurzeln von Wasserpflanzen. Auch Mais schmeckt den Tieren gut. Seltener sind Schnecken, Würmer und Spüßwassermuscheln auf der Speisekarte der Nutrias zu finden.
  • Feinde: Ganz oben auf der Feindesliste der Nutrias steht der Mensch. Denn graben die Tiere Löcher in die Deiche, werden sie zum Abschuss freigegeben. Dafür ist jedoch eine Ausnahmegenehmigung von der Landschaftsbehörde erforderlich, Nutrias unterliegen nämlich nicht dem Jagdrecht und zählen damit nicht zum jagdbaren Wild. Bei den Tieren können Füchse, freilaufende Hunde, Wölfe, Adler, Eulen und Parasiten für die Nutrias zur Gefahr werden.

(nb)

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