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Kälte bringt Obdachlose in Köln in Gefahr – doch Übernachtungsmöglichkeiten lehnen viele ab

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Von: Nina Büchs

Ein Obdachloser schläft vor einem Geschäft in Köln.
Trotz lebensgefährlicher Kälte meiden manche Obdachlose bereitstehende Notschlafplätze in Nordrhein-Westfalen und harren Wohlfahrtsverbänden zufolge im Freien aus. © Oliver Berg/dpa

Für Menschen, die auf der Straße leben, ist der Winter hart – die Temperaturen können zudem gefährlich werden. Doch Übernachtungsangebote in Köln werden kaum angenommen.

Köln – Die Nächte im Februar waren teilweise frostig. Während jedoch viele Kölner zu Hause in ihren warmen Wohnungen sitzen, sind Obdachlose in diesen Zeiten einer lebensbedrohlichen Gefahr des Kältetods ausgesetzt. Nun will die Stadt ihr Angebot erweitern, um diesen Menschen zu helfen.

Köln: Obdachlose nehmen Übernachtungsangebote teilweise nicht an

Neben Streetworkern sind derzeit sogenannte Kältegänger unterwegs, die bekannte Aufenthaltsorte von obdachlosen Menschen aufsuchen. Auch Hinweisen aus der Bevölkerung gehen sie nach. Die Obdachlosen werden mit Heißgetränken versorgt, zudem erhalten sie Informationen über die Kälteangebote. Seinen Schlafplatz will aber trotz der niedrigen Temperaturen kaum jemand verlassen. „Die Anzahl der Menschen, die dazu motiviert werden konnten, in den angebotenen geschlossenen Räumen Unterkunft zu suchen, ist sehr gering“, so die Stadt. Derzeit nehmen lediglich 45 bis 50 von schätzungsweise 200 Obdachlosen in Köln Übernachtungsangebote wahr.

Was kann man als Einzelner tun, um Obdachlosen zu helfen?

Die Stadt Köln appelliert an alle Bürgerinnen und Bürger, aufmerksam hinzuschauen. Bei akut gefährdeten Menschen werden Bürgerinnen und Bürger gebeten, sich umgehend an den Rettungsdienst unter 112 zu wenden.

Köln: Obdachlose lehnen Übernachtungsangebote ab – das ist der Grund

Immer wieder kommt es also vor, dass Obdachlose in Köln auf Übernachtungsmöglichkeiten verzichten und stattdessen lieber weiter in der Kälte ausharren. „Das ist schlimm, besonders bei diesen Temperaturen“, so Wolfgang Hartung, Leiter der Fachstelle Wohnen vom Kölner Sozialamt. Die Gründe dafür, dass Schlafplätze nicht angenommen werden seien vielfältig, so Hartung. „Einige Wohnungslose fühlen sich in engen Räumen zum Beispiel eingeschränkt. Sie möchten trotz Kälte lieber unter freiem Himmel schlafen. Manche können oder wollen nicht mit anderen in einem Raum schlafen, haben Angst in Notunterkünften bestohlen zu werden oder sie wollen ihre Tiere nicht alleine lassen.“

In Köln sei es laut Hartung meist verboten, größere Tiere wie Hunde in die Unterkünfte mitzunehmen. Die Stadt habe allerdings eine Kooperation mit dem Tierheim Zollstock. Dort können bis zu zehn Hunde pro Nacht aufgenommen und morgens wieder abgeholt werden. Darüber hinaus stellt das Amt für Wohnungswesen im Rahmen der Winterhilfe erneut vier Unterkünfte für Menschen mit Hunden zur Verfügung. Übrigens: Auch in Bonn nimmt das Tierheim Hunde von Obdachlosen auf.

Kältetod möglich: Das sind die Folgen einer Unterkühlung

Eine Unterkühlung beginnt, wenn die Körpertemperatur auf unter 35 °C sinkt. Besonders gefährlich wird es, wenn die Körpertemperatur unter 28 Grad sinkt. In diesem Fall stellt der Körper das Kältezittern ein, der Mensch wird bewusstlos, der Blutdruck fällt stark ab. Ab etwa 20 Grad Celsius tritt der Kältetod ein, die Abkühlung der Herzmuskulatur kann dann zum Herzstillstand führen.

Obdachlose verzichten auf Übernachtungsangebote – so will die Stadt helfen

Um den Menschen, die in der Kälte auf der Straße leben, in den kalten Wintermonaten zu helfen, bietet das Amt für Soziales, Arbeit und Senioren bereits seit 24 Jahren von etwa Oktober bis März (je nach Temperatur) eine „Winterhilfe“ an. In dieser Zeit werden unter anderem die ganzjährig bestehenden Unterkunftsmöglichkeiten aufgestockt.

Stadt baut Winterhilfe weiter aus: Nun auch Tagesaufenthalte möglich

In diesem Jahr wurde das Winterangebot nun weiter ausgebaut. So hat die Stadt nun ein Aufwärmzelt am Bürgerhaus Stollwerck zur Verfügung gestellt. Dort erhalten Wohnungslose ein heißes Getränk und eine Mittagsmahlzeit. Zudem wird ab Montag, dem 15. Februar bis zum 1. März in den Unterkünften in der Ostmerheimer Straße und in der Regentenstraße ein Tagesaufenthalt ermöglicht und eine Mittagsmahlzeit angeboten. In diesen Unterkünften stellt das Amt für Soziales, Arbeit und Senioren in Kooperation mit dem Sozialdienst Katholischer Männer Köln (SKM) und dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) künftig auch eine Einzelbelegung sicher.

Ab 15. Februar: Obdachlosen wird Einzelbelegung in Unterkünften ermöglicht – aber hilft das wirklich weiter?

Zuvor waren in den Unterkünften für Obdachlose in Köln zwei bis maximal vier Personen in einem größeren Raum untergebracht. „Sammelunterkünfte gibt es in Köln dagegen nicht erst seit Corona nicht mehr“, so Hartung. Zumindest dürfte damit ab sofort bei den Obdachlosen die Angst sinken, sich dort mit dem Coronavirus anzustecken. „Ich persönlich denke nicht, dass die Einzelbelegung dazu führt, dass plötzlich weniger Obdachlose auf der Straße schlafen. Trotzdem wäre dies wünschenswert. Ob das Übernachtungsangebot damit tatsächlich mehr angenommen wird, wird sich allerdings erst mit der Zeit zeigen,“ so Hartung.(nb)

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