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Spenden-Aktion: Verein aus Köln will 1,3 Milliarden Euro für Arme und Obdachlose sammeln – mit nur einem Bild

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Von: Lydia Schauff

Ein Obdachloser schläft unter der Brückenzufahrt der Hohenzollern-Brücke in Köln
Ein Obdachloser schläft an der Hohenzollern-Brücke. Der Kölner Verein „Kunst hilft geben“ kämpft seit 2012 gegen Obdachlosigkeit und Armut. (Archivbild) © Roland Scheidemann/dpa

Der Kölner Verein „Kunst hilft geben“ möchte mit dem Verkauf von nur einem Bild 1,3 Milliarden Euro für Projekte gegen Armut sammeln.

Köln – Es ist ein ambitioniertes Vorhaben: Der Kölner Verein „Kunst hilft geben“ kämpft seit 2012 gegen Obdachlosigkeit und Armut in Köln. Mit einer besonderen Aktion soll nun auch armen und obdachlosen Menschen weltweit geholfen werden: Indem das Bild „Chariot“ (Streitwagen) von Künstler Manfred Dahmen aus Mülheim an der Ruhr mehrfach verkauft wird. Die Idee: Das Gemälde soll zu einem Startpreis von 20.000 Euro verkauft und danach weiter veräußert werden.

Kölner Verein hilft Obdachlosen: ein Kunstwerk soll 1,3 Milliarden Euro bringen

Wie man damit auf 1,3 Milliarden Euro kommt? Indem der Preis bei jedem Weiterverkauf verdoppelt wird. Insgesamt 17 Mal muss das Bild dafür also den Besitzer wechseln. „Das klingt verrückt, ist aber ernst gemeint“, sagt Dirk Kästel, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Cultopia-Kunst hilft geben“.

Das bedeutet auch, dass der vorübergehende „Besitzer“ sich aktiv für die Weitergabe des Gemäldes einsetzen muss und sollte. Oder er behält es einfach und gibt dafür idealerweise gleich 1,3 Milliarden Euro aus. Denn die Summe könne auch von einer Einzelperson oder einer Gruppe komplett und idealerweise gespendet werden, damit die Summe nicht durch die sonst notwendigen Steuerabgaben minimiert wird.

Kölner Spendenaktion: „Mein Onkel hat jahrelang als Obdachloser vegetiert“

Der Verein hofft aus dem verkauften Bild für einen guten Zweck das „teuerste, soziale Kunstwerk der Welt“ zu machen. Mit dem so eingenommenen Geld könnten insgesamt 1.500 soziale Projekte gegen Armut und Obdachlosigkeit in aller Welt unterstützt werden. Für dem Stifter des Kunstwerks, Manfred Dahmen, ist die Hilfsaktion eine Herzensangelegenheit: „Ich weiß, wie wichtig der Kampf gegen Armut und Obdachlosigkeit ist. Mein Onkel hat jahrelang als Obdachloser auf einem Friedhof in Düsseldorf vegetiert. Deshalb schenke ich Kunst hilft geben mein Gemälde.“

Das Foto zeigt das Bild „Chariot“ aus Schellack und Deka-Lack von Künstler Manfred Dahmen aus Mühlheim an der Ruhr.
1,3 Milliarden Euro möchte der Kölner Verein „Kunst hilft geben“ mit dem Bild „Chariot“ („Streitwagen“) von Manfred Dahmen für Obdachlose und Arme sammeln. ©  Manfred Dahmen/www.kunst-hilft

Besonders die zurückliegenden eiskalten Wintertage haben sehr deutlich gezeigt, wie hart und gefährlich das Leben von Obdachlosen ist. Mitte Januar ist ein Obdachloser in Köln einfach erfroren. Auch hier versucht der Verein zu helfen, verteilt Winterschlafsäcke und Lebensmittel-Pakete. Auch andere Kölner zeigen sich mit Obdachlosen solidarisch. Das Kölner Traditionsunternehmen Brügelmann verteilte etwa 5000 FFP-2-Masken an Obdachlose in Köln.

In Hamburg, Berlin, Wien, Paris und London hätten sich laut des Vereins bereits Kooperationspartner für die Idee und den Kampf gegen Obdachlosigkeit zusammengeschlossen. Finde das Projekt bis zum Schluss Käufer, wäre es den Angaben zufolge die weltweit größte privat initiierte Hilfsaktion gegen Obdachlosigkeit. „Aber wichtig ist erstmal der erste Schritt“, sagt Vereinsvorstand Dirk Kästel.

Aktion von „Kunst hilft geben“ Köln: inspiriert von Künstler Joseph Beuys

Sobald das Gemälde für 20.000 Euro verkauft wird oder es alternativ eine Spende in der Höhe gibt, wird das Geld sofort auf sechs Projekte, die gegen Obdachlosigkeit und Armut kämpfen, verteilt. Das heißt: 3.333 Euro für jedes Projekt. Nach jedem Verkauf oder jeder erfolgten Spende – auf der nächsten Stufe also 40.000 Euro – soll das Geld sofort an weitere Projekte verteilt werden. Ob es am Ende wirklich 1,3 Milliarden Euro werden, ist also völlig offen. und bisher der unerfüllte Traum des Vereins.

Inspiriert ist die Aktion laut Kästel von dem legendären deutschen Künstler Joseph Beuys, der sagte: „Der Gedanke, ist das Kunstwerk“. Der mildtätige Verein Kunst hilft geben griff jetzt diesen sozialen Beuys-Gedanken auf und macht ihn zur Herzensaufgabe.

Der Kölner Verein „Kunst hilft geben“

Der Verein „Kunst hilft geben“ besteht seit 2012 und hat nach eigenen Angaben in der Vergangenheit schon Hilfe durch Künstler wie Gerhard Richter, Georg Baselitz, Rosemarie Trockel, Klaus Staeck oder HA Schult erhalten. In 69 Benefizausstellungen wurden in neun Jahren zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit über 1,4 Millionen Euro gesammelt.

Dank der Unterstützung von über 80 Künstlern konnte der Verein im Pandemie-Jahr 2020 Spenden und Kunstverkaufserlösen von einer Million Euro sammeln. Mehr als 350.000 Euro wurden direkt weitergespendet, um bedürftige Kinder mit Laptops für Homeschooling auszustatten, 15 Kölner Obdachlosenhilfe-Einrichtungen wurden direkt unterstützt.

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