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Mammut-Vision für Köln: Hauptbahnhof auf andere Rheinseite verlegen

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Blick aus Richtung Nordwesten auf Hauptbahnhof Köln und Dom - eine Vision, statt Schienen gibt es einen grünen Park mitten in der Stadt
So stellen sich die Macher die Neue Mitte Köln vor: Wo heute Schienen sind verläuft ein grünes Band bis zum umfunktionierten Hauptbahnhof. © Neue Mitte Köln/nmk.koeln

Im Kölner Presseclub warben der Architekt Paul Böhm und der Unternehmer Paul Bauwens Adenauer für die Vision, die Verkehrswege in Köln grundlegend neuzugestalten – mehr Platz für Mensch und Natur.

Köln – Das schönste an Köln* so die Meinung vieler, sei die Fahrt mit dem Zug über die Hohenzollernbrücke. Vorne im Blick der Kölner Dom*, rechts und links der Rhein*. Für andere hat die Reise in die andere Richtung mehr Reize. Schnell weg aus einer Stadt, die so wenig aus sich macht. Im Kölner Presseclub stellten Paul Bauwens Adenauer und Paul Böhm im Gespräch mit Peter Pauls ihre Vision für eine neue Mitte Kölns* vor. Der Hauptbahnhof Köln*, der sich mit seinen Gleisanlagen über die Jahrzehnte immer weiter in der Innenstadt ausgebreitet hat, soll ins Rechtsrheinische ziehen. Auf den neu gewonnenen Freiflächen in der Innenstadt könnten Kultur- und Erholungsangebote geschaffen werden. New York hat es schon vorgemacht mit seiner „Highline“, einer begrünten ehemaligen Hochbahntrasse, auf der nun gejoggt, flaniert oder einfach nur gechillt werden kann.

Paul Böhm ist Architekt und Architektur-Professor an der TH in Köln. Zu seinen bekanntesten Bauten zählt die Zentralmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld*

Paul Bauwens-Adenauer ist ebenfalls Architekt und Bauunternehmer in Köln. Er bemängelt das Erscheinungsbild der Stadt massiv, dabei habe Köln enorme Chancen, so Paul Bauwens-Adenauer*.

Peter Pauls ist Vorsitzender des Kölner Presseclubs, zuvor war er lange Jahre Chefredakteur der Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger.

Paul Bauwens Adenauer: „Verlegung des Hauptbahnhofs keine Idee für die Schublade“

Für den Architekten und Unternehmer Paul Bauwens-Adenauer ist die Verlegung nicht nur eine Utopie für die Schublade, sondern ein Plan, der sich - anders als Stuttgart 21- innerhalb von zehn Jahren umsetzen ließe. Von der Verlegung könnten am Ende alle nur profitieren. Auch das Rechtsrheinische werde mit neuen Gebäuden für Wohnen und Gewerbe aufgewertet und könne an alte Industriekultur anknüpfen.

Kölner Hauptbahnhof degradiert Dom zum „Wartesaal erster Klasse“

Schon sein Großvater, Konrad Adenauer, habe 1948 in einer Rede in der Aula der Universität auf die Verlegung des Bahnhofs als wichtigste städtebauliche Aufgabe hingewiesen. Der Bahnhof in unmittelbarer Dom Nähe war von Anfang an umstritten. Eine preußische Machtdemonstration, die den Dom in den Augen vieler zum „Wartesaal erster Klasse“ degradierte. Pläne, den Hauptbahnhof zu verlegen, gab es immer mal wieder. Nach dem Zweiten Weltkrieg dachte man über einen Neubau auf dem heutige Mediapark Gelände nach. Doch es scheiterte am Geld und so frickelte man lieber den zerstörten Hauptbahnhof wieder zusammen und vertraute auf das alt bekannte Provisorium.

Paul Böhm: Verkehr in Köln muss grundsätzlich anders geregelt werden

Rund 1500 Züge rollen täglich über die sechsgleisige Eisenbahnbrücke am Hauptbahnhof. Eine neue „Westspange“ für 4 Milliarden Euro soll den Verkehr deshalb mit neuen Trassen entlasten. „Nicht zukunftsweisend“, sondern nur für den Status quo urteilt der Architekt und Stadtplaner Paul Böhm. Er sieht den Verkehr in Köln „kurz vor dem Kollaps“. Deshalb müsse dieser grundlegend anders geregelt werden. Am jetzigen Standort des Hauptbahnhofs sollen deshalb nur noch die S-Bahnen* und der Regionalverkehr abgewickelt werden. Beginnen könne man mit der Verlegung des Güterverkehrs.

Unternehmer Paul Bauwens Adenauer, Moderator Peter Pauls und Architekt Paul Böhm
Unternehmer Paul Bauwens Adenauer, Moderator Peter Pauls und Architekt Paul Böhm. © Kölner Presseclub

Aber kann Köln überhaupt Veränderung? Das Potenzial dazu habe die Stadt in der Vergangenheit immer mal wieder gezeigt so Paul Böhm. Zum Beispiel in den 20er Jahren, als Köln das Zeug dazu hatte, sich in eine moderne Stadt zu verwandeln. Das Hansahochhaus war eines der ersten Hochhäuser in Deutschland. Oder beim Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg.

Die Stadt habe das Potenzial für eine zwei bis drei Millionen Einwohnerstadt, aber dafür müsse man groß denken. Nur groß träumen reicht eben nicht. Der nächste Schritt auf dem Weg zur „neuen Mitte“: eine Machbarkeitsstudie. Das Publikum im Saal war geteilter Meinung. Zwei Drittel konnten sich für die Pläne begeistern, das andere Drittel möchte bei Ankunft in Köln doch lieber auf den Dom schauen. (Ulrike Brincker) *24RHEIN ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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