1. 24RHEIN
  2. Köln

Raubserie in Köln: Reemtsma-Entführer Drach bleibt in Amsterdam in Auslieferungshaft

Erstellt: Aktualisiert:

Ein Fahrzeug mit einem von der Spurensicherung gekennzeichnetem Einschussloch am 9.11.2019 vor einem Ikea in Frankfurt/Main
Ein Fahrzeug mit einem von der Spurensicherung gekennzeichnetem Einschussloch am 9.11.2019 vor einem Ikea in Frankfurt/Main. Ein Geldbote wurde überfallen, angeschossen und schwer verletzt. © Frank Rumpenhorst/dpa

Die Staatsanwaltschaft Köln hat die Auslieferung von Reemtsma-Entführer Drach beantragt. In den Niederlanden wurde er wegen Raubs auch in Köln verhaftet und muss vor den Haftrichter.

Update vom 26. Februar, 16:00 Uhr: Thomas Drach, der frühere Reemtsma-Entführer muss weiterhin in Amsterdam in Auslieferungshaft bleiben. Ein Richter hatte die Haft am Freitag erneut verlängert, teilte eine Sprecherin des Gerichts der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Kölner Justiz hatte zuvor einen Auslieferungsantrag gestellt. Wider Erwarten hatte sich das Gericht noch nicht damit befasst. (nb mit dpa)

Reemtsma-Entführer Drach muss in Amsterdam vor Haftrichter – Auslieferung nach Köln beantragt

Update vom 23. Februar, 17:43 Uhr: Der wegen des Verdachts auf mehrere Raubüberfälle festgenommene Reemtsma-Entführer Thomas Drach wird am Mittwoch in Amsterdam dem Haftrichter vorgeführt. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag in Amsterdam.

Die Kölner Staatsanwaltschaft hat einen Antrag auf Auslieferung gestellt. Wann der 60-Jährige nach Deutschland ausgeliefert werden könne, ist noch unklar. Nach einem schnellen Verfahren könnte das nach Angaben des Justizsprechers in den Niederlanden innerhalb von zehn Tagen der Fall sein.

Drach war am Dienstag in den Niederlanden festgenommen worden. Ihm werden drei Überfälle auf Geldtransporte 2018 und 2019 zur Last gelegt.

Raubüberfälle in Köln: Verdächtiger soll Reemtsma-Entführer Thomas Drach sein

Update vom 23. Februar 14:37 Uhr: Bei einem nach mehreren Geldtransporter-Überfällen verhafteten 60-Jährigen soll es sich um den verurteilten Reemtsma-Entführer Thomas Drach handeln, wie die Deutsche Presseagentur berichtet. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung darüber geschrieben.

Dem 60-Jährigen werden nun gemeinschaftlicher schwerer Raub in drei Fällen und ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen.

Ohne einen Namen zu nennen, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft in Köln, die niederländische Polizei habe am Dienstagmorgen einen vom Amtsgericht Köln erlassenen Europäischen Haftbefehl gegen einen 60-jährigen Deutschen vollstreckt.

Raubüberfälle in Köln und Frankfurt: Verdächtiger in den Niederlanden gefasst

Erstmeldung vom 23. Februar 08:45 Uhr: Köln/Frankfurt am Main – Die Polizei in den Niederlanden hat einen Haftbefehl gegen einen 60-jährigen Deutschen vollstreckt, der an drei Raubüberfällen auf Geldtransporter in Köln und Frankfurt am Main beteiligt gewesen sein soll.

Dem Mann werde gemeinschaftlicher schwerer Raub in drei Fällen und ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft Köln am Dienstag mit. In welcher Stadt in den Niederlanden die Polizei den 60-Jährigen am Dienstagmorgen festnahm, teilte sie zunächst nicht mit.

Thomas Drach sitzt am 13.10.2011 im Saal 288 des Landgerichts Hamburg auf Anklagebank
Thomas Drach sitzt am 13.10.2011 im Saal 288 des Landgerichts Hamburg. Der verurteile Reemtsa-Entführer soll an einer Raubserie in Köln und Frankfurt beteiligt gewesen sein. © Christian Charisius/dpa

Raubüberfälle in Köln und Frankfurt hängen zusammen – Täter bei Flughafen-Überfall schwer bewaffnet

Die Überfälle wurden demnach im März 2018 und im März 2019 in Köln sowie im November 2019 vor einer Ikea-Filiale in Frankfurt am Main verübt. Alle drei Fälle liefen nach einem ähnlichen Muster ab: Die Täter überfielen die Geldboten an ihrem Transporter, flüchteten mit einem gestohlenen Auto und zündeten dieses anschließend in der Nähe an. Danach setzten sie ihre Flucht mit anderen Autos fort.

Bei dem Überfall am Flughafen in Köln-Bonn im Jahr 2019 habe der 60-Jährige ein Maschinengewehr benutzt. In dem ausgebrannten Autowrack in Köln-Porz hatten Ermittler ein Sturmgewehr entdeckt, bei dem es sich laut Staatsanwaltschaft um die Tatwaffe handelt.

Damals war ein Geldbote durch Schüsse schwer verletzt worden, kurzzeitig schwebte er nach Angaben der Polizei von damals auch in Lebensgefahr. Auch bei dem Überfall vor einem Möbelhaus in Frankfurt war ein Geldbote durch Schüsse schwer verletzt worden. Am Flughafen Düsseldorf konnten Bundespolizisten einen anderen Räuber kürzlich noch festsetzen.

Ein Polizeibeamter steht am 24.03.2018 in Köln neben einem ausgebrannten Auto
Ein Polizeibeamter steht am 24.03.2018 in Köln neben einem ausgebrannten Auto, das zwei Männer nach einem Raubüberfall auf einen Geldtransporter zur Flucht genutzt haben sollen. © Thomas Kraus/dpa

Raubüberfälle in Köln und Frankfurt: Tätersuche mit Aktenzeichen XY

Die Polizei in Köln und Frankfurt hatten mit einem Großaufgebot nach den Tätern gefahndet. Der Raubüberfall in Köln-Godorf wurde im November 2018 auch in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ gezeigt, im August 2020 lief dort auch der Fall aus Frankfurt.

Die Ermittler aus Frankfurt zeigten damals auch Bilder des mutmaßlichen Täters – in weißem Kapuzenpulli und schwarzer Jogginghose – und des Fluchtfahrzeugs. Die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ bringt der Polizei öfters nützlich Hinweise, wie zuletzt bei einem Trickbetrugsfall in Duisburg.

Die Polizei vermutete schon länger einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen. Der Raubüberfall im März 2018 in Köln-Godorf habe vor einem Möbelhaus stattgefunden, genau wie der in Frankfurt 2019. Zudem teilten die Ermittler nach dem Überfall am Flughafen Köln mit, dass der Geldtransporter zu demselben Unternehmen gehöre, das bereits in Köln-Godorf überfallen worden sei.

Raubüberfälle in Köln und Frankfurt: Beteilung von Ex-RAF-Mitgliedern vermutet

Vermutungen, dass Mitglieder der ehemaligen Rote Armee Fraktion an den Taten beteiligt gewesen sein könnten, bestätigten sich laut Mitteilung in den Ermittlungen nicht. Gegen den 60-jährigen Deutschen hatte die Staatsanwaltschaft Köln einen europäischen Haftbefehl erlassen. Die Auslieferung des Mannes nach Deutschland sei bereits beantragt. Angaben zu möglichen weiteren Tätern machte die Staatsanwaltschaft am Dienstag nicht. (dpa/lys)

Auch interessant