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Eltern verzweifelt: Kind bekommt keinen Schulplatz in Köln – „einfach traurig“

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Von: Johanna Werning

Links: Kinder mit ihren Schultaschen warten bei der Einschulung auf einer Bank. Rechts: Das Rhein-Panorama in Köln.
In Köln gibt es zu wenig Schulplätze – auch Mateusz aus Köln-Langel ist betroffen (Symbolbild) © Kirchner-Media/Imago & Manngold/Imago

Köln hat zu wenig Gymnasien. Mateusz und viele seiner Mitschüler haben noch immer kein Schulplatz für die weiterführende Schule. Seine Eltern sind verzweifelt.

Köln – Trotz „einer uneingeschränkten Gymnasialempfehlung und sehr guten Noten“ hat der zehnjährige Mateusz aktuell noch immer keinen Schulplatz an einem Gymnasium in Köln. Der Grund. Das Chaos rund um die Kölner Schul-Anmeldung. „Das ist furchtbar, wirklich. Unsere Kinder sind vergessen worden. Das ist einfach traurig“, erzählt seine Mama Aleksandra im Gespräch mit 24RHEIN.

Zu wenig Schulplätze in Köln: Kein Platz für Mateusz und seine Mitschüler?

Mateusz ist einer von vielen Kölner Grundschulkindern, die nach dem Sommer auf die weiterführende Schule gehen, doch einen Platz haben der Zehnjährige und Hunderte weitere Kinder noch nicht. „Wir sind da nicht die Einzigen. Auch an Mateuszs Schule sind mehrere Familien betroffen“, erklärt Aleksandra weiter. Denn in Köln gibt es gerade an Gymnasien viel zu wenig Plätze. Vor allem in diesem Jahr sind die begehrten Schulplätze Mangelware. 100 Kinder sollen sogar gar keinen Platz an Kölner Schulen bekommen. Sie müssen dann in anderen Kreisen und Städten zur Schule gehen.

Köln: Eltern wegen Schul-Chaos verzweifelt – „wurden von Aufnahmeprozedur betrogen“

Auch Mateusz hat bereits zwei Absagen von Schulen in seiner Nähe bekommen. Einmal am Maximilian-Kolbe-Gymnasium (kurz MKG) in Köln-Wahn und einmal am Lessing-Gymnasium Köln (kurz LGK) in Zündorf, beide im Bezirk Köln-Porz. Seine Eltern haben dabei das LGK als Zweitwunsch angegeben. Auch Mateusz Bruder ist bereits an der Schule angemeldet. „Darum haben wir gedacht, dass er dort auf jeden Fall genommen wird.“

„Am 14. März 2022 haben wir die Absage vom MKG bekommen – mit der Information, Mateusz würde den 18. Platz auf der Warteliste belegen. Wir dachten, dass in dem Moment automatisch die Anmeldung an das LGK weitergegeben wird. Aber das ist leider nicht passiert.“ Stattdessen endete Ende März die erste Anmeldephase – ohne Schulplatz für Mateusz.

„Wenn man alles zusammenfasst, wurden wir von der Aufnahmeprozedur betrogen“, so seine Eltern weiter. „Mateusz ist jetzt gefährdet, an keinem Kölner Gymnasium einen Platz zu bekommen, obwohl wir im ersten Verfahren bereits zwei Schulen angegeben haben und ihm durch das Geschwisterkind-Kriterium ein Platz an der Zweitwunschschule zusteht.“

Köln: Aktueller Stand zum Schulproblem – der Überblick

Wegen Schulmangel in Köln: Privatschule oder stundenlanger Schulweg als letzte Chance

„Mateusz ist sehr traurig. Wenn er aus der Schule kommt und von seinen Freunden erzählt, die schon einen Platz haben, spricht sein Gesicht Bände“, erzählt Aleksandra. Aktuell gibt es für den Zehnjährigen wohl nur zwei Möglichkeiten, so seine Mutter weiter. Entweder eine Privatschule in Porz oder ein Platz an einem Gymnasium in der Kölner Innenstadt. „Die Privatschule ist sehr teuer. Das kostet viel Geld – aber es ist unsere letzte Möglichkeit.“

Denn wenn Mateusz einen Platz in der Kölner Innenstadt bekommt, hat er einen langen Schulweg. „Von Langel braucht er dann 1 Stunde und 20 Minuten, um zu Schule kommen.“ Außerdem müsse er auf seinem Schulweg zwei KVB-Linien nutzen, also umsteigen. „Erst die Linie 7 und dann die Linie 1“, erzählt Aleksandra weiter. Dennoch habe sie ihren Sohn angemeldet – um überhaupt noch einen Platz zu bekommen.

Zu wenig Schulplätze in Köln: Eltern schreiben Brief an Reker und Gebauer

Die Situation ist für die Familie sehr belastend, so die Mutter von Mateusz. „Wir warten die ganze Zeit auf Rückmeldungen. Es ist sehr stressig und ich fühl mich so verantwortlich.“ Denn hätten Aleksandra und ihr Mann Krzysztof ihren Sohn gleichzeitig an dem MKG und dem LGK angemeldet – also eine Doppelanmeldung gemacht – hätte Mateusz seinen Platz am Lessing-Gymnasium bekommen. „Das hat uns erst die Schule mitgeteilt, als wir nachgefragt haben. Aber da war es zu spät.“ Vorher habe man Mateusz und seinen Eltern nie gesagt, dass die Doppelanmeldung nötig sei.

Die Familie hat darum nun einen offenen Brief an die Stadt und das Land NRW geschrieben. Das Schreiben ging auch an Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Schulministerin Yvonne Gebauer. Der Brief sei die letzte Hoffnung für Mateusz, doch noch einen Schulplatz am städtischen Gymnasium in der Nähe zu bekommen. „Wir wollen eine Erklärung, aber auch eine Lösung für Mateusz.“ (jw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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