Kinder bei Wunsch-Gymnasium abgelehnt

Köln: Ärger um Schul-Anmeldung – Los entscheidet, wer Platz an einer Schule bekommt

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400 Kinder wurden an ihren Wunsch-Gymnasien in Köln abgelehnt. (Symbolbild)
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In diesem Jahr wurden so viele Kinder an ihrem Wunsch-Gymnasium in Köln abgelehnt, wie nie zuvor. Jetzt soll per Los entschieden werden, an welcher Schule sie einen Platz erhalten.

Köln – Vielen Schülerinnen und Schülern steht in Köln in diesem Jahr der Eintritt in eine weiterführende Schule bevor. Doch die Anmeldung an einer neuen Schule ist für die Schüler und ihre Eltern seit Jahren mit einem enormen Kraftakt verbunden. Das Problem: Es gibt in Köln zu wenige Grundschulen, Gesamtschulen und Gymnasien. Das wirkt sich auch auf die Anmeldungen aus – so kommt es vor, dass viele Schülerinnen und Schüler an Schulen abgelehnt werden und deshalb an andere Schulen umverteilt werden müssen. Zudem hat die Stadt nun ihr Verfahren geändert – sehr zum Ärger der betroffenen Eltern und Schüler.

Köln: Stadt ändert Anmeldeverfahren an weiterführenden Schulen – das „Los“ entscheidet

Über 400 Kinder sind in diesem Jahr an ihrem Wunsch-Gymnasium abgelehnt worden, so viele Ablehnungsbescheide wie in diesem Jahr hat die Stadt noch nie verschickt, berichtete kürzlich der Kölner Stadt-Anzeiger. Für die betroffenen Schüler geht der Kampf um einen Schulplatz weiter, sie mussten sich weiter nach einem Schulplatz umschauen.

Doch erst kürzlich änderte die Stadt nun ihr Verfahren. Denn wie sonst üblich, neben dem Erstwunsch auch einen Zweitwunsch angeben zu können, ist dies für die Eltern und ihre Kinder nun nicht mehr möglich. „Da es immer wieder vorkam, dass weder der Erst- noch Zweitwunsch erfüllt werden konnte, erfolgt nun die Umstellung auf das Verfahren, das sich beispielsweise in Bonn seit Jahren bewährt hat“, so die Stadt.

Das heißt, dass die Schüler, die an ihrer Wunsch-Schule nicht angenommen worden sind, eine Aufstellung der Schulen erhalten, an denen noch freie Plätze vorhanden sind. „Die Eltern haben dann die Möglichkeit, ihr Kind an einer dieser genannten Schulen anzumelden und können so einen realisierbaren Zweitwunsch wählen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Entschieden werden soll dabei auch per „Los“, ob das Kind an der Schule einen Platz erhält oder nicht. Für die Eltern und ihre Kinder ist das Losverfahren ein Unding. Letzte Woche haben sie deshalb auf dem Alter Markt dagegen protestiert.

Köln: Per Losverfahren Platz an weiterführender Schule erhalten

Der WDR hat die Demonstration in der Sendung „Lokalzeit aus Köln“ begleitet. In diesem Beitrag kam auch der Vater eines Kindes zu Wort: „Es ist unsere zentrale Forderung hier heute, endlich aufzuhören die Kinder zu verlosen und zum Glücksspiel zu degradieren.“ Auch sein Sohn wurde an seiner Wunsch-Schule abgelehnt. Stattdessen hat die Familie ein Schreiben erhalten, auf der mehrere Schulen gelistet sind, bei denen sich der Schüler im Losverfahren um einen Schulplatz bewerben kann.

Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Es kann sein, dass eine vorgeschlagene Alternativ-Schule mit einem weiten Schulweg verbunden ist. Die Kinder könnten also teilweise von ihrem Wohnort hin zur Schule entsprechend lange unterwegs sein.

Inzwischen ist nun auch die zweite Runde bei der Vergabe der Plätze beendet. Nach Informationen des Kölner Stadt-Anzeigers haben etwa 50 Viertklässler noch immer keinen Platz erhalten. Es stehen nun noch Plätze an sechs Gymnasien bereit, heißt es.

Schulplatzvergabe in Köln: Gewerkschaft kritisiert fehlende Schulentwicklungsplanung

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Stadtverband Köln hat sich zu der Problematik geäußert. „Die aktuelle Schulplatzvergabe ist die Folge einer verfehlten Schulentwicklungsplanung. Es gibt in Köln zu wenige Grundschulen, zu wenige Gesamtschulen und zu wenige Gymnasien. Politik und Verwaltung haben die Bevölkerungsprognosen für Köln nicht in eine entsprechende Schulbauplanung und entsprechenden Schulbau umgesetzt“, so die Kritik. Ernst genommen hat die Stadt den Bedarf nie, die persönlichen Schicksale spielten keine Rolle“, so die Gewerkschaft weiter.

Übrigens: Für die Lehrerinnen und Lehrer der weiterführenden Schulen gibt es nun gute Neuigkeiten. Die Stadt hat ihnen nun ein Impfangebot gemacht, um sie vor einer Ansteckung des Coronavirus zu schützen.

Köln: Neun weitere Klassen werden an Gymnasien eingerichtet – langfristige Lösung muss her

Immerhin hat die Stadt an den Gymnasien nun kurzfristig weitere Kapazitäten geschaffen. „Der nach wie vor hohen Nachfrage entsprechen die Gymnasien durch eine um maximal zwei Kinder erhöhte Klassengröße und zusätzlich neun Mehrklassen. Daher kann nun jedes an einem Gymnasium angemeldete Kind im nächsten Jahr einen Platz an einem Kölner Gymnasium erhalten“, so die Stadt in einer Pressemitteilung. Doch klar ist: Es muss eine dauerhafte Lösung her – und zwar bald.

Das sieht auch die Bezirksregierung Köln so. „Langfristig kann nur die konsequente Reduktion der Mehrklassen und eine parallele und bedarfsorientierte Schaffung von neuen, zusätzlichen Unterrichtsräumen durch die Stadt Köln helfen die Situation zu entschärfen. So könnten lange Fahrwege für Schülerinnen und Schüler reduziert und Wunschschulen oder wohnortnahe Alternativen angeboten werden“, so die Bezirksregierung in einer Pressemitteilung. (nb)

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