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Köln: Frauen „oben ohne“ ins Freibad? Das sagt die Gleichstellungsbeauftragte dazu

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Von: Nina Büchs

In den Kölner Freibädern gilt eine klare Regel: Oben ohne baden ist für Frauen nicht erlaubt. Wie sieht die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt das?

Köln – Die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist auch im Jahr 2022 noch ein brisantes Thema – das zeigt sich nicht nur in puncto Lohngerechtigkeit oder bei der Frauenquote. Auch in den Schwimmbädern und Freibädern haben Frauen und Männer meist noch nicht die gleichen Rechte. Denn wer zum Beispiel im Lentpark, im Ossendorfbad oder in anderen Schwimm- und Freibädern in Köln als Frau schwimmen gehen will, muss obenrum bekleidet sein. Bei Männern reicht eine Badehose. 24RHEIN hat bei der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Köln, Bettina Mötting, nachgefragt.

Köln: „Weibliche Brust wird tabuisiert“ – Oben-ohne-Regel für Frauen in Schwimmbädern?

Frauen mit nacktem Oberkörper sieht man beim Baden im Freibad oder Schwimmbad kaum. In der Badeordnung der Köln Bäder heißt es dazu: „Der Aufenthalt im Nassbereich der Bäder ist nur in üblicher Badekleidung gestattet“. Ein vager Satz – der dennoch viel verrät. Denn „übliche“ Badebekleidung bei Frauen heißt nun mal obenrum bekleidet, sei es nun mit einem Tankini, einem Bikini oder einem Badeanzug.

Sollten auch Frauen oben ohne ins Freibad dürfen? Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Köln hat dazu eine Meinung – ihr Statement im Wortlaut bei 24RHEIN:

Das sagt Bettina Mötting

„Was seit Ende der 60er im Zuge der Studentenbewegung bis in die 90er selbstverständlich war, ist heute wieder Stein des Anstoßes. Die weibliche Brust wird tabuisiert und muss bedeckt werden, weil andernfalls zu befürchten ist, dass die Frauen angestarrt bzw. Dritte erregt werden. Warum sollten Frauen sich dieser Doktrin anpassen?

Die unterschiedliche Behandlung der Brust aufgrund sekundärer Geschlechtsmerkmale stellt eine Diskriminierung dar. Die Oben-ohne-Vorschriften für Frauen werden mit einer höheren Sexualisierung der weiblichen Brust begründet. Dies ist aber quasi ein Zirkelschluss, weil das ja gerade die Diskriminierung ist. Im Grunde geht es darum, sich frei bewegen zu dürfen. Warum müssen Frauen Freiheiten aufgeben, obwohl sie gegen keine gesetzliche Normen verstoßen?

Unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft sollten nackte Brüste als etwas Normales angesehen werden. Der Blick der anderen ist das Problem, nicht die Nacktheit an sich. Um der gesamten Kölner Gesellschaft und jeglichen Kulturkreisen gerecht zu werden, ist für eine Pilotierungs- bzw. Übergangsphase eine Oben-ohne-Regelung in Schwimmbädern für bestimmte Wochentage zu befürworten“ (Bettina Mötting, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Köln)

► Bettina Mötting leitet seit dem 1. Januar 2019 das Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern. Zuvor führte die Abteilung „Zentrale Dienste“ im Jobcenter Köln. Für die Stadt Köln ist Mötting seit 1989 tätig. In ihrer aktuellen Funktion engagiert sie sich unter anderem für mehr Frauen in Politik und Parlamenten, gegen Gewalt an Frauen, gegen sexistische Werbung in Köln sowie für mehr Geschlechtergerechtigkeit. Quelle: Stadt Köln

Oben ohne ins Freibad Köln: Partei Volt will Frauen freistellen, ob sie ohne Oberteil baden gehen

Eine freiwillige Oben-Ohne-Regelung für Frauen in Kölner Bädern forderte die Partei „Volt“. In einem Instagram-Post der Partei hieß es dazu: „Frauen sollten, genau wie Männer, nur in Badehose schwimmen gehen können, wenn sie das möchten.“ Ohne Bikinioberteil Bahnen ziehen – das ist in Göttingen übrigens seit Kurzem kein Problem mehr. Dort dürfen weibliche Badegäste seit dem 1. Mai 2022 jedes Wochenende oben ohne schwimmen gehen.

Anlass dieses Beschlusses war, dass eine Frau letzten August in einem Göttinger Hallenbad obenrum nichts anhatte. Sie wurde daraufhin von Badegästen und dem Personal angesprochen. Die Besucherin definierte sich selbst jedoch nicht als Frau und wollte – wie viele Männer auch – ihre Brust nicht bedecken. Das heikle Thema landete schließlich vor dem Sportausschuss – der die Badeordnung daraufhin änderte. Während in Göttingen an Samstagen und Sonntagen also nun auch Frauen oben ohne schwimmen gehen dürfen, ist dies in der Stadt Köln, die für Toleranz und Weltofffenheit steht, nicht die Regel. Für Volt ein Skandal. „Die Stadt Köln sollte ihre Chance nicht verpassen, hier deutschlandweit – wie in Göttingen – eine Vorreiterrolle einzunehmen“, fordert deshalb die Partei.

Köln: Dürfen Frauen nun oben ohne ins Freibad?

Soweit so gut – doch wie sieht es mit der Umsetzung in den Kölner Freibädern und Schwimmbädern aus? „Grundsätzlich begrüßen wir, wenn sich die Politik mit zeitgemäßen Fragen auseinandersetzt. Klar ist aber auch: Für die laufende Freibadesaison ist nicht geplant, die bestehenden Baderegeln zu ändern“, erklärte Franziska Graalmann, Pressesprecherin der KölnBäder GmbH auf Anfrage von 24RHEIN. Sich im Freibad oder Schwimmbad als Frau mit nackten Brüsten zu zeigen, das ist bislang lediglich beim Sonnen auf der Liegewiese erlaubt.

Keinen Unterschied mache es dabei auch, wenn eine Frau oben ohne schwimmen geht, aber sich als Mann definiert, so Graalmann. Das heißt: Es geht nur um die Wahrnehmung von Außen, nicht aber darum, welchem Geschlecht man sich zugehörig fühlt. Inwiefern sich die Baderegeln in Köln ändern werden und was weiter passieren wird, bleibt abzuwarten. Eine Anfrage zu diesem Thema haben Volt mit den Grünen im Gleichstellungsausschuss gestellt – diskutiert werden soll darüber am 13. Juni. (nb) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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