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Kinder sollen im Container schwimmen lernen – besonders in bestimmten Stadtteilen

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Von: Johanna Werning

Immer mehr Kinder in Köln können nicht schwimmen. Das soll sich ändern. Eine Lösung, die vor allem in sozialen Brennpunkten helfen soll: Schwimm-Container.

Köln – 59 Prozent der Zehnjährigen sind laut einer forsa-Umfrage keine sicheren Schwimmer. Auch in Köln gibt es immer mehr Kinder, die nicht richtig schwimmen können. Besonders schlimm: „In Köln kann derzeit nicht garantiert werden, dass jedes Kind Schwimmen lernt“, erklärt Oliver Seeck, SPD-Mitglied im Kölner Stadtrat und Vorsitzender des Sportausschusses. Denn es gibt einfach nicht genügend Schwimmunterricht. Das liegt vor allem daran, dass vier von neun Kölner Lehrschwimmbecken aktuell stillliegen. „Das ist aus meiner Sicht völlig inakzeptabel und das werde ich auch so nicht hinnehmen“, so Seeck.

Köln: Im Container sollen Kinder aus sozialen Brennpunkten das Schwimmen lernen

Links: Ein leerer Schwimm-Container. Rechts. Oliver Seeck (r.) und Martin Becker (l.) vor einem Schwimmbecken.
Um das Schwimm-Dilemma in Köln zu lösen, sollen Pool-Container helfen. Das versprechen sich zumindest Oliver Seeck (r.) und Martin Becker (l.). © Oliver Seeck & 24RHEIN

Das Problem: Kölner Kinder lernen das Schwimmen häufig nur dann, wenn ihre Eltern private Schwimmkurse bezahlen können. Kinder in sozialen Brennpunkten bleiben hingegen häufig auf der Strecke und kommen teilweise sogar überhaupt nicht mit Wasser in Berührung. Das weiß auch Martin Becker, Gründer der privaten Schwimmschule Sharky am Schloss. „Es darf nicht der Anspruch sein, dass nur Kinder das Schwimmen lernen, die auch Golf spielen.“

Ein Lösungsansatz, um das Schwimm-Dilemma zu beenden: Schwimm-Container. Gemeinsam mit Frank Rabe, Generalsekretär vom Schwimmverband NRW, hat Becker deswegen ein Pilotprojekt erarbeitet. Die Schwimm-Container mit einem acht Meter langen Pool ermöglichen eine erste Wassergewöhnung und das Erlernen der Grundfertigkeiten des Schwimmens – direkt auf dem Pausenhof der Grundschule.

Ein Entwurf zum Schwimm-Container.
So soll der Schwimm-Container aussehen (Entwurf) © Oliver Seeck

So sieht der Schwimm-Container aus

► Der Pool ist 8 Meter lang, 3 Meter breit und 1,25 Meter tief.

► Bis zu 6 Kinder können zeitgleich unterrichtet werden.

► Der Pool-Container mit einem Gesamtgewicht von 33 Tonnen kann mit einem Lkw transportiert werden.

► Am jeweiligen Standort muss es lediglich einen Strom- und Wasseranschluss geben.

► Die Gesamtkosten belaufen sich laut einer ersten Schätzung auf 173.400 Euro. Der Großteil wird von Investoren und Förderern gestemmt. Die Stadt muss lediglich die Kosten von Strom und Wasser und die Organisation der Standorte übernehmen.

Schwimmen lernen in Pool-Container: So soll das Projekt in Köln ablaufen

Die Schwimm-Container sind dabei eine Erweiterung der Schwimm-Lkws, die in Köln bereits diskutiert worden sind. „Die Kosten liegen bei der Hälfte, dafür ist die Größe doppelt so groß“, erklärt Becker. Bis zu sechs Kinder können zeitgleich unterrichtet werden. Dabei steht der Container direkt in Schulnähe und benötigt lediglich einen einfachen Hausanschluss an das Stromnetz.

Theoretisch würde der Container sogar ausreichen, um das Seepferdchen zu machen. Ziel ist es jedoch vor allem, die Kinder an das Wasser zu gewöhnen, die sonst keine Berührung mit Schwimmunterricht hätten.

Das Vorhaben: Bereits nach den Osterferien 2023 geht es los. Bis zu den Herbstferien hätte man dann Zeit, verschiedene Standorte mit dem Schwimm-Container anzufahren und eine zweiwöchige „Projektwoche Schwimmen“ durchzuführen. Von montags bis freitags soll dann der Schwimmunterricht stattfinden. Eine Einheit mit sechs Schülern dauert 45 Minuten. Bis zu 700 Kinder könnten dann das Schwimmen lernen – pro Standort.

Die Trainer könnten dabei entweder von Sharky oder von den KölnBädern gestellt werden – je nach Bedarf, betont Becker. Am Wochenende könnten zusätzlich Seminare und Fortbildungen angeboten werden, um künftige Schwimmtrainer auszubilden. Am Ende der Projektwoche müsste das Wasser dann zur Hälfte abgelassen und der Container mit einem Lkw zum nächsten Standort gebracht werden. Dort würde das Schwimmbecken dann wieder mit Wasser befüllt und anschließend erwärmt werden, bevor die nächste Projektwoche startet.

Pool-Container in Köln: Stadt muss bis November ihr Go geben

Das Besondere: Die Finanzierung für das Projekt steht bereits, wie Seeck und Becker sagen – und kostet die Stadt nur wenige Hundert Euro pro Standort. Denn die Stadt muss lediglich für Strom- und Wasserkosten aufkommen. Der Rest wird von Investoren und Förderern bezahlt, die bereits gefunden worden sind. „Wir haben die Infrastruktur und größere Partner, die da mitmachen“, so Becker. Und dennoch ist noch nicht klar, ob das Pilotprojekt in Köln umgesetzt wird oder doch in anderen NRW-Städten startet.

Denn auch wenn Sharky gemeinsam mit den Investoren die Anschaffung des 115.000 Euro teuren Containers übernimmt und sich um die Logistik und Schwimmtrainer kümmert, ist das Handeln der Stadt für eine Umsetzung erforderlich: „Das einzige, was wir nicht machen können, ist die Liste der Standorte. Das muss von der Kommune kommen“, erklärt Becker.

Und genau dabei gibt es eine Forderung von Sharky: Der Schwimm-Container soll vor allem dort aufgestellt werden, wo es viele Kinder gibt, die keine Möglichkeit haben, das Schwimmen außerhalb von privaten Kursen zu lernen. Konkret heißt das, dass die Container vor allem in sozialen Brennpunkten aufgestellt werden sollen. „Da geht es bewusst um Chorweiler oder Meschenich“, sagt Becker.

Bis Mitte November muss es ein Go der Stadt geben. Ansonsten soll das Projekt in einer anderen Stadt in NRW starten. Immhin wird im gesamten Bundesland dringend nach innovativen Lösungen wie mobilen Schwimmbädern gesucht(jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, NRW und Deutschland passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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