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KVB nimmt 30 Bahnen wegen Brandgefahr außer Betrieb

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Von: Sofia Popovidi

Gleisbett der Linie 18 auf der Luxemburger Straße Höhe KVB Haltestelle Eifelwall in Köln.
Eine KVB-Stadtbahn der Linie 18 – Fahrzeuge der Nachfolgebaureihe sind betroffen. © Christoph Hardt / Imago

Die KVB nimmt 30 Stadtbahnen in Köln aus dem Betrieb. Der Grund: Brandgefahr. Für wie lange, ist immer noch unklar. Die Auswirkungen für Fahrgäste sind massiv.

Köln – Seit Donnerstag, 27. Oktober 2022, sind in Köln weniger Stadtbahnen der KVB unterwegs als gewöhnlich. Der Grund: „Die KVB muss vorübergehend fast 30 Hochflurfahrzeuge aus dem Betrieb nehmen“, das teilt das Unternehmen am Mittwochvormittag mit. Der Grund: Ein Feuer, das Anfang Oktober in einer KVB-Stadtbahn am U-Bahnhof Ebertplatz ausgebrochen ist. In der Folge müssen die Bahnen der betroffenen Bahnserie 2300 mit neuer Software umgerüstet werden. Das teilte die KVB auf einer Pressekonferenz am Mittwochmittag mit.

Pünktlich zum 11.11. – KVB fährt wieder mit Doppelzügen

Wie die KVB am 10. November 2022 mitteilte, können auf den vom Brand betroffenen Linien 3, 5 und 13 ab dem 11. November wieder Doppelzüge eingesetzt werden. Die Bahnen der Serie 2300 gehen somit wieder in Betrieb.

KVB nimmt 30 Bahnen aus dem Verkehr – massive Auswirkungen

Folgen für Fahrgäste: Für Fahrgäste wird das „massiven Beeinträchtigungen“ haben, heißt es auf der Pressekonferenz der KVB. Demnach werde es zu „Kapazitätsengpässen kommen“. Personal der KVB soll für Fahrgäste, die Fragen haben, im Einsatz vor Ort sein.

Welche Züge der KVB betroffen sind: Zwischen 25 und 30 Bahnen der betroffenen Serie 2300 werden jetzt nach und nach aus dem Verkehr gezogen. Bereits ab Donnerstag, 27. Oktober 2022, stehen diese Hochflurbahnen nicht mehr zur Verfügung. Lediglich die Bahnen der Serie 2300 sind betroffen, da das betreffende Bauteil spezifisch für die jeweilige Bauserie ausgelegt ist. Straßen- und U-Bahnen in anderen Städten sind nicht betroffen.

Welche KVB-Linien betroffen sind: Die fehlenden Bahnen werden Auswirkungen auf mehrere Linien der KVB haben.

Wie lange die KVB-Bahnen fehlen: Diese Regelung soll nach ersten Informationen bis zum 5. November 2022 gelten. Allerdings sei auch nicht klar, wann die Umrüstung beendet sei.

Wie Fahrgäste informiert werden: Fahrgäste werden entsprechend informiert, auch Schulen sollen gezielt informiert werden.

Warum die KVB-Bahnen aus dem Verkehr gezogen werden: In einer Bahn der KVB-Linie 18 ist am 8. Oktober 2022 im U-Bahnhof Ebertplatz ein Feuer ausgebrochen. Dabei handelte es sich um den Zug mit der Nummer 2316 der jetzt zurückgerufenen Bauserie 2300. Die KVB hat derzeit rund 33 Züge davon in Köln im Einsatz. Grund für das Feuer am Ebertplatz war eine Überhitzung des sogenannten Fahrmotorumrichters. Dieser regelt unter anderem Bremsvorgänge und Stromzufuhr. Die Bahnen der Serie 2300 wurden im Nachgang des Unfalls untersucht.

Erst jetzt zeigte sich jedoch, dass in diesen Zügen eine neue Software nötig ist, erklärt die KVB. Diese Nachricht vom Software-Zulieferer sei für die KVB „überraschend über Nacht gekommen“. Da ein „mittleres Brandrisiko besteht“, will man auf Nummer sicher gehen und zieht die betroffenen Bahnen der Baureihe aus dem Verkehr. „Da läuten bei uns die Alarmglocken“, heißt es. Durch die neue Software soll das Brandrisiko aufgehoben werden. Man gehe nicht von einer vollständigen Erneuerung des Motorumrichters aus, „lediglich einer Verbesserung“. Das soll durch das Software-Update erreicht werden.

Was jetzt passiert: Alle betroffenen Bahnen werden entsprechend umgebaut. Doch das dauert.

KVB nimmt fast 30 Straßenbahnen aus dem Betrieb – Ende noch unklar

Die notwendigen Arbeiten zur Fehlerbehebung dauern weiterhin noch an. Unter anderem werden diverse Messfahrten und technische Dokumentationen gemacht. „Bevor jedoch bei der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) der Antrag zur Wiederfreigabe für den Fahrbetrieb gestellt werden kann, bedarf es einer vollständigen Dokumentation“, heißt es in einer Pressemitteilung der KVB.

Dies bedeutet, dass die Fahrzeuge weiterhin außer Betrieb sein werden und Fahrgäste nach wie vor mit Kurzzügen fahren müssen. Geplant war, dass die Kurzzüge alles Voraussicht nach mindestens bis Samstag, 5. November 2022, eingesetzt werden. Wann genau die Bahnen wieder freigegeben werden, ist jedoch weiterhin unklar. „Für uns hat die Sicherheit oberste Priorität. Wir bitten unsere Fahrgäste deshalb weiterhin um Verständnis für die hiermit verbundenen Unannehmlichkeiten“, so Stefanie Haaks.

KVB nimmt 30 Stadtbahnen aus dem Betrieb – das Hochflurbahnnetz

Auf den KVB-Linien 3, 4, 5, 13, 16, 17 und 18 verkehren derzeit Hochflurbahnen. Von dem Ausfall betroffen sind die Stadtbahnen der KVB-Linie 3, KVB-Linie 5 und KVB-Linie 13. Diese Fahrzeuge der Serie 2300 werden ab Donnerstag, 27. Oktober 2022, aus dem Verkehr gezogen. Als Ersatz werden Kurzzüge eingesetzt, die aber nur halb so lang wie die vorherigen sein werden. Die Folgen könnten Fahrgäste in Form von Platzmangel ab morgen zu spüren bekommen.

Hochflurbahn vs. Niederflurbahn – wo ist der Unterschied?

Eine Hochflurbahn ähnelt einer Eisenbahn. Sie hat einen durchgehenden Boden über den Rädern in einer Höhe zwischen 76 cm und einem Meter. Das erfordert für einen barrierefreien Ein- und Ausstieg einen entsprechend hohen Bahnsteig mit langen Rampen, um eine derartige Höhe auch barrierefrei zu erreichen. Alternativ – aber nicht barrierefrei – können an niedrigeren Bahnsteigen auch Treppen ausgeklappt werden.

Mit einer Niederflurbahn soll der barrierefreie Zugang von niedrigen Bahnsteigen (ca. 20 bis 35 cm) ermöglicht werden, das heißt: Der Boden in der Bahn ist entsprechend tiefer. Dadurch ist auch der Hohlraum unter der Bahn reduziert und die Bahn fährt deutlich leiser. Es gibt Straßenbahnen mit Einzelradaufhängung, wodurch der gesamte Boden auf derselben Höhe liegen kann. In Köln sind aufgrund der flexiblen Modellwahl viele Ersatzteile sowohl für die Hochflurbahn als auch für die Niederflurbahn nutzbar.

Aktuell sind nach Angaben der KVB rund 330 Stadtbahnen in Köln im Einsatz. Rund die Hälfte davon sind Hochflurfahrzeuge. Davon werden ab dem 27. Oktober etwa 25 bis 30 ausfallen.

Auch zwischen Köln und Bonn sind Hochflurfahrzeuge unterwegs. Diese werden gemeinsam von KVB und SWB betrieben. Einige der Fahrzeuge wurden gemeinsam angeschafft. Betroffen von den kommenden Beeinträchtigungen sind jedoch nur Hochflurbahnen der KVB in Köln.

KVB: Hunderte Hochfluhrbahnen in Köln im Einsatz – Fahrzeugtypen

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KVB schafft neue Hochflurbahnen an: Erste Bahnen bereits im Betrieb

Die ersten neuen Hochflurbahnen der KVB trafen bereits im Dezember 2020 in Köln ein. Grund für den Einsatz der neuen Bahnen: Sie sollen einen Teil der alten Fahrzeuge, die seit Ende der 1970er und 80er in Betrieb sind, ersetzen. Eine reine Hochflurlinie ist beispielsweise die KVB-Linie 3. Hier sind bereits die ersten Hochflurfahrzeuge des Herstellers Alstom (ehemals Bombardier) in der Stadt unterwegs. Weitere neue Fahrzeuge sollen bis voraussichtlich Sommer 2023 im Zwei-bis Drei-Wochen-Rhythmus in Köln angeliefert werden.

Der Mittwoch wurde zudem von zwei Unfällen überschattet: In Deutz rammte ein Lkw eine Stadtbahn der Linie 3, in Niehl stieß eine Stadtbahn der KVB ebenfalls mit einem Lkw zusammen. (spo/mlu) Weitere Informationen folgen. Fair und unabhängig informiert, was in Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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