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Köln: Nach mysteriösem Verschwinden des Tengelmann-Chefs – Familie will ihn für tot erklären lassen

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Von: Nina Büchs

Tengelmann-Mitinhaber und Geschäftsführer Karl-Erivan W. Haup posierte am Mittwoch (05.11.2003) in Mülheim an der Ruhr mit einer 50 Jahre alten Tengelmann-Papiereinkaufstüte.
Der milliardenschwere Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haup ist seit April 2018 verschwunden (Archivbild). © Bernd Thissen/dpa

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub ist seit 2018 verschollen. Seine Familie will ihn nun für tot erklären lassen. Der Fall ist nach wie vor rätselhaft.

Köln – Fast zwei Jahre ist es nun her, seit die Familie des Tengelmann-Chefs Karl-Erivan Haub mit der Ungewissheit über sein Schicksal leben muss. Der Milliardär war allein zu einer Skitour aufgebrochen und niemals zurückgekehrt. Nun will ihn seine Familie nach längerem Zögern für tot erklären lassen. Die Familie habe sich den bereits laufenden Anträgen auf Todeserklärung angeschlossen, sagte ein Sprecher des Kölner Amtsgerichts. Zuvor hatte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung darüber berichtet.

Köln: Tengelmann-Chef spurlos verschwunden – das ist über den mysteriösen Fall bekannt

Es sollte wohl ein ganz normaler Ausflug werden, als Karl-Eviran Haub, einer der reichsten Deutschen, am 7. April 2018 zu einer Skitour in die Schweiz aufbrach. Die Familie geht davon aus, dass er am Klein Matterhorn bei Zermatt tödlich verunglückte. In der Unternehmensgruppe Tengelmann hatte daraufhin sein jüngerer Bruder Christian die alleinige Geschäftsführung übernommen. Er, sein Bruder Georg und das Unternehmen hatten bereits im Oktober beantragt, seinen Bruder für tot erklären zu lassen. Georg Haub hatte seinen Antrag allerdings Mitte Januar zurückgezogen. Ein Video der dpa zeigt, was damals unternommen wurde, um den Familienvater zu finden:

Tengelmann: Karl-Erivan Haubs Verschwinden löste Familienstreit aus

Der Hintergrund: Seit dem Verschwinden von Karl-Erivan Haub schwelt ein Familienstreit um die Neuverteilung der Macht bei dem milliardenschweren Handelskonzern. Mit dem Antrag auf Todeserklärung stieg der Druck auf Katrin Haub und ihre Kinder, die Anteile ihres Familienstamms zu verkaufen. Schließlich müssen sich die Kinder auf Erbschaftssteuerzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe einstellen.

Tengelmann: So „schwer“ ist das Vermögen der Familie Haub

Die Familie Haub belegt laut einem Ranking des Manager Magazins im Herbst 2019, Platz 25 der reichsten Deutschen. Ihr Vermögen wird auf 5 Milliarden Euro geschätzt. Der milliardenschweren Familie gehören auch Anteile am Baumarkt Obi, zudem ist Tengelmann seit Dezember 2020 Alleineigentümer des Textildiscounters Kik. Auch an verschiedenen Internetfirmen, wie Zalando, ist das Unternehmen beteiligt. Die Supermarkt-Marke Kaiser‘s Tengelmann wurde im Jahr 2016 an Edeka und Rewe verkauft.

Karl-Erivan Haub seit 2018 verschwunden: Todeserklärung von Ehefrau scharf kritisiert

Der Antrag auf Todeserklärung war von der Ehefrau des Verschwundenen, Katrin Haub, zunächst scharf kritisiert worden. „Es ist sehr befremdlich, dass sich jemand Drittes anmaßt, solche Entscheidungen für unsere Familie treffen zu wollen“, ließ Katrin Haub der Deutschen Presse-Agentur damals über einen Sprecher mitteilen. Wie es zur Entscheidung kam, nun doch der Todeserklärung beizutreten, blieb zunächst offen. „Die Familie hat diese Entscheidung aus höchstpersönlichen Gründen getroffen“, sagte ein Sprecher der Familien lediglich.

Nach Antrag auf Todeserklärung: So geht es nun weiter

Bevor das Amtsgericht Köln über die Zulässigkeit des Antrags auf Todeserklärung entscheidet, hat nun die Kölner Staatsanwaltschaft noch die Möglichkeit eine Stellungnahme abzugeben. Hält das Gericht danach den Antrag für zulässig, so beginnt das sogenannte Aufgebotsverfahren mit der öffentlichen Bekanntmachung des Antrags und der Aufforderung an den Verschollenen und alle, die etwas über seinen Verbleib sagen können, sich zu melden.

Todeserklärung bei vermissten Personen: Fristen regelt das „Verschollenheitsgesetz“

Immer wieder kommt es vor, dass Menschen vermisst werden und nicht mehr auftauchen. So unter anderem auch die35-jährige Kölnerin Ayse Yildiz. Oder, ein etwas prominenterer Fall: Der ehemalige DSDS-Star Daniel Kübelböck, der 2018 bei einer Kreuzfahrt in der Labradorsee verschwand. Das „Verschollenheitsgesetz“ regelt je nach Alter und Art des Verschwindens (z.B. möglicher Flugzeugabsturz oder Schiffsunglück), welche Fristen für die Todeserklärung gelten.

Laut dem Verschollenheitsgesetz gilt jemand dann als verschollen, wenn dessen Aufenthalt während längerer Zeit unbekannt ist, ohne dass Nachrichten darüber vorliegen, ob er in dieser Zeit noch gelebt hat oder inzwischen gestorben ist, sofern nach den Umständen hierdurch ernstliche Zweifel an seinem Fortleben begründet werden. Verschollen ist jedoch nicht, wessen Tod nach den Umständen nicht zweifelhaft ist.

Die Aufforderung wird nicht nur an der Gerichtstafel veröffentlicht, sondern muss nach dem Gesetz auch in einer Tageszeitung erscheinen. Nach dem Ermessen des Gerichts kann sie auch noch in anderer Weise - etwa auf elektronischem Weg im Bundesanzeiger - veröffentlicht werden. Das Aufgebotsverfahren kann zwischen sechs Wochen und einem Jahr lang dauern. Nach Ablauf dieser Frist kann dann die Todeserklärung erfolgen.

Anträge auf Todeserklärung sind eher selten. Im Kölner Amtsgericht hätten nur fünf oder sechs der 60 000 Verfahrenseingänge im vergangenen Jahr mit diesem Thema betroffen, sagte der Justizsprecher. (nb mit dpa)

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