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Kölner Künstler nimmt ukrainische Familie auf – und geht mit Illia (17) sprayen

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Von: Johanna Werning

Thomas Baumgärtel, bekannt als der Bananensprayer, sprühte gemeinsam mit dem Ukraine-Geflüchteten Illia (17) und zwei Praktikanten mehrere Bananen auf eine Häuserwand in Köln.
Der Bananensprayer (links) sprüht gemeinsam mit dem Ukraine-Geflüchteten Illia (17, 2. v. links) und zwei Praktikanten mehrere Bananen auf eine Häuserwand in Köln. © Thomas Baumgärtel/Der Bananensprayer

Der Künstler Thomas Baumgärtel aus Köln hat eine ukrainische Familie bei sich aufgenommen. Mit dem Jungen sprüht der Bananensprayer jetzt gegen den Ukraine-Konflikt.

Köln – Thomas Baumgärtel ist einer der bekanntesten Künstler in Köln. Als „Bananensprayer“ hat er unter anderem mit der Impfbanane für das Corona-Impfen geworben. Doch auch abseits der Kunst engagiert sich der Kölner. Mit seiner Partnerin Nicole hat der 62-Jährige eine dreiköpfige Familie, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen ist, bei sich aufgenommen.

Kölner Künstler nimmt ukrainische Familie bei sich auf: „Traumatisch, was die erlebt haben“

„Seit drei oder vier Tagen sind die jetzt bei uns“, erzählt Baumgärtel im Interview mit 24RHEIN am Freitag (11. März). Mit „die“ sind Illia (17), seine Mutter Svetlana (44 Jahre) und seine Oma Tamara (68 Jahre) gemeint. Alle drei kommen aus Kiew. Der Familienvater musste zurückbleiben, „um zu kämpfen“, wie der „Bananensprayer“ weiter erklärt. „Illia hat da echt Glück gehabt, dass er nicht eingezogen wurde.“

Eine gemeinsame Bekannte aus der Ukraine habe Baumgärtel gefragt, ob er die drei bei sich aufnehmen könne. „Eigentlich haben wir ihr unsere Hilfe angeboten, sie wollte aber da bleiben. Ein paar Tage später hat sie uns dann angerufen und gefragt, ob wir eine Familie aufnehmen könnten, die auf dem Weg nach Köln ist“, erinnert sich der Künstler. Lange überlegen mussten Baumgärtel und seine Familie nicht.

Illia (17), seine Mutter Svetlana (44 Jahre) und seine Oma Tamara sind nach ihrer Flucht aus der Ukraine in Köln angekommen. Im Hintergrund ist der Kölner Dom zusehen.
Illia (17), seine Mutter Svetlana (44 Jahre) und seine Oma Tamara (68 Jahre) flohen vor dem Krieg in der Ukraine © Thomas Baumgärtel/Bananensprayer

„Wir haben die dann am Hauptbahnhof Köln abgeholt.“ Dort befindet sich die erste Anlaufstelle für Geflüchtete aus der Ukraine. Auch Illia, Svetlana und Tamara sind dort mit dem Zug nach ihrer Flucht angekommen, da waren sie bereits zwei bis drei Tage auf der Flucht. „Wir hören nach und nach Geschichten. Das ist wirklich traumatisch, was die erlebt haben.“

Köln: Bananensprayer hilft ukrainischer Familie – Kommunikation mit Händen und Füßen

Doch die Kommunikation ist nicht ganz leicht. Man verständigt sich mit Händen und Füßen. „Svetlana ist Grundschullehrerin, die kann ein bisschen Englisch. Illia und seine Oma eher weniger. Tamara versucht sich mit uns zu unterhalten, indem sie ganz langsam Ukrainisch spricht, aber wir verstehen dann natürlich trotzdem nichts.“

Dennoch verstehe man sich gut. Baumgärtel und seine Partnerin Nicole versuchen, nun so gut es geht zu helfen, ob bei Behördengängen oder bei der Wohnungssuche. Außerdem haben die beiden Kölner eine Spendenaktion für die ukrainische Familie gestartet. „Illia hat sein Handy auf der Flucht verloren. Der braucht jetzt erst einmal ein Neues. Wir suchen für die Zukunft eine Wohnung für die Familie und für die Mutter einen Job als Lehrerin für ukrainische Flüchtlingskinder.“ Und auch ein Fahrrad soll für den Teenager her. „Das braucht man ja in Köln.“

Krieg in der Ukraine: Geflüchteten in Köln helfen – alle Infos im Überblick

Thomas Baumgärtel hat ein Spendenkonto bei der Sparkasse KölnBonn eingerichtet: IBAN: DE57370501980121283048 (Hinweis „Ukrainische Familie“). Außerdem bieten mehrere Vereine und Organisationen verschiedene Spendenmöglichkeiten für die Menschen in der Ukraine und für diejenigen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind und in Köln angekommen sind, an. Der Überblick mit den Spendenmöglichkeiten in Köln.

Bananensprayer: Spray-Aktion für ukrainischen Geflüchteten – „ein bisschen aufgetaut“

Eine gelbe Friedenstaube wurde vom Bananensprayer auf eine blaue Wand gesprüht. In der Taube ist auch eine Banane versteckt.
Der Bananensprayer zeigt mit gelben Friedenstauben seine Solidarität mit der Ukraine © Thomas Baumgärtel/Bananensprayer

In der Zwischenzeit versucht Baumgärtel, Illia „abzulenken“ – und zwar mit der Kunst. Gemeinsam mit zwei Praktikanten haben der Bananensprayer und der 17-Jährige schon ein erstes Mal gesprayt. An einer Hauswand in Köln. Das Motiv dabei: natürlich Bananen. „Ich glaube, dass er das Sprayen echt toll gefunden hat. Da ist er auch ein bisschen aufgetaut.“

„Ich habe jetzt aber noch nicht herausgefunden, ob er schon einmal gesprüht hat. So wie er die Dose gehalten hat, glaube ich es nicht.“ Genug Möglichkeiten zum Sprayen sollte Illia jedoch in Zukunft bekommen. Immerhin sorgt Thomas Baumgärtel aktuell fleißig für Ukraine-Bananen (Banane in blau und weiß), Friedenssymbole und Putin-Karikaturen in ganz Köln.

Aufgetaucht sind die ersten Kunstwerke zum Ukraine-Krieg bereits im Auenweg (Köln-Deutz), in der Schildergasse und an der St. Aposteln (Kölner Innenstadt). Jedoch leider nicht von Dauer, wie der Künstler weiter erklärt. An der Kirche wurde die Kunst bereits entfernt. Lediglich an der Schildergasse hängt das sogenannte „Paste Up“ noch. Für den Bananensprayer ist das jedoch kein Grund, aufzugeben. „Ich werde weitermachen. Das ist mir ein Anliegen.“ (jw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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