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Kölner Intensivstationen an Belastungsgrenze: „Es ist fünf nach zwölf“

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Von: Nina Büchs

Der Direktor der Klinik für Innere Medizin an der Uniklinik Köln, Michael Hallek, äußert sich am 10.03.2016 während einer Pressekonferenz in Köln (Nordrhein-Westfalen).

Michael Hallek, Direktor der Klinik für Innere Medizin an der Uniklinik in Köln forderte in den Tagesthemen eine schnelle Umsetzung der bundeseinheitlichen Notbremse. (Archivbild) © Marius Becker/dpa

Michael Hallek von der Uniklinik Köln sprach in den Tagesthemen über die angespannte Lage auf den Intensivstationen. Er stellte klare Forderungen an die Politik.

Köln – Jeden Tag kämpfen Ärzte und medizinische Pflegekräfte auf den Intensivstationen um das Leben von Menschen, die dort unter anderem wegen schweren Corona-Verläufen liegen. Dabei stoßen die Fachkräfte jedoch mittlerweile an ihre Grenzen – so auch in der Uniklinik in Köln. „Es ist fünf nach zwölf“, warnte Michael Hallek, Direktor Klinik I für Innere Medizin der Kölner Uniklinik, nun in den Tagesthemen vom Dienstag. Wie bedrohlich die Situation ist, zeigt ein Beitrag der Sendung aus der Kölner Uniklinik.

Uniklinik Köln in ARD-Tagesthemen: So bedrohlich ist die Lage auf der Intensivstation

Auf der Station 4B der Kölner Uniklinik werden die Patienten mit schweren Corona-Verläufen nun immer jünger. Im Schnitt sind sie 50 Jahre alt, fast alle von ihnen sind an der britischen Corona-Mutation B.1.1.7 erkrankt, heißt es in dem Tagesthemen-Beitrag in der ARD. Einer von ihnen ist ein 51-jähriger Familienvater, der auf der Intensivstation in Köln um sein Leben ringt. Sein Zustand ist seit Tagen kritisch.

Auch ein 38-jähriger Covid-Patient bereitet den Ärzten Sorge. Zu dem Zustand des Mannes äußerte sich Matthias Kochanek, Leiter der internistischen Intensivmedizin an der Uniklinik Köln: „Der Patient ist leicht übergewichtig, das entspricht in etwa der Durchschnittsbevölkerung. Warum er so schwer erkrankt ist, kann ich nicht genau sagen.“ Hallek ergänzt: „In dieser Situation ist es so, dass die Hälfte durchkommt, die andere nicht. Wir haben dafür keine genaue Vorhersage.“

Obwohl ihre Situation mehr als bedrohlich ist, haben die beiden Patienten noch eine Chance, da sie bestmöglich von Ärzten und Pflegern versorgt werden. Doch schon bald könnte das System zusammenbrechen: „Wir haben in den letzten Tagen die maximale Belastungssituation mit mehr Anfragen pro Tag an die Uniklinik, als wir bewältigen können, erreicht“, sagt Hallek. Zudem müssen schon jetzt Eingriffe verschoben werden. Eine Triage steht laut Hallek nun kurz bevor. Das bedeutet, dass die Klinik Patienten auswählen und manche von ihnen abweisen muss, wenn die Kapazitäten nicht mehr ausreichen.

Diese Erfahrung musste auch ein intensivpflichtiger Patient in Köln machen, der mit dem Rettungsdienst in der Nacht zum Dienstag in eine Klinik gebracht werden sollte. Weil alle Betten belegt waren, hat es zwischen drei und vier Stunden gedauert, um den schwer kranken Patienten unterzubringen.

Dramatische Situation auf den Intensivstation in Köln – Ärzte sind massiv enttäuscht von der Politik

Dass es so nicht weitergehen kann, darüber sind sich die Mediziner einig: „Persönlich bin ich absolut erbost, erzürnt und massiv enttäuscht darüber, was in der Politik passiert“, sagt Kochanek im Tagesthemen-Beitrag. „Seit Wochen weisen wir darauf hin, dass die Situation kritisch wird, deshalb wünschen wir uns jetzt schnelle Entscheidungen von der Politik“, fordert Hallek. Bundeseinheitliche Regelungen zur Notbremse hält Hallek für sinnvoll, doch auch hier drängt er auf mehr Tempo.

Tagesthemen (ARD): Kölner Arzt fordert schnelle Umsetzung der bundeseinheitlichen Notbremse

Schnelligkeit, einheitliche, bundesweite Maßnahmen und eine Reduzierung der Kontakte, fordert Hallek nun von der Politik. Wichtig sei jedoch vor allem die Kommunikation an die Bevölkerung. Er appellierte: „Wir haben jetzt ungefähr noch zwei bis drei Monate vor uns, dann dürften auch Effekte der Impfungen zu erwarten sein. In dieser Zeit sollten wir versuchen, Kontakte zu vermeiden, um damit weitere Todesfälle zu Tausenden in Deutschland zu verhindern.“

Sollte die Lage weiterhin so angespannt bleiben, könnten statt aktuell 4.700 in ein paar Wochen vielleicht 6.000 oder mehr Menschen, die mit Covid-19 infiziert sind, auf den Intensivstationen in deutschen Kliniken liegen, warnt Haller im Gespräch mit Ingo Zamperoni in den Tagesthemen. Dann ist fraglich, wie lange das System dem Druck standhalten kann. Steigen die Zahlen weiter, könnte es zu „krisenhaften Situationen“ kommen, warnte Hallek. Fest steht: Mit jeden weiteren Infektionszahlen, stehen Menschenleben auf dem Spiel. Ein langes Hin und Her bei der Durchsetzung der bundeseinheitlichen Maßnahmen kann sich die Regierung damit schlichtweg nicht leisten. (nb)

Der Artikel wurde am 19. April aktualisiert. Änderung: Eine harte Triage steht kurz bevor, sagte Hallek. Das bedeutet, dass die Klinik Patienten auswählen und manche von ihnen abweisen muss, wenn die Kapazitäten nicht mehr ausreichen.

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