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Köln mit Wassernebel erfrischen: Verschwendung oder Abkühlung?

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Von: Nina Büchs

Ein Kind springt durch den Wassernebel in Köln. Im Hintergrund ist der Kölner Dom zu sehen.
Die Stadt Köln setzt auch auf besondere Maßnahmen, um vor der Hitzewelle zu schützen. © Christian Knieps/RheinEnergie

Die Stadt Köln hat zuletzt Wassernebel eingesetzt, um aufgeheizte Flächen bei enormer Hitze zu kühlen. Doch ist das eine gute Idee?

Köln – Die Hitzewelle in Köln macht vielen Menschen dort aktuell zu schaffen. Am Dienstag, 19. Juli, wurden in Köln sogar fast 40 Grad erreicht. Durch die enorme Hitze steigt nicht nur die Waldbrandgefahr in Köln. Auch in der Innenstadt heizen Bereiche schnell auf – denn Köln ist dicht bebaut und kühlt aufgrund der aufgeheizten Betonflächen auch nachts zum Teil nicht ausreichend ab. Die Folge: Es bilden sich „Hitzeinseln“, die vor allem viele ältere Menschen enorm belasten.

Mit einer besonderen Maßnahme hat die Stadt nun versucht, der Hitze entgegenzuwirken. Zunächst testweise wurde so am Montag, 18. Juli, auf ein Platz in der Kölner Innenstadt ein Wasserschlauch ausgelegt. Die aufgeheizte Umgebung in Köln wurde so mit feinen Tröpfchen aus einer Art Nebeldusche gekühlt – und die Temperatur damit um fast 14 Grad gesenkt. Doch ist die Methode wirklich sinnvoll oder doch eher Wasserverschwendung?

Hitze in Köln: Stadt kühlt Flächen mit Wassernebel – wie sinnvoll ist das?

Wie die Stadt mitteilt, wird für die Kühlung eines heißen Stadtraums „Wassernebel“ aus Trinkwasser genutzt. Das Wasser werde aus der Kölner Bucht gewonnen, so die Stadt weiter. Dort stehe „genug Grundwasser zur Verfügung“, was bei extremer Hitze an ausgewählten Orten sinnvoll genutzt werden könne. „Hinzu kommt, dass es hygienisch einwandfrei ist und umgehend in den Wasserkreislauf zurückkehrt“, so die Stadt. Ist der Einsatz von Wasserschläuchen in der Innenstadt tatsächlich unbedenklich?

Ja, findet Dr. Tobias Kemper, vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW. „Trinkwasser ist in Köln ausreichend vorhanden, in anderen Regionen wie im Münsterland oder Ostwestfalen ist es hingegen teilweise knapp“, so der Experte. An besonders heißen Tagen einzelne Stellen mit Wassernebel abzukühlen, dagegen spricht laut Kemper nichts. Die Anlagen sollten jedoch nicht in Dauerbetrieb laufen gelassen werden, so Kemper.

Wie viel Wasser braucht man, um einen Stadtraum zu kühlen?

Laut der Stadt Köln sind etwa 16 Kubikmeter Wasser pro Stunde erforderlich, um einen Stadtraum abzukühlen. „Zum Vergleich: An einem sehr heißen Tag beträgt der Gesamtverbrauch in Köln mitunter mehr als 300.000 Kubikmeter Wasser“, so die Stadt.

Köln setzt auf Wassernebel gegen Hitze – Stadt Wien macht es vor

Regendussche in Wien.
Auch in Wien werden bereits diverse Methoden genutzt, um die Stadt bei Hitze zu kühlen. © Skata/Imago

Wasserschläuche, Düsen oder Sprühnebel gegen Hitze – diese Idee ist nicht neu. Auch die Stadt Wien hat damit bereits in der Innenstadt schon für Abkühlung gesorgt. Zum Beispiel werden Hydranten mit einem drei Meter hohen Aufsatz mit 34 feinen Wasserdüsen dort zu sogenannten „Sprühduschen“. Zudem gibt es an 14 Stellen in Wien „Coole Stelen“. Das Prinzip: Bei hohen Temperaturen schalten sich die „Coolen Stelen“ automatisch ein und sorgen durch Sprühnebel für Erfrischung. Sobald die Temperatur in der Umgebung gesunken ist, hört der Sprühnebel auf. Wer Durst hat, findet auf der Rückseite außerdem einen Wasserhahn, aus dem auf Knopfdruck kühles, quellfrisches Trinkwasser kommt. Auf den breiten Sitzflächen können sich die Menschen dort obendrein niederlassen und verweilen. Frisches Trinkwasser gibt es übrigens auch an vielen Trinkbrunnen in Köln. 24RHEIN zeigt in einer Liste, wo sich diese befinden.

Klimawandel: Wasserknappheit, Hitze, Trockenheit – wie kann man Städte sonst noch kühlen?

Hitzewellen mit Temperaturen um 40 Grad – auf Situationen wie diese müssen sich die Menschen künftig aufgrund des Klimawandels häufiger einstellen. Wasserschläuche können laut Kemper aber nicht die einzige Methode sein, um das Klima künftig in Innenstädten bei andauernden Hitzeperioden zu senken. Angesichts der Hitze, bedingt durch den Klimawandel, müssen Städte umgebaut werden. „Wir brauchen mehr Grünflächen in Städten, Sonnensegel oder auch Bäume können künftig Schattenspenden und Hitze eindämmen“, so Kemper. Essenziell sei auch die Begrünung von Fassaden und Dächern.

Grünflächen beizubehalten und nicht als Wohnraum umzubauen – das forderte zuletzt auch die Naturschutzorganisation „Bund Köln“. Die Naturschützer wollen den Bau des geplanten neuen Stadtteils „Kreuzfeld“ in Köln stoppen. „Klimaschutz und Erhalt der biologischen Vielfalt lassen weitere Bodenzerstörung durch Wohnungsneubau nicht mehr zu“, heißt es in der Mitteilung.

Köln: Wassernebel gegen Hitze – Stadt will weitere Systeme testen

Die Testphase der Wasserschläuche in Köln ist nun also abgeschlossen – mit Erfolg. Wie die Stadt mitteilt, haben 90 Prozent der Befragten das Angebot der Stadt positiv bewertet. Die Freude über den Wassernebel zeigte sich vor allem vor Ort: „Nicht nur Kinder haben sich in dem Wassernebel aufgehalten. Gerade am Nachmittag waren Menschen aller Altersgruppen vor Ort, die sich abgekühlt haben“, so die Stadt.

Gemeinsam mit der RheinEnergie soll das Konzept nun weiterentwickelt werden. Zudem sollen auch andere Systeme getestet und weitere Plätze identifiziert werden, an denen Bereiche künftig bei hohen Temperaturen gekühlt werden können, so Konrad Peschen, Leiter des Umwelt- und Verbraucherschutzamtes der Stadt Köln. (nb) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren

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