1. 24RHEIN
  2. Köln

Herausforderungen der Zukunft: Köln helfen – aber wie?

Erstellt:

Peter Pauls steht neben Andrea Blome, Anton Bausinger und Kaspar Kraemer.
Peter Pauls mit Andrea Blome, Anton Bausinger und Kaspar Kraemer. © Kölner Presseclub

Warum es gelingen muss, guten Willen und Engagement aus der Bürgerschaft für Köln zu nutzen, diskutierten im Kölner Presseclub Stadtdirektorin Andrea Blome, Bauunternehmer Anton Bausinger und Architekt Kaspar Kraemer im Gespräch mit Peter Pauls.

Köln – Geprobt wird in der Teeküche, Teile des Dachs flogen im Sturm davon und geheizt wird mit einer vorsintflutlichen Dampfheizung. Seit den 60er Jahren ist die Rheinische Musikschule in einem Provisorium in Köln-Ehrenfeld untergebracht. Nach langem Zögern soll sie nun endlich abgerissen, und von einem privaten Investor neu gebaut werden. Die städtische Gebäudewirtschaft konnte das Projekt nicht selbst umsetzen. Nur ein Beispiel von vielen, das vor dem Hintergrund des Desasters um Schauspiel und Oper die Frage aufwirft, welche großen Bauvorhaben die Stadt Köln in Zukunft überhaupt noch selbst bestreiten kann. Und wer profitiert eigentlich von öffentlich privaten Partnerschaften?

Andrea Blome ist Stadtdirektorin von Köln, zuvor leitete die studierte Architektin das Dezernat für Mobilität und Liegenschaften.

Anton Bausinger ist Bauunternehmer in Köln. Eines seiner Projekte befindet sich in Braunsfeld: Am Clarenbachplatz wurde eine aktive Gleisanlage mit Wohn- und Geschäftsräumen überbaut.

Kaspar Kraemer ist Architekt in Köln. Der Neubau der Rheinischen Musikschule sowie das Hochwasserpumpwerk am Rhein in Bayenthal gehören zu seinen Arbeiten.

Peter Pauls ist Vorsitzender des Kölner Presseclubs, zuvor war er lange Jahre Chefredakteur der Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger.

Der durch Medienberichte entstandene Eindruck, die „Betonmafia“ wolle das „städtische Tafelsilber plündern“ habe ihn zwar getroffen, sagt Architekt Kaspar Kraemer. Sein Engagement für den Neubau der Musikschule bedauere er trotzdem nicht. Bauunternehmer Anton Bausinger verweist darauf, dass es an weiteren Wettbewerbern gefehlt habe und keine Vergleichsangebote vorgelegen hätten.

Köln: Mehr Management Qualitäten, weniger operatives Handeln

In der Stadt fehle es nicht an guten Ideen und Engagement glaubt Stadtdirektorin Andrea Blome, die 2017 aus Düsseldorf nach Köln kam. Doch anders als an ihren vorhergehenden Einsatzorten mangele es in Köln am „eisernen Willen zur Umsetzung“. Mit 22.000 Mitarbeiter*innen, die allesamt vor viel zu vollen Schreibtischen säßen, sei die Stadtverwaltung ein „riesiger Tanker“, der sich nur sehr langsam bewegen könne. Mehr Management Qualitäten, weniger operatives Handeln wünscht sie sich für ihre Verwaltung, die in der öffentlichen Meinung gerne und häufig als  notorischer Verhinderer wahrgenommen wird.

Köln helfen – aber wie? „Man rennt immer nur gegen eine Wand“

Für Anton Bausinger liegt das Problem darin, dass die Sachbearbeiter*innen jeweils nur auf ihren eigenen Aktenstapel blickten, aber nie über den Schreibtischrand hinaus. Die „Versäulung“ der einzelnen Ressorts sieht er als einen der Hauptgründe für die Verhinderung von großen Projekten. Selbst „wenn man ein Museum schenken will, gibt es keinen Ansprechpartner. Man rennt immer nur gegen eine Wand.“ Es fehle auch an einer „ästhetischen Führung“ bemängelt Kaspar Kraemer.

Es gibt zwar ein Gestaltungshandbuch, dick wie ein Telefonbuch, doch jeder Spaziergang durch die Stadt, verweist auf die geschmacklichen Vorlieben der Einzelnen. Da trifft die Döner-Neon-Beleuchtung immer noch auf die 60er Jahre Fliese und das Paletten Sofa. Ein städtischer Gestaltungswille Fehlanzeige.

Doch wie soll die Stadt nun mit den großen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte umgehen? Wie soll der öffentliche Raum gestaltet und möglicherweise neu verteilt werden? Alle an einen Tisch und die Bürger müssen mitreden, so viel zumindest wurde in der Diskussionsrunde klar. Und der Traum für eine schönere Stadt ist auch in Köln nicht klein zu kriegen. (Ulrike Brincker) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren

Auch interessant