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KVB streicht zahlreiche Fahrten – Fahrplan eingedampft

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Von: Mick Oberbusch

Ausfälle, Verspätungen und Ärger: Die KVB steht seit Wochen bei Kölnerinnen und Kölnern in der Kritik. Jetzt streicht sie zahlreiche Fahrten.

Köln – Die KVB steht derzeit bei Kölnerinnen und Kölnern extrem in der Kritik. Immer wieder fallen Bahnen aus, es gibt Verspätungen, über die Fahrgäste nicht rechtzeitig informiert werden, und vieles mehr. Zudem fiel zum Karnevalsstart am 11.11. der gesamte Bahnverkehr in der Innenstadt aus. Die Unzufriedenheit der Kundinnen und Kunden spürt auch die KVB, wie das Unternehmen jüngst im Gespräch mit 24RHEIN erklärte. Doch was wird nun unternommen, um die Situation zu verbessern?

KVB – Kölner Verkehrsbetriebe
Gründung1976
Unternehmenssitz/EinsatzbereichKöln
Stadtbahn-Linien12
Bus-Linien62
Fahrgäste286 Mio. (2019)

KVB will Betriebsqualität verbessern – und setzt künftig weniger Bahnen im Fahrplan ein

Zu diesem, allgemein unter dem Begriff „Betriebsqualität“ gefassten Thema hat sich die KVB am 4. Januar auf einer Pressekonferenz geäußert. Zudem wurden Gründe für die aktuelle Situation erklärt und Verbesserungspläne dargelegt. Das Wichtigste für Kölnerinnen und Kölner, die täglich auf die Verkehrsbetriebe angewiesen sind: Der Fahrplan ändert sich, es gibt Einschnitte bei fast allen Kölner Stadtbahn-Linien. Nach der Stoßzeit im Berufsverkehr morgens früh wird auf vielen Linien ab 9 Uhr künftig in anderem Rhythmus gefahren. Einige Änderungen greifen bereits ab dem 6. Februar.

KVB ändert Fahrplan – was sich ab 6. Februar 2022 ändert

► Ab dem 6. Februar entfallen die nachmittäglichen Verstärkerfahrten auf der KVB-Linie 1, der KVB-Linie 9 und der KVB-Linie 15.

► Unter Verstärkerfahrten versteht man Verbindungen, die nicht im „regulären“ Fahrplan abgebildet sind, bei Notwendigkeit jedoch zum Einsatz kommen.

► Bei diesen Notwendigkeiten kann es sich beispielsweise um Sonderverkehre zu Konzerten, Ersatzbusse für Baustellen oder auch um Busse und Bahnen, die Kinder nachmittags von der Schule abholen, handeln.

Diese Änderungen greifen wie erwähnt ab 6. Februar, folgende, deutlich gravierendere, jedoch erst ab 1. März. Gründe dafür, warum diese Maßnahmen nicht schon früher umgesetzt werden könnten, nannten die Verkehrsbetriebe auf der Pressekonferenz am Mittwoch (4. Januar) nicht. Somit müssen sich Kundinnen und Kunden in den kommenden zwei Monaten noch auf die derzeitige Situation bei der KVB einstellen, bevor dann folgende Änderungen greifen und den Betrieb entspannen sollen:

KVB ändert Fahrplan – Auswirkungen auf die jeweiligen Linien im Überblick (ab 1. März 2023)

► Bis ca. 9 Uhr, also in der morgendlichen Hauptverkehrszeit, gilt auf fast allen Linien der „normale“, ergo derzeit bestehende Fahrplan. Danach kommt es dann jedoch zu durchaus gravierenden Änderungen.

► KVB-Linie 4: fährt nach 9 Uhr nur noch von Schlebusch bis zur Leyendeckerstraße.

► KVB-Linie 5: fährt nach 9 Uhr auf dem gesamten Linienweg im 20-Minuten-Takt (bisher 10-Minuten-Takt)

► KVB-Linie 7: morgens entfallen einige Verstärkerfahrten.

► KVB-Linie 9: morgens entfällt eine Verstärkerfahrt im Rechtsrheinischen.

► KVB-Linie 12: fährt nach 9 Uhr zwischen Niehl und Merkenich ebenfalls im 20-Minuten-Takt (bisher 10-Minuten-Takt).

► KVB-Linie 17: fährt in Doppeltraktion im 20-Minuten-Takt (bisher 10-Minuten-Takt).

► KVB-Linie 18: fährt nach 9 Uhr nicht mehr bis nach Thielenbruch. Dafür wird die KVB-Linie 13 von der Vischeringstraße nach Thielenbruch verlängert, um die KVB-Linie 3 zu entlasten. Auf dem Abschnitt zwischen Buchheim und Klettenberg verkehrt die Linie 18 dann alle 10 Minuten statt wie bisher alle 5 Minuten. Im Abschnitt bis Schwadorf bleibt es wie bisher beim 10-Minuten-Takt, von dort bis nach Bonn beim 20-Minuten-Takt.

Die Frage, die sich auf den ersten Blick stellt: Wie soll ein 20- statt 10-Minuten-Takt dabei helfen, die Verkehrssituation zu entspannen? Schließlich bedeutet diese Umstellung längere Wartezeiten für Gäste an der Haltestellen und voraussichtlich auch vollere Bahnen, da ja immer noch die gleiche Anzahl der Menschen befördert werden muss.

KVB am Heumarkt in Köln
Die KVB will auf einer Pressekonferenz über Verbesserungen der Betriebsqualität informieren (Symbolbild). © Rolf Vennenbernd/dpa

„Wir haben auch einen 15-Minuten-Takt geprüft, da haben Sie aber das Problem, dass vielerorts die Anschlussverbindungen nicht erreicht werden können. Das wäre maximal fahrgastunfreundlich“, erklärte die KVB-Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks auf der Pressekonferenz am 4. Januar. Im 20-Minuten-Takt sei das Erreichen dieser Verbindungen dann wieder gewährleistet, wenn dann auch logischerweise weniger Bahnen unterwegs seien.

KVB klagt über Anpassungen durch hohen Krankenstand – „so nicht vorhersehbar gewesen“

Dass eine solche Anpassung überhaupt notwendig ist, begründet die KVB, wie eingangs erwähnt, mit einem extrem hohen Krankenstand, der in der Planung nicht vorhersehbar gewesen sei. Dazu äußerte sich Peter Densborn, Vorstand und Arbeitsdirektor der KVB. „Wir haben nicht generell zu wenig Personal, sondern aktuell nicht genug gesundes Personal. Das ist jedoch kein explizites KVB-Problem; insgesamt haben wir bundesweit durch die aktuelle Grippewelle einen erhöhten Krankenstand“, so Densborn weiter. Den Krankenstand bei der KVB aktuell beziffert er auf eine Zahl zwischen 15 und 20 Prozent. Zudem sei es in der Vergangenheit auch häufiger zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch Arbeitnehmerinnen und -nehmer gekommen.

KVB: Nicht nur Kundinnen und Kunden sind unzufrieden – auch Mitarbeiter klagen über Stress und Übergriffe

Man müsse eine „Gratwanderung“ (Haaks) schaffen: Auf der einen Seite die Kundschaft, insbesondere die Abo-Kundinnen und -Kunden („Sie liegen uns sehr am Herzen“) zufriedenstellen – und gleichzeitig dafür sorgen, dass das Betriebsklima innerhalb der KVB-Belegschaft nicht übermäßig strapaziert wird. Denn, so lässt Densborn auf der Pressekonferenz durchblicken: Attraktiver ist der Beruf des Stadtbahn- oder Busfahrers in den vergangenen Wochen und Monaten nicht geworden. „Unsere Kollegen sind täglich Übergriffen ausgesetzt, werden bespuckt, beleidigt, zum Teil verprügelt. Zudem sind viele Fahrerinnen und Fahrer, die während der Pandemie ihre Ausbildung begonnen haben, den aktuell stressigen Arbeitsablauf nicht in dem Maße gewohnt.“

Personalmangel führt zu weniger Bahnen in Köln – KVB will Recruiting-Kampagne starten

Um dort entgegenzusteuern, wolle man in den kommenden Monaten eine Recruiting-Kampagne starten, sei mit den Betriebsräten strauchelnder Unternehmen wie der Galeria Karstadt Kaufhof im Austausch, ob man dort nicht Menschen, denen die Beschäftigungslosigkeit droht, eine Perspektive bei der KVB aufzeigen könne. Die Kaufhauskette steht erneut vor der finanziellen Pleite, im Oktober 2022 wurde deshalb das zweite Schutzschirmverfahren innerhalb von nicht einmal drei Jahren beantragt. Um Schlimmeres abzuwenden, muss das Unternehmen erneut dutzende Standorte schließen – was der KVB „zugute“ kommen könnte, so der Plan.

Kundinnen und Kunden sauer über Kommunikation der KVB – was das Unternehmen ändern will

Zudem müsse man an der Kommunikation mit den Kundinnen und Kunden arbeiten, damit sich Menschen an den Haltestellen nicht wundern, dass ihre Verbindungen künftig nur noch alle 20 statt alle zehn Minuten kämen. „Dazu erarbeiten wir derzeit ein Kommunikationskonzept, damit es jeder mitbekommt“, so die KVB weiter. „Natürlich“, so Haaks, werden auch die Fahrpläne an den Stationen angepasst, zudem soll es Durchsagen und Texttafeln diesbezüglich geben.

KVB passt Fahrplan an – Änderungen greifen vollumfänglich ab dem 1. März 2023

Die Fahrplanänderungen gelten erst einmal für unbestimmte Zeit. „Wir fahren mit diesen Änderungen erstmal auf Sicht“, erklärt Stefanie Haaks abschließend. Sollte sich die Situation im Krankenstand in naher Zukunft wieder entspannen, sei man „jederzeit in der Lage, flexibel zu reagieren und wieder Anpassungen vorzunehmen“. Bis dahin müssen sich Kölnerinnen und Kölner aber wohl weiterhin auf Verspätungen und weniger Linien im Stadtbahn-Betrieb einstellen.

Weniger Bahnen in Köln: „Fahrplan muss so schnell wie möglich wieder eingehalten“ werden

„Die KVB muss nun dafür sorgen, dass der bisher gewohnte Fahrplan so schnell wie möglich wieder eingehalten wird“, sagt Lars Wahlen, Verkehrspolitischer Sprecher der Grünen in Köln. „Es muss größere Personalpuffer geben, um heftige Krankheitswellen besser abfedern zu können.“ Das solle mit zusätzlichen Geldern von Bund und Land umgesetzt werden. „Durch günstige Tickets allein wird die Mobilitätswende nicht gelingen, es braucht auch mehr Bahnen, mehr Fahrten, mehr Verlässlichkeit“, so Wahlen. (mo) Weitere Infos folgen. Fair und unabhängig informiert, was in Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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