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Köln: KVB-Rad aus Stadtteilen verbannt – wegen „zerstörerischen Vollidioten“

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Von: Johanna Werning

Links: KVB-Leihfahrrädern des Anbieters Nextbike stehen in einer Reihe. Rechts: Der Rheinboulevard in Köln-Deutz.
Das eingeschränkte Leifahrrad-Angebot der KVB muss laut Schuth korrigiert werden. (Montage) © C. Hardt/Future Image/Imago & Manngold/Imago

Die KVB-Räder können in Köln nur noch in bestimmten Zonen gemietet werden, in den rechtsrheinischen Stadtteilen gilt ein Verbot. Daran gibt es Kritik.

Köln – Gerade in den Sommermonaten setzen viele Kölnerinnen und Kölner auf das Fahrrad, anstatt in überfüllten und stickigen Bahnen die Domstadt zu durchqueren. Doch für Kölner der sogenannten Schäl Sick – also der rechten Rheinseite – könnte die Rad-Alternative jetzt schwierig werden. Zumindest, wenn sie mit einem Leihfahrrad der KVB unterwegs sind. Der Grund: Die KVB und der Rad-Betreiber nextbike haben den Leihbetrieb in mehreren Stadtteilen eingestellt.

Kein KVB-Rad in Deutz, Porz und Mülheim – wegen „zerstörerischen Vollidioten“

Das eingeschränkte Angebotsgebiet in Köln trifft vor allem die rechte Rheinseite. Immerhin wurde dort der komplette Betrieb der KVB-Räder eingestellt. Aber warum eigentlich? „Auslöser ist ein Internetvideo auf der Plattform TikTok, bei dem erklärt wird, wie man die Schlösser des KVB-Rads zerstören kann, um kostenlose Fahrten zu unternehmen“, erklärt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Kreisverband Köln, kurz ADFC. Mittlerweile sind mehr als 1.800 Räder und damit mehr als die Hälfte der Flotte betroffen, bestätigt die KVB auf Nachfrage von 24RHEIN.

Darum müsse der Service auf die zentralen linksrheinischen Gebiete eingeschränkt werden, so die Leihräder-Betreiber. Für den ADFC ist klar: „Für die Menschen in den Gebieten, aus denen sich das KVB-Rad aufgrund von zerstörerischen Vollidioten temporär zurückzieht, ist das so nicht hinnehmbar.“ Immerhin seien viele auf die Leihräder angewiesen.

KVB: Leihräder-Verbot für zahlreiche Kölner Stadtteile – es gibt Kritik

Auch für den Grünen-Landtagswahlkandidaten Marvin Schuth ist das KVB-Leiräder-Verbot auf der Schäl Sick ein absolutes Unding: Die rechtsrheinischen Stadtteile wie Mülheim, Kalk, und Porz seien sowieso schon schlecht an „Sharing-Angebote“ angebunden.

An die Betreiber KVB und nextbike richtet der 33-Jährige auf Twitter darum harte Worte: „Das geht so nicht. Das Sharing Angebot rechtsrheinisch war sowieso schon miserabel, jetzt werden die Stadtteile abgehängt, die schon generell eine schlechtere ÖPNV-Anbindung haben. Das muss korrigiert werden“, so Schuth.

Das ist Marvin Schuth

Marvin Schutz kandidiert bei der NRW-Landtagswahl 2022 für die Grünen. Der 33-Jährige tritt im Wahlkreis 17 Köln V (Porz/Kalk-Ost) an. Seit 2017 ist Schuth Mitglied bei den Grünen. Der Grünen-Politiker ist dualer Student der „Klinischen Pflege“.

Köln: KVB-Räder in Deutz, Mülheim und Porz verboten – „kann ich nicht nachvollziehen“

Mit der Kritik ist der Grünen-Politiker nicht allein. Auch andere User sehen das Totalverbot für die Schäl Sick problematisch. Ein Twitter-User schreibt zum Ursprungspost der KVB: „Kann ich nicht nachvollziehen, die KVB-Linie 3 und KVB-Linie 4 sind morgens wie Mist getaktet und fahren verspätet, das Rad wäre im Notfall immer die letzte Lösung gewesen, um in die Innenstadt zu kommen (...)“.

Und auch die Kölner SDP fordert „Ursachenforschung“, „Ursachenbekämpfung“ und erst als letztes Mittel „Nutzungseinschränkungen“, heißt es auf Facebook. Denn „Leihräder sind ein wichtiger Baustein der städtischen Mobilität. Wir finden im Sinne aller ehrlichen Nutzer, darf kein Teil von Köln pauschal ausgeschlossen werden“.

Nach Vandalismus: KVB-Räder nur noch eingeschränkt nutzbar – „mussten das Gebiet eingrenzen“

Dennoch bleibt es wohl erst einmal beim eingeschränkten KVB-Rad-Angebot. In einem Tweet von Sonntag, 27. März, erklärt die KVB, warum der drastische Schritt nötig sei. „Wir mussten das Gebiet eingrenzen, um für das Serviceteam eine bessere Übersichtlichkeit und für euch eine bessere Verfügbarkeit zu gewährleisten. Vor allem im rechtsrheinischen Gebiet hatten sich die Vandalismusvorfälle leider extrem gehäuft.“

Innerhalb weniger Tage seien an über 500 KVB-Rädern Schlösser zerstört worden: „Der Vandalismus an unseren Rädern hat ein kritisches Level erreicht“, schreibt die KVB. Wie lange das Schäl Sick-Verbot für KVB-Räder gilt, ist aktuell noch nicht klar. (jw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren. Dieser Text wurde zuletzt am 30. März aktualisiert. Neuerung: Statement vom ADFC.

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