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Der „Lange Tünn“, die ehemalige „Miljö“-Größe aus Köln

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Von: Mick Oberbusch

Anton „Der lange Tünn“ Claaßen bei der Premiere von Lovekvinnen Das Löwenmädchen auf dem 26. Film Festival Cologne
„Der Lange Tünn“ war in den 60er, 70er und 80er Jahren eine echte Kölner „Miljo“-Größe. © C.Hardt/Imago

Anton Claßen dürfte den meisten Kölnerinnen und Kölner eher als „Der Lange Tünn“ bekannt sein, der in den 60er Jahren seinen Teil zum Ruf Kölns als „Chicago am Rhein“ beitrug.

Köln – Fragt man in Köln nach Anton Claaßen, wird man verschiedene Antworten enthalten – je nach Alter der befragten Personen. Die jüngeren kennen ihn als stets freundlichen, älteren Herren, der in der Südstadt zu Hause ist, dort Stadtführungen anbietet, zu allem eine Meinung hat – und diese auch gern auf seiner Facebook-Seite oder seinem YouTube-Kanal kund tut. Die Älteren werden sich vor allem an Claaßens „Wirken“ in den 60er, 70er und 80er Jahren erinnern. Doch alle kennen sie ihn unter einem Namen: „Der Lange Tünn“.

„Der Lange Tünn“ und sein Leben: Mit 14 dem Glücksspiel verfallen

In den 1960er, -70er und 80er Jahren ist Köln eine Hochburg für Prostitution, illegales Glücksspiel und Kriminalität. In Anlehnung an die von Gangstern beherrschte Metropole in den USA wird der Domstadt von Boulevardmedien der Titel „Chicago am Rhein“ verpasst. Die Zuhälterei und Zockerei floriert im angesagtesten Nachtleben Deutschlands, nicht selten steht der „Lange Tünn“ bei den angesagtesten Clubs der Stadt an der Tür. Wenn er nicht gerade am Spieltisch sein Geld verzockt.

„Ich bin in der Ehrenstraße geboren und in der Friesenstraße zur Schule gegangen“, sagt der Urkölner selbst. Doch schon früh macht er erste Bekanntschaft mit dem „Miljö“, verfällt dem Glücksspiel, als er gerade einmal 14 Jahre alt ist. Als die illegalen Spielcasinos nur so aus dem Boden schießen, verbringt Claaßen jede Nacht am Zockertisch – laut eigener Angabe hat er dabei im Laufe seines Lebens Millionen verloren. Später wechselt er dann auf die Seite des Croupiers, beginnt, Karten zu zinken – was regelmäßig zu Razzien führt. Im Kölner „Miljö“ stehen diese allerdings ohnehin an der Tagesordnung.

Anton Claaßen im Knast: „Früher war das so, da musste man im Gefängnis gewesen sein“

Als irgendwann das Geld knapp wird, beginnt Claaßen, der gute Kontakte ins Rotlicht-Milieu pflegt, als Zuhälter sein Geld zu verdienen – und geht dabei mit aufmüpfigen Freiern nicht gerade zimperlich um. Insgesamt verbringt der „Tünn“ drei Jahre seines Lebens ins Gefängnis. „Früher war das in Köln so, da musste man im Gefängnis gewesen sein, wenn man im Miljö unterwegs war“, sagte er 2016 in einer Talkshow.

Anton Claaßen, „Der Lange Tünn“: Buch, CD, Führungen

„Der Lange Tünn“: Mittlerweile hat er sich jedoch für einen deutlich ruhigeren Lebensstil entschieden. So erzählt er auf Stadtführungen heute gern die ein oder andere Anekdote aus der wilden Zeit Kölns vor mehr als 50 Jahren – und erfreut sich in dieser Rolle großer Beliebtheit. Die Touren sind – wenn sie denn stattfinden dürfen – regelmäßig ausgebucht. Nach einer Corona-bedingten Pause bietet Anton Claaßen seit Juni 2021 wieder Führungen mit Plätzen und Geschichten aus dem kölschen Miljö an.

„Der Lange Tünn“ und „Karate Jacky“: Ehemalige „Miljö“-Größen waren eng befreundet

Dabei in den vergangenen Jahren fast immer an seiner Seite: Jakob Franzen alias Karate Jacky, ebenfalls ehemaliger „Miljö“-Türsteher und immer wieder Gesprächspartner in seinen Videos. Als dieser Anfang April plötzlich und überraschend im Alter von 61 Jahren verstarb, hielt Claaßen bei dessen Beerdigung eine emotionale Abschiedsrede. In Köln jedenfalls sind die beiden längst zu Kultfiguren geworden. (mo) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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