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Lanxess Arena-Chef Löcher über Corona: „Wir sind sehr nachhaltig getroffen“

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Von: Jana Wehmann

Stefan Löcher vor der Lanxess Arena.
Stefan Löcher ist der Geschäftsführer der Lanxess Arena in Köln. © Christoph Hardt/IMAGO

Köln – 20.000 Menschen in der Lanxess Arena tanzen und singen den Songtext ihrer Lieblingsband lauthals mit – die Stimmung ausgelassen. Die Magie der Konzerte ist für viele ein unbeschreibliches Gefühl – doch seit rund zwei Jahren nahezu unmöglich. Die Corona-Pandemie hat der gesamten Veranstaltungsbranche einen Strich durch die Rechnung gezogen. Nun steht das Jahr 2022 bevor, der Veranstaltungskalender der Lanxess Arena ist voll – und tausende Jecken fiebern auf die Lachende Kölnarena hin. Doch ob sie Ende Januar stattfindet, steht noch nicht fest. Wegen der Corona-Lage steht die beliebte Veranstaltung auf der Kippe.

Die aktuelle Corona-Lage bereitet Stefan Löcher, Geschäftsführer der Lanxess Arena in Köln, Sorgen. Wie geht es 2022 weiter? Dürfen Konzerte und Veranstaltungen stattfinden? Im Interview mit 24RHEIN lässt Stefan Löcher das Jahr 2021 Revue passieren. Er spricht über seine Hoffnungen für die Branche und gibt einen Ausblick auf 2022.

Lanxess Arena: Stefan Löcher über das Corona-Jahr 2021 – „Die Menschen wollen wieder raus“

Ein Blick auf 2021. Wie lief das Corona-Jahr für Sie, Herr Löcher?

Seit März 2020 sind wir mehr oder weniger dicht. Deshalb haben wir sehr viele Alternativ-Programme durchgeführt. Alleine mit Arena-Now hatten wir immerhin 44 corona-konforme Konzerte. Ganz wesentlich ist dabei: Seit März letzten Jahres haben wir rund 450.000 Besucher begrüßt und hatten keinen einzigen zugeordneten Corona-Fall. Das führen wir auf unsere extrem gute Lüftungsanlage zurück, die in unter einer halben Studie die Luft einmal mit Frischluft tauscht.

Nun sind wir inzwischen ein doppeltes Impf-Zentrum, sowohl mit Drive-In als auch Walk-In. Aber das wesentliche ist eigentlich, bis vor etwa vier Wochen sah die Welt noch gut für uns aus. Wir haben bereits wieder große Konzerte durchgeführt, wie etwa Roland Kaiser, die Comedy Gala, Querbeat oder Eishockey-Veranstaltungen. Die Stimmung war gut und man hat gemerkt, die Menschen wollen wieder raus und Live-Entertainment is back. Wir waren eigentlich wirklich guter Dinge. Wir hatten eine Kapazität von etwa 12.000 Zuschauern, mit der man gewisse Veranstaltungen abbilden kann.

Wie viele Zuschauer hatten Sie 2021 in der Spitze?

Wir hatten knapp 13.000 Zuschauer. Das war die corona-zulässige Gesamtzahl.

Was war Ihr schönstes, aber auch vielleicht Ihr traurigstes Ereignis in 2021?

Mein schönstes Erlebnis war Querbeat. Das war toll, weil sich die Band selber so gefreut hatte. Das war emotional. Traurig sind immer solche Sachen, wenn sie nicht nachgeholt werden, wie Die Ärzte. Für das nächste Jahr hatten wir auch bereits The Weekend ausverkauft. Im Wesentlichen ist es traurig, dass die Pläne, auf die man gesetzt hat, auch mit 2G, wieder vor dem Scherbenhaufen liegen.

Lanxess Arena Köln: Konzerte und Events mit 2G-Regel

Die Konzerte und Events in der Lanxess Arena in Köln haben unter strengen Corona-Regeln stattfinden können. So war der Zutritt nur unter Einhaltung von 2G – also geimpft oder genesen – möglich. Um die 2G-Regel einhalten zu können, wurden die Besucher vor dem Eingang der Lanxess Arena Köln kontrolliert.

Köln: Lanxess Arena-Chef Stefan Löcher zu Konzerten 2022 – „Es gibt nichts schönzureden“

Wie sieht die aktuelle Lage aus?

Eigentlich war alles geebnet. Aber jetzt ist wieder alles neu für uns, das ist die reinste Katastrophe. Da wir schon rund 250 Konzerte teils zum dritten Mal verlegt haben – und jetzt langsam zum vierten Mal kommen. Das birgt für uns natürlich sehr viele Herausforderungen, weil das nächste Jahr schon sehr gut gebucht ist, fast zweieinhalb Jahre in einem. Daraus folgt, dass wir sehr erhebliche Terminherausforderungen für die nächsten zwei Jahre haben. Ich glaube trotzdem an die Zukunft, deshalb haben wir auch viel in der Arena umgebaut. Wir glauben auch an ein Comeback vom Live-Entertainment. Aber es gibt nichts schönzureden. Wir sind sehr nachhaltig getroffen. Ich gehe jetzt davon aus, dass im Januar und Februar wieder Veranstaltungen nicht möglich sind. Ich merke jetzt, dass viele Mitarbeiter fertig sind, weil schon wieder losgeht. Wir hoffen, dass wir bald als Branche wieder eine Perspektive bekommen.

Noch finden Konzerte und Veranstaltungen statt. Wie sieht es für 2022 aus?

Aktuell wurde die Besucherzahl auf 5.000 begrenzt. Aus unserer Sicht natürlich nicht abschließend nachvollziehbar, da wir die größte Arena in Deutschland sind. Wir sind eher Freunde davon, die Zahl prozentual zur Gesamtkapazität zu setzen. Wir müssen jetzt wieder alles herunterfahren, ein stetiges hin und her. Ich glaube, wir kommen aus dieser Endlosschleife nur raus, wenn ein grundsätzliches Umdenken stattfindet. Sprich, dass wir zu der Erkenntnis kommen, dass wir mit dem Virus leben lernen müssen. Wenn es dann – ich sage jetzt mal – im März wieder losgeht, dann brauchen wir auch Vorlauf, um die Events zu planen.

Die ersten Konzerte und Veranstaltungen starten im Januar 2022. Können die Termine stattfinden oder nicht?

Die Begrenzung auf 5.000 Besucher kommt für uns einer Betriebsschließung gleich. Zufällig hatten wir einzelne Veranstaltungen, die noch stattfinden konnten. Wir müssen schauen, was jetzt beschlossen wird. Wie sich die aktuellen Vorlagen anhören, geht es eher in Richtung Lockdown, zumindest für die Veranstaltungsbranche. Ich glaube, es sieht für Januar und Februar nicht so gut aus. Beim Karneval wurde die Frist zur Registrierung bis zum 31. Januar verlängert, das befürworte ich sehr. Sonst hätte man jetzt den Druck gehabt, absagen zu müssen.

Was heißt das für die Lachende Köln Arena, die vom 28. Januar bis zum 27. Februar 2022 geht?

Da sind wir in der Findungsphase. Es hängt jetzt von den Beschlüssen der MPK ab. Wie gesagt, der Entscheidungsdruck ist etwas genommen worden. Natürlich werden wir nicht einen Tag vorher entscheiden, ob die Lachende Kölnarena stattfindet oder nicht. Es hängt jetzt von unserer Findungsphase ab. Wir hoffen natürlich, schnell eine gute Entscheidung zu treffen.

20.000 Plätze in der Lanxess Arena Köln

Die Lanxess Arena befindet sich Köln-Deutz und bietet Platz für bis zu 20.000 Zuschauer. Die Arena in Köln wurde 1998 eröffnet und gehört mit etwa 83.700 Quadratmetern zu den erfolgreichsten Event-Hallen Europas. In der Lanxess Arena treten Weltstars wie Beyoncé auf. Außerdem finden dort auch Sport-Events wie Eishockey-Spiele der Kölner Haie oder Handball statt.

Konzerte Lanxess Arena 2022: Stefan Löcher über die Politik – Branche braucht wieder „Perspektive“

Sie haben gerade schon die aktuellen Beschlüsse angesprochen. Was wären jetzt Ihre drei Wünsche an die Politik, Herr Löcher?

Bei der Politik das Bewusstsein zu schärfen, dass die Veranstaltungsbranche unbedingt wieder Planungssicherheit und eine Perspektive benötigt und dass das – wie es jetzt ist – absolut keine Zukunft ist. Auch das Bewusstsein zu schärfen, dass Veranstaltungen, die professionell durchgeführt werden, nicht die Spreader-Events sind. Wenn man diese Beschlüsse fasst, muss man es auch kompensieren. Man muss schauen, dass die Kompensierungen hinreichend sind, damit die Branche überleben kann. Und Ehrlichkeit: Also sich zu hinterfragen, offen und ehrlich mit dem Thema umzugehen.

Hätten Sie sich einen harten Lockdown gewünscht, damit es anschließend Lockerungen geben kann?

Die Frage ist ja die Effizienz. Das kann ich nicht abschließend beurteilen. Wenn ich jetzt wüsste, wir machen einen harten Lockdown, um dann wieder richtig loslegen zu können, dann würde ich natürlich immer sagen: Lieber drei Wochen harter Lockdown und dann los. Aber mittlerweile ist man ja skeptisch, es hat vieles nicht funktioniert.

Würden Sie sagen, gewissen Veranstaltungen wären unter bestimmten Auflagen sicher? Vor allem mit dem Blick auf die Erfahrungen, die Sie gesammelt haben, und der 2G-Regel.

Auf Basis der Erfahrungen, die wir gemacht haben, ja. 100 Prozent wissen kann ich es natürlich nicht. Am Ende muss es jeder für sich entscheiden, ob er hingehen möchte oder nicht.

Die Kritiken am 11.11. und am vollen Fußball-Stadion in Köln waren groß. Andererseits haben in der Lanxess-Arena weitere Veranstaltungen stattgefunden.

Das ist die Macht der Bilder. Aber manchmal hat man das Gefühl, die positiven Bilder sind nicht gewollt, nur die negativen. Aber im Endeffekt hat es durch diese Events keine großen Spreadings gegeben. Die Bilder machen oft die Fakten kaputt.

Es ist auch eine Frage der Kontrollen. Haben Sie dadurch einen erheblichen Mehraufwand?

Das wird oft vergessen, 2G oder 2G-Plus war die Perspektive, die man uns zunächst gegeben hat.
Ich bin mir auch sehr sicher, dass die Kontrollen sehr gut durchgeführt wurden. Der Mehraufwand hielt sich in Grenzen, bei einer vollen Veranstaltung heißt das im Schnitt 40 bis 50 Personen vom Security mehr.

Stefan Löcher ist Chef der Lanxess Arena

Der Arena-Chef Stefan Löcher hat BWL studiert und wechselte bereits 1999 von KPMG zur Lanxess Arena. Nur wenige Jahre später – 2001 – wurde Löcher zum Geschäftsführer ernannt.

Tickets Lanxess Arena: Löcher über die Nachfrage von Konzerten – „Die Menschen wollen noch raus“

Wie ist die Akzeptanz von den Besuchern? Kaufen die Menschen trotz Corona Konzert-Tickets oder sind sie zögerlich?

Zum einen: Die Menschen wollen noch raus. Man sieht es an den Vorverkäufen: Udo Lindenberg, Justin Bieber, Genesis, Shawn Mendes, Billie Eilish. Da ist immer noch eine Riesen-Nachfrage und es ist sofort ausverkauft. Zum anderen spürt man momentan aber auch, beim Mittelfeld halten sich die Menschen mehr zurück. Bei den Top-Events denken sich die Leute ‚Wenn es stattfindet, will ich auch dabei sein‘. Und im Mittelfeld denken sie sich ‚Erstmal abwarten, da ist nicht so der Druck‘.

Lanxess Arena Köln Termine: Stefan Löcher über die Highlights in 2022 – „Glaube an die Zukunft“

Der Terminkalender 2022 ist voll. Was würden Sie sagen, welche Veranstaltungen sind noch verborgene Schätzchen?

Das ist eine gute Frage, es sind natürlich alles Schätzchen. Die Basket-Ball-Europameisterschaft ist natürlich was ganz Besonderes. James Blut, Sarah Conner, Shawn Mendes, Teddy, Sting, Bonez MC, verschiedene Schlagerformate oder auch Sunrise Avenue und Celine Dion sind besonders. Sing mein Song ist immer eine große Geschichte. Dua Lipa ist aus meiner Sicht ein absoluter Schatz, die Prinzen auch. Apache läuft wie verrückt. Wir haben zum Glück viel im Angebot. Die Künstler müssen quasi auch auftreten, um Geld zu verdienen. Deshalb glaube ich auch an die Zukunft des Live-Entertainments. Die Fans wollen es und die Künstler wollen es auch.

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