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Kritik an fehlender Testpflicht für Hochschulen: „Könnten so zu Hotspots werden“

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Von: Stefanie Knupp

Fahrzeuge stehen vor dem Hautgebäude der Universität. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus wird der Start des Sommersemesters an der Universität Köln verschoben.

An der Universität zu Köln gibt es im Sommersemester insgesamt 48.000 Studierende (Archivbild). © Oliver Berg/dpa

Während sich Schüler in NRW im Präsenzunterricht auf das Coronavirus testen müssen, gilt eine solche Pflicht an Hochschulen nicht. Daran gibt es jetzt Kritik.

Köln – 2800 Erstsemester haben am 1. April ihr Studium an der Universität zu Köln aufgenommen. Die offizielle Begrüßung musste wie schon in den vergangenen beiden Semestern digital stattfinden. Die Corona-Pandemie lässt einen normalen, ausgelassenen Semesterstart einfach nicht zu. Der Präsenzunterricht an Hochschulen ist laut Infektionsschutzgesetz zwar zulässig, jedoch stark eingeschränkt. Damit die neuen Studierenden dennoch ein wenig Ersti-Wochen-Flair spüren konnten, hatte die Uni Köln digitale Ersti-Partys organisiert.

Bei einem Inzidenzwert der zwischen 100 und 165 liegt, dürfen Hochschulen Präsenzlehre im Wechselmodell durchführen. Anders als in den Schulen gibt es hier allerdings keine Testpflicht. Das kritisiert jetzt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), auch der GEW-Stadtverband Köln hat den Aufruf „Die Hochschulen nicht vergessen!“ geteilt.

Bisher keine Testpflicht an Hochschulen – auch nicht an der Uni Köln

Darin kritisiert der stellvertretende Vorsitzende und Hochschulexperte der GEW, Andreas Keller, die „Ungleichbehandlung“. Es sei schließlich denkbar, dass Hochschulen bei hohen Inzidenzen über 100 Präsenzlehre anbieten, dabei aber von einer Teststrategie ausgenommen seien. „Hochschulen könnten so zu Hot Spots für die Ausbreitung des Coronavirus werden“, so Andreas Keller in einer Mitteilung.

Eine Rückkehr zu den Präsenzveranstaltungen noch in diesem Sommersemester hält Keller zwar für unwahrscheinlich. „Bei Prüfungen oder praktischer Ausbildung in Laborfächern, Medizin oder Kunst ist es aber durchaus zu erwarten, dass Studierende auf den Campus müssen. In diesen Fällen muss es selbstverständlich auch an den Hochschulen Test für Studierende und Lehrende geben“, so der Hochschulexperte.

Auf dem Campus der Uni Köln gibt es bereits ein Corona-Testzentrum, in dem der wöchentliche, kostenlose Corona-Schnelltest durchgeführt werden kann. Das Zentrum diene dem Zweck „unbedingt notwendige Präsenz auf dem Campus weiter abzusichern“, heißt es auf der Internetseite der Uni. Aber: „Ein negativer Test ist derzeit keine Zugangsvoraussetzung für Präsenz an der Universität. Er kann auch nicht zur Voraussetzung zur Teilnahme an Präsenzveranstaltungen gemacht werden.“ Das heißt konkret: Auch an der Universität zu Köln gibt es keine Testpflicht.

Uni Köln hofft auf mehr Präsenz nach dem 21. Mai

Am Montag (26. April) lag die 7-Tage-Inzidenz in Köln bei 245,7, am vergangenen Wochenende lag die Inzidenz in Köln sogar noch höher. Somit müssen die Erstis auch weiterhin auf ihren ersten Tag am Campus warten, Präsenzveranstaltungen sind untersagt. Die TH Köln kommunizierte bereits die Absage aller Lehrveranstaltungen, Praktika und Exkursionen am Montag. „Ob sich die Untersagung von ‚Präsenzunterricht‘ auch auf Präsenz-Prüfungen/Präsenz-Vorbereitungen von Abschlussarbeiten an Hochschulen auswirkt, ist zurzeit noch unklar“, heißt es auf der Infoseite der Technischen Hochschule.

Die Uni Köln setzt auf ein „flexibles Hybridsemester“ und hofft, dass nach dem 21. Mai wieder mehr Präsenz auf dem Campus möglich ist. „Präsenzlehrveranstaltungen sind bis 21. Mai 2021 weitgehend unzulässig“, schreibt die Uni. „Im Einzelfall bleibt die Durchführung einer Lehrveranstaltung in Präsenz zulässig, wenn diese nicht ohne schwere Nachteile für die Studierenden entweder ohne Präsenz durchgeführt oder verschoben werden kann.“ Damit übernimmt die Uni Köln die Formulierung aus dem aktuellen Infektionsschutzgesetz. Die Fakultäten würden die Erfüllung der Ausnahmekriterien einzeln prüfen, heißt es.

Hochschulen: GEW begrüßt neue Impfreihenfolge

Offenbar plane die Bundesregierung, Beschäftigten an Hochschulen eine „erhöhte Priorität“ (Gruppe 3) in der Impfreihenfolge zu geben, heißt es in der GEW-Mitteilung. „Da es sich bei Studierenden wie bei Lehrenden um Erwachsene handele, ist Impfen, Impfen, Impfen die wichtigste Grundlage für eine Rückkehr in die Präsenzlehre im Wintersemester. Vor diesem Hintergrund ist die geplante Berücksichtigung der Hochschulen in der Corona-Impfverordnung zu begrüßen,“ betont GEW-Vize Andreas Keller. Mit der Priorisierung würden Hochschulmitarbeiter mit Lehrenden der Sekundarstufe gleichgestellt. In NRW haben bislang nur Lehrer von Grund- und Förderschulen ein Impfangebot erhalten. In Köln sollen nun Lehrkräfte von weiterführenden Schulen geimpft werden.(sk)

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