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Leben wie Gott in Köln: Wenn aus der Kirche ein schickes Wohnhaus wird

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Von: Johanna Werning

Links: Der Kirchturm der Lutherkirche. Rechts: Das neue Wohnhaus.
Die Lutherkirche in Mülheim ist nun ein Wohnhaus. © 24RHEIN

Wohnen in einer Kirche, das ist in Köln-Mülheim möglich. Die Gemeinde hat die Kirche umgebaut. Entstanden ist ein Mehrfamilienhaus mit 17 Wohnungen.

Köln – Vor über 125 Jahren wurde die Lutherkirche im Stadtbezirk Köln-Mülheim gebaut. Doch Gottesdienste und Andachten finden in der Mülheimer Kirche in der Nähe des „Carlswerk Victoria“ nicht mehr statt. Denn die Kirche ist mittlerweile ein Wohnhaus, in dem es 17 barrierefreie, teilweise rollstuhlgerechte Wohnungen gibt. Und auch der Lutherturm hat beim Bauprojekt der Evangelischen Kirchengemeinde in Mülheim eine neue Aufgabe bekommen.

Das Mehrfamilienhaus ist mit dem Lutherturm in Köln-Mülheim durch einen Glasbau verbunden.
Auf dem Grundriss des Kirchenschiffs steht nun ein Mehrfamilienhaus. © 24RHEIN

Kirche in Köln wurde zum Wohnhaus

► Im Lutherturm befinden sich mittlerweile Büros und Ateliers

► Auf dem Grundriss des ehemaligen Kirchenschiffs wurde ein Mehrfamilienhaus mit 17 Wohnungen und vier Gewerbeeinheiten gebaut. Die Fassade erinnert dabei stark an das Kirchenschiff, das im Zweiten Weltkrieg zerstört worden ist und seitdem nicht mehr aufgebaut wurde.

► Nicht der einzige ungewöhnliche Bau in Köln: In Braunsfeld fahren täglich mehrere Güterzüge durch ein Wohnhaus.

„Ein Stück Heimat geworden“: Lutherkirche in Köln ist mittlerweile ein Wohnhaus

„Was für ein Schmuckstück ist es geworden, unser Türmchen. Er ist jetzt ein Stück Heimat geworden für die Menschen, die darin wohnen, und für uns als Gemeinde ein neuer Andockpunkt in unserer Heimat Mülheim“, sagt Sebastian Baer-Henney, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein, bei der Eröffnung im Oktober 2021.

 „Für uns als Kirchengemeinde ist es ein Auftrag, Heimat zu geben. Es ist aber auch unser Auftrag, im Stadtteil aktiv zu sein, und die Menschen dort aufzusuchen, wo sie sind und sich wohlfühlen.“ Der Lutherturm in der Regentenstraße 40 soll das möglich machen. Genauer gesagt das Mehrfamilienhaus, das mit einem Glasbau mit dem denkmalgeschützten Kirchenturm verbunden ist.

Das Wohnhaus am Lutherturm in Köln-Mülheim.
17 Wohnungen gibt es in dem Mehrfamilienhaus am Lutherturm. © 24RHEIN

Das Mehrfamilienhaus wurde dabei auf dem Grundriss der ursprünglichen Kirche gebaut. Das Kirchenschiff wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und wenige Meter entfernt wieder neu aufgebaut worden. Lediglich der Kirchtum blieb. Die schmalen Fenster und die grau-grünliche Farbe der Fassade lehnen sich an den Lutherturm an und sollen an das ehemalige Kirchenschiff erinnern. 17 Wohnungen wurden dafür gebaut. Sie sind zwischen 50 und 155 Quadratmeter groß. Hinzu kommen vier Gewerbeeinheiten. Im Turm selbst befinden sich Büros und Ateliers.

Die Lutherkirche in Mülheim:
Gemeinde:Evangelische Kirchengemeinde Mülheim am Rhein
Gebaut:1895
Zerstört:Im Zweiten Weltkrieg
Lutherturm:Seit den 1970er-Jahren

Alte Lutherkirche in Köln-Mülheim zerstört: Wohnhaus-Bau soll Gemeinde retten

Aber wie kam es überhaupt dazu, dass die Kirche nun ein Wohnhaus ist? Bereits im Zweiten Weltkrieg wurde das Kirchenschiff komplett zerstört. Lediglich der Lutherturm blieb bestehen. Die Kirche selbst wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit einer sogenannten Not-Kirche ein paar Meter entfernt neu gebaut. Zwischen Lutherturm und Not-Kirche – also da, wo früher das Kirchenschiff stand und jetzt das Mehrfamilienhaus steht – blieb lange Zeit eine Lücke. Und auch der Kirchturm selbst, der noch in den 1970er Jahren für die kirchliche Jugendarbeit genutzt wurde, bliebt aufgrund fehlender Brandschutzmaßnahmen zuletzt ungenutzt.

„Es kamen damals Gedanken auf, den Turm zu verkaufen, denn er hat ja auch Kosten, etwa für seine Sicherung, verursacht. Diese Pläne wurden dann aber nicht weiter verfolgt“, sagte Pfarrer Sebastian Baer-Henney. Stattdessen folgte die Entscheidung, Wohnraum zu schaffen. Zehn Jahre wurde geplant, bis im Oktober 2018 der Spatenstich stattfand. Rund zwei Jahre später zogen die ersten Mieter ein.

Der Entwurf stammt von Architekt Walter Maier. „Ich bin stolz und dankbar, dass wir das Vertrauen für dieses Projekt von der Gemeinde erhalten hatten. Es ist ein städtebaulicher Ort mit hoher Intensität der Geschichte.“ Günstig war der Bau allerdings nicht: Die Kosten liegen insgesamt bei 6,8 Millionen. Durch die Mieteinnahmen will die Gemeinde die Kosten jedoch wieder reinholen und langfristig Einnahmen sichern. (jw) Tipp: Fair und verlässlich informiert, was in Köln, NRW und Deutschland passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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