„Das ist ein superguter Impfstoff“

Köln: 117 Astrazeneca-Dosen landen wegen Impfstopps im Müll – das sagt der Leiter des Impfzentrums

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Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca wird für eine Impfung vorbereitet. (Symbolbild)

In Köln mussten wegen des Impfstopps 117 Astrazeneca-Dosen weggeworfen werden. Der Leiter des Kölner Impfzentrums erwartet, dass mit Astrazeneca bald weitergeimpft werden kann.

Köln – Der vorläufige Astrazeneca-Impfstopp hat Kommunen überrascht. Im Impfzentrum Köln mussten nach Angaben der Stadt 117 Astrazeneca-Impfdosen weggeworfen werden, da sie schon aufgezogen und damit nicht mehr lagerfähig waren. „Aufgezogener Impfstoff darf nur wenige Stunden verwendet werden“, erläuterte eine Sprecherin der Stadt am Dienstag.

Wie der Leiter des Kölner Impfzentrums in einem Interview gegenüber der ARD erklärt, konnten am Montag die Astrazeneca-Impfungen noch durch Impfungen mit dem Biontech-Impfstoff kompensiert werden.

Zunächst seien bis einschließlich Samstag alle Impftermine, bei denen Astrazeneca zum Einsatz kommen sollte, abgesagt worden. Das seien 8706 Termine. Die Termine für die Biontech-Impfungen fänden dagegen planmäßig statt, betont die Stadt.

Astrazeneca-Impfstopp: Kölns OB Henriette Reker hofft Verzögerungen bei Impfkampagne zu vermeiden

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) erwartet eine schnellstmögliche Klärung, ob und wann es mit dem Impfstoff von Astrazeneca weitergehen kann. Sobald wieder Klarheit bestehe, werde die Stadt Köln versuchen, die Kapazitäten des Impfzentrums hochzufahren, damit Impfungen aufgeholt werden könnten. „Verzögerungen der Impfkampagne in Köln wollen wir vermeiden.“

Der leitende Kölner Impfarzt Jürgen Zastrow hofft auf die rasche Wiederaufnahme der Corona-Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca. „Das ist ein superguter Impfstoff“, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Köln am Dienstag im Rundfunksender WDR 5.

Köln: Leiter des Impfzentrums hält Astrazeneca-Impfstopp für „temporäres Problem“

Dass die Impfungen mit Astrazeneca durch die Bundesregierung vorsorglich ausgesetzt worden seien, halte er „für ein temporäres Problem“. Zastrow ging nicht davon aus, dass das Astrazeneca-Vakzin insgesamt gesperrt werde. „Wir werden hoffentlich schnell eine Entscheidung bekommen, wie weiter zu verfahren ist.“ Eine Entscheidung könnte vielleicht am Freitag fallen. Dann wird der wegen der Astrazeneca-Problematik kurzfristig abgesagte Impfgipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) voraussichtlich nachgeholt.

Der plötzliche Stopp der Impfungen mit Astrazeneca durch das Bundesgesundheitsministerium am Montag ist ein Rückschlag im Kampf gegen das Coronavirus. Die Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca wurden in Deutschland wegen gesundheitlicher Bedenken gestoppt. Grund war eine Häufung von Thrombosen in der Hirnvene.

Thrombosen nach Astrazeneca-Impfung: Zahl der Fälle signifikant höher als erwartet

Die sieben Fällen in Deutschland einer speziellen Thrombose, die Grund des Aussetzens der Astrazeneca-Impfungen sind, betrafen laut Paul-Ehrlich-Institut Menschen zwischen etwa 20 und 50 Jahren. Sechs davon hätten eine sogenannte Sinusvenenthrombose gehabt, alles Frauen in jüngerem bis mittlerem Alter. Zwischenzeitlich gab es auch Theorien, dass ein Zusammenhang damit besteht, dass einige der betroffenen Frauen die Antibaby-Pille nehmen.

Ein weiterer Fall mit Hirnblutungen bei Mangel an Blutplättchen sei medizinisch sehr vergleichbar gewesen. „Alle Fälle traten zwischen 4 und 16 Tagen nach der Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff Astrazeneca auf“, hieß es. Drei der sieben Betroffenen seien verstorben. Die Zahl der Fälle nach einer solchen Impfung sei demnach statistisch signifikant höher als die Anzahl von Hirnvenenthrombosen, die normalerweise in der Bevölkerung ohne Impfung auftreten: „Etwa ein Fall wäre zu erwarten gewesen, sieben Fälle waren gemeldet worden.“

Unerwarteter Impfstopp am Montag: Datenpanne im Ennepe-Ruhr-Kreis bei Terminabsage

Die Impfzentren traf der Impfstopp völlig unvorbereitet. Bei der Absage von Impfterminen unterlief dem Ennepe-Ruhr-Kreis in Nordrhein-Westfalen eine große Panne. Bei der Absage der Impftermine per Mail wurden aus Versehen 1500 private Mailadressen veröffentlicht. (dpa/lys)

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