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Auf verbotenem Weg unterwegs? Ordnungsamt geht gegen Naturschützer vor

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Von: Johanna Werning

Ein Naturschutzgebiet. Davor ein Hinweisschild des Wegesystems in der Dellbrücker Heide in Köln.
Lena und Valentin müssen Bußgeld zahlen. Der Vorwurf: Sie haben sich abseits der Wege in der Dellbrücker Heide aufgehalten (24RHEIN-Montage) ©  Friso Gentsch/dpa & 24RHEIN

Zwei Kölner waren in der Dellbrücker Heide in unterwegs – auch um Müll im Naturschutzgebiet einzusammeln. Doch jetzt sollen die beiden ein Bußgeld zahlen.

Köln – Die Dellbrücker Heide in Köln-Mülheim ist für viele Kölnerinnen und Kölner ein beliebtes Ausflugsziel – auch bei Lena und Valentin, die erst vor Kurzem nach Holweide gezogen sind. „Valentin hat das erst kurz vorher entdeckt und wollte mir das zeigen“, erzählt die 28-Jährige beim Gespräch mit 24RHEIN. Mit dem Rad wollte das Pärchen Mitte März die Umgebung erkunden und gleichzeitig etwas für die Umwelt tun.

Köln: Naturschützer in der Dellbrücker Heide sammeln Müll – jetzt müssen sie Bußgeld zahlen

„Immer, wenn ich draußen bin und Müll sehe, hebe ich den auf“, erzählt der 31-jährige Valentin. Und auch am Montagabend, 18. März, sammelten die beiden Müll in der Dellbrücker Heide. Darunter eine Cookie-Packung, eine Flasche und Taschentücher, die einfach in die Natur geworfen worden sind.

Doch genau dieser Einsatz für die Umwelt könnte für die beiden nun teuer werden. Lena soll 50 Euro Bußgeld zahlen. Für die Studentin viel Geld. Für Valentin könnte es noch mehr sein, wie viel weiß er noch nicht. Der Vorwurf vom Ordnungsamt Köln: Die beiden haben „das Naturschutzgebiet außerhalb der ausgebauten und gekennzeichneten Wege betreten“, heißt es in dem Schreiben des Kölner Ordnungsamtes, das 24RHEIN vorliegt.

Die Dellbrücker Heide als besonderes Naturschutzgebiet

Die Dellbrücker Heide ist seit 2009 ein Naturschutzgebiet. Die Fläche ist 39,07 Hektar groß. Die Heide bildet einen Lebensraum für gefährdete Arten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke, die Zauneidechse, Rostbinden und Silbergrasfluren. Darum gelten hier besonders strenge Regeln. Unter anderem ist das Betreten abseits der markierten Wege verboten. (Quelle: Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in NRW)

Köln: Genug Schilder im Naturschutzgebiet? Bereits 163 Bußgeldverfahren in 2022

Für Lena und Valentin ist die Strafe unverständlich: „Wir waren ja auf einem befestigten Weg und haben nichts Schlimmes getan. Uns war nicht bewusst, dass der Weg auch verboten ist“, erklärt die 28-jährige Medizinstudentin. „Es gibt ein ganz kleines Hinweisschild, ganz am Anfang der Heide. Das ist aber nur ein kleines DIN-A4-Blatt – an der Seite eines Zauns. Das kann man gar nicht sehen.“ Die restlichen Schilder seien außerdem abgeknickt gewesen, fügt Valentin hinzu.

Hinweisschilder, die an der Dellbrücker Heide das Wegesystem anzeigen
Die Hinweisschilder in der Dellbrücker Heide, die anzeigen, welche Wege erlaubt und welche verboten sind © 24RHEIN/privat

Und was sagt die Stadt Köln dazu? „Leider werden die Schilder oft beschmiert oder demoliert, sodass nicht immer gewährleistet werden kann, dass die Schilder in einem intakten Zustand sind. Dennoch kann das Gebiet kaum betreten werden, ohne wenigstens einmal an einem der allein schon durch ihre Dreiecksform charakteristischen Naturschutzgebietsschilder und den entsprechenden Zusatzschildern vorbeizukommen.“ Außerdem „werden die nicht zugelassenen Wege entweder durch Wälle oder durch quer liegende Baumstämme gesperrt. Zwar verhindert dies nicht ein Übertreten, ein illegales Handeln wird jedoch an den meisten Stellen deutlich sichtbar“, erklärt die Stadt auf Anfrage.

Das Fazit der Stadt: Aus Sicht der unteren Naturschutzbehörde sei „schon aktuell das Gebiet ausreichend gekennzeichnet und das Verhängen eines Bußgeldes angemessen.“ Doch trotz der „ausreichenden Kennzeichnung“ ist der Vorfall von Lena und Valentin bei Weitem kein Einzelfall in der Dellbrücker Heide: Das Ordnungsamt führe regelmäßige Kontrollen im Naturschutzgebiet durch. Allein im Jahr 2022 wurden bisher 163 Bußgeldverfahren eingeleitet. Im Vorjahr waren es insgesamt 217.

Köln: Ordnungsamt geht gegen Naturschützer vor – „die wollten einfach abkassieren“

Die beiden Naturschützer haben eine Vermutung. „Wir hätten ja auch eine Verwarnung akzeptiert. Aber die wollten direkt unsere Personalien aufschreiben und waren null bereit, mit uns zu reden. Die wollten einfach nur abkassieren“, sagt Valentin.

Vor allem für Valentin soll es dabei Konsequenzen geben. „In dem Schreiben wird mir vorgeworfen, dass ich das vorsätzlich gemacht habe. Aber das stimmt nicht. Ich wusste ja gar nicht, dass der Schotterweg auch verboten ist.“ Und damit nicht genug: „Außerdem steht da drin, dass ich ‚extrem uneinsichtig und unkooperativ, laut und respektlos war‘. Dabei habe ich nur erklären wollen, dass wir naturliebende Menschen sind und die ganze Zeit auf dem Weg geblieben sind.“

Köln: Ordnungsamt verteilt Bußgelder – und läuft selbst durch Naturschutzgebiet

Anders als das Ordnungsamt, wie Valentin weiter betont. „Das ist ja besonders schräg. Wir waren auf einem Schotterweg, die sind aber quer durch den Wald gelaufen“ – genau dort, wo viele Vögel brüten, so der 31-Jährige weiter. „Wir haben sie beim Eingang in das Naturschutzgebiet bereits gesehen, als sie direkt an einem Schild mit der Aufschrift ‚Betreten verboten‘ vorbeigelaufen sind. Da hat Valentin mich noch drauf aufmerksam gemacht“, erklärt Lena.

„Genau, während wir extra den Umweg genommen haben, um auf den befestigen Wegen zu bleiben, haben die den Trampelpfad genommen“, so Valentin weiter. Und was sagt die Stadt Köln dazu? Aufgrund der Kontrollen des Ordnungsdienstes ist „das Betreten des jeweiligen Naturschutzgebietes außerhalb der zulässigen Wege ist in diesem Zusammenhang für den Ordnungsdienst unerlässlich und zwingend erforderlich.“

Lena und Valentin sind sich dennoch sicher: Dass das Ordnungsamt falsch reagiert hat, darum wollen die beiden Naturschützer auch nun dagegen vorgehen. Aktuell haben die beiden eine schriftliche Stellungnahme an das Ordnungsamt geschickt. Wie es weitergeht und ob die beiden tatsächlich das Bußgeld zahlen müssen, ist noch unklar. Hinweis: Namen von der Redaktion geändert. (jw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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