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A3 bei Köln: Horror-Unfall mit Betonplatte – Mangel war schon seit 2008 bekannt – umfassende Überprüfung

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Von: Nina Büchs

Einsatzkräfte sichern eine Unfallstelle. Im Hintergrund sieht man eine Betonwand, die ein Auto unter sich begraben hat.
Einsatzkräfte sichern die Unfallstelle auf der A3 bei Köln, bei der eine Autofahrerin von einer herabstürzenden Betonwand erschlagen wurde. © Daniel Evers/WupperVideo/dpa

Nach dem schrecklichen Unfall auf der A3 werden in NRW weitere Lärmschutzwände geprüft. Der Landesbetrieb Straßen NRW offenbarte unterdessen weitere schockierende Details.

Update vom 30. November, 11.30 Uhr: Inzwischen hat der Landesbaubetrieb Straßen NRW mitgeteilt, dass viele weitere Straßenabschnitte ähnlicher Konstruktionsart in ganz Nordrhein-Westfalen überprüft werden müssen. Insgesamt gehe es um 25 Lärmschutzwände auf 21 Streckenabschnitten.

Update vom 26. November, 17.30 Uhr: Dass der Baupfusch schon seit dem Jahr 2008 bekannt war und nicht behoben wurde, stößt bei Experten auf große Kritik. „Bis zur Beseitigung hätte der Autobahnabschnitt bei Köln gar nicht für den Verkehr freigegeben werden dürfen“, sagte Heinrich Bökamp, der Präsident der Ingenieurkammer-Bau NRW am Donnerstag. 

Unverständnis äußerte auch der Mobilitätsexperte des ADAC, Roman Suthold: „Man kann nur mit dem Kopf schütteln, dass das nach 2008 offenbar nicht im Auge behalten wurde“. Indem man die Baufirma aus der Verantwortung gelassen habe, habe Straßen NRW sich nun selbst in Haftung genommen.

A3 bei Köln: Horror-Unfall mit Betonplatte – Mangel war schon seit 2008 bekannt

Update vom 26. November, 11.30 Uhr: Der Baupfusch-Skandal um die fehlerhaft montierte Betonwand, die am 13. November auf der A3 bei Köln eine Autofahrerin erschlug, nimmt immer größere Ausmaße an. Wie der Landesbetrieb Straßen.NRW nun mitteilte, waren die Mängel der Lärmschutzwand schon seit dem Jahr 2008 bekannt. Das Problem sei damals bei einem Abnahmeprotokoll des Bauwerks aufgeführt worden. Die fehlerhafte Konstruktion wurde jedoch nur unter Vorbehalt eines statistischen Nachweises abgenommen, der trotz mehrfacher Aufforderung nicht erbracht worden war. Die Baufirma ist inzwischen insolvent.

Unterdessen sichert nun auch die Stadt Düsseldorf ab Donnerstag Betonplatten im Rheinalleetunnel ab. Dabei handle es sich um ähnliche Konstruktionsarten wie bei der Lärmschutzwand, die in Köln zu dem Horror-Unfall führte, so die Landeshauptstadt. Bei der routinemäßigen Hauptprüfung des Rheinalleetunnels wurde eine Beschädigung von Betonfertigteilen auf den unteren Aufstandsflächen festgestellt. Die Platten werden nun mit einem zusätzlichen Betonverguss gesichert. Die Arbeiten dauern bis Mitte Dezember an. Bis dahin wird jeweils eine Spur außerhalb der Hauptverkehrszeichen gesperrt.

Horrorunfall auf der A3 bei Köln: Sechs weitere Platten werden entfernt

Update vom 18. November, 18.30 Uhr: Nach dem tödlichen Betonplatten-Unfall sollen nun am Donnerstag sechs weitere Platten entfernt werden, die ebenfalls fehlerhaft montiert wurden. Die Arbeiten werden am Morgen beginnen. Von 9 bis 15 Uhr werden drei Spuren in eine Fahrtrichtung gesperrt. Zwei Spuren bleiben frei.

Mängel an Betonwand bei A3 entdeckt: Platte erhielt bei vorheriger Prüfung die Note „sehr gut“

Update vom 18. November, 11 Uhr: Laut Verkehrsministerium war der Absturz der Betonplatte, die am vergangenen Freitag zum Tod einer Autofahrerin führte, nicht abzusehen. Die Betonwand erhielt bei der letzten Prüfung sogar die Note 1. Aus einem Bericht der Landesregierung an den Verkehrsausschuss des Düsseldorfer Landtags ging jedoch hervor, dass die nun festgestellten Mängel nicht sichtbar waren. „Es ist davon auszugehen, dass auch bei der kommenden Prüfung die fehlerhafte Konstruktion nicht aufgefallen wäre, weil sie versteckt hinter der Lärmschutzplatte liegt“, so das Verkehrsministerium.

Die Konstruktion hätte eigentlich 2019 erneut geprüft werden sollen. Da jedoch zu viele andere Prüfungen vorgenommen werden mussten, hatte man die Untersuchung der Betonplatte verschoben. Grund dafür sei das noch relativ junge Baujahr und die sehr guten Zustandsnoten der letzten Hauptprüfung gewesen. Zuständig für die Prüfung waren Fachleute der Landesstraßenbauverwaltung. Regelmäßige Sichtprüfungen hätten jedoch stattgefunden, hieß es in dem Bericht an den Landtag.

Baupfutsch: Betonwand tötet Autofahrerin – Suche nach Verursachern gestaltet sich schwierig

Die Suche nach den Verursachern des Baupfuschs könnte noch eine Weile andauern. Dem Bericht des Verkehrsministeriums zufolge hatte eine Firma aus Gelsenkirchen 2007 die Stützwand errichtet. Die Betonplatte selbst wurde von einem anderen Unternehmen aus Hessen angefertigt. Inzwischen seien jedoch beide Firmen insolvent. Ungeklärt ist zunächst noch die Frage, ob eine der beiden Unternehmen auch die mangelhafte Befestigung veranlasste oder ob sogar ein Subunternehmen engagiert wurde.

A3/Köln: Betonplatte stürzt auf Auto – Baupfusch als Unfallursache ermittelt

Update vom 18. November, 9 Uhr: Inzwischen sind weitere schockierende Details über den Betonplatten-Unfall auf der A3 ans Licht gekommen. Nach Angaben von Straßen NRW geht die Unfallursache auf eine „absichtlich gewählte Improvisation“ beim Einbau der Lärmschutzwand im Jahr 2007 zurück.

Offensichtlich sollte damit ein Höhenunterschied bei der Montage überbrückt werden, teilte ein Sprecher des Landesbetriebs am Mittwoch mit. Bei der Konstruktion mit einem Winkel habe eine angeschweißte Schraube die Zugkräfte des etwa fünf Tonnen schweren Teils aus Stahlbeton auf Dauer nicht Stand gehalten.

Die gleiche Konstruktion wurde auch an sechs weiteren Lärmschutzplatten verbaut. Sie sollen nun schnellstmöglich abmontiert werden. Wann dies passieren soll, ist bislang noch nicht geklärt, wie ein Sprecher am Mittwochmorgen bekannt gab. In der Zwischenzeit sollen aber beide äußere Fahrspuren der Autobahn weiter gesperrt bleiben. Ob es weitere Lärmschutzwände mit ähnlichen Konstruktionen in NRW gibt, wird nun durch die Behörde geprüft.

Ursprungsartikel vom 17. November: Nach Horror-Unfall: Weiteres Betonteil droht auf die A3 zu stürzen

Köln – Schreckliche Szenen trugen sich am vergangenen Freitag, den 13. November, auf der Autobahn A3 bei Köln-Dellbrück zu. Eine 66-Jährige Autofahrerin kam dort ums Leben, als eine 6,2 Tonnen schwere Betonplatte auf sie herabstürzte. Die Frage nach dem Warum beschäftigte ganz Köln - schließlich hätte das Schicksal der 66-Jährigen auch jeden anderen Verkehrsteilnehmer treffen können. Im Zentrum steht nun vor allem auch die Frage: Kann sich der Unfall wiederholen?

Unfall bei Köln-Dellbrück: Gutachter dokumentiert erhebliche Mängel

Wie jetzt ein Gutachter feststellte, ist an der A3 ein weiteres Betonteil absturzgefährdet. Der Ingenieur dokumentierte in einem Vorabgutachten einen bereits verbogenen Schweißanschluss mit erhöhter Rissgefahr an einer benachbarten Betonplatte. Ebenso vermerkte er, dass manche Betonplatten rund um die Unfallstelle korrekt angebracht wurden, andere jedoch nicht.

Der Kölner Stadt-Anzeiger hatte zuvor berichtet, dass an dem Bau der Wand eventuell verschiedene Unternehmen beteiligt waren. Die Unternehmen könnten daher auch unterschiedliche Befestigungssysteme verwendet haben.

Die absturzgefährdeten Bauteile sollen nun schnellstmöglich abmontiert und als Beweismittel gesichert werden, wie aus dem Gutachten hervorgeht.

Betonwand tötet Autofahrerin: Abgebrochene Schraube und zu kleine Unterlegscheibe entdeckt

Erhebliche Mängel stellte der Gutachter auch bei der Betonwand fest, die die Autofahrerin tötete. Sie war als Vorsatzschale vor der Schallschutzwand befestigt. Bei der Untersuchung fand der Gutachter eine abgebrochene Schraube. Außerdem wurde eine deutlich zu kleine Unterlegscheibe angebracht.

Gutachter: „Überprüfung der Lärmschutzwände auf Standsicherheit enorm aufwändig“

Ein Baufachmann, der an der Montage vieler Lärmschutzwände beteiligt war, teilte dem WDR mit, dass bundesweit an vielen Autobahnstellen ähnliche Wände stehen. Eine Überprüfung der Wände sei jedoch enorm aufwändig, weil jedes zwei bis vier Meter breite Schallschutzelement mit zwei oder mehreren Metallbügeln befestigt sei. Daher müssten Tausend Metallbügel und Schrauben untersucht werden, um die Standsicherheit festzustellen.

Horror-Unfall bei A3: Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet

Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt eingeleitet. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte, soll nun der Frage nachgegangen werden, ob der Tod der 66-Jährigen Kölnerin auf ein strafrechtlich vorwerfbares Verhalten einer oder mehrerer Personen zurückzuführen sei. (nb mit dpa)

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