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Kölnerin zeigt 5 einfache Tipps, wie Du die Welt im Alltag zu einem besseren Ort machst

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Von: Thomas Kemmerer

Julia Allmann aus Köln auf einer Steintreppe. Sie hat braunes Haar, trägt eine Brille und eine blaue Jeansjacke.
Julia Felicitas Allmann gibt in „Jeden Tag die Welt retten“ Anregungen für ein klimafreundlicheres Alltagsleben. © Julia Walter Fotografie

Mithelfen beim Klimaschutz – auch viele kleine Schritte im Alltag helfen. Wir stellen 5 Tipps für mehr Nachhaltigkeit vor, die leicht umzusetzen sind.

Köln – Umweltschutz, Müllvermeidung, Nachhaltigkeit: Das war für die Journalistin Julia Allmann aus Köln schon lange selbstverständlich, auch ohne „Fridays for Future“ oder Greta Thunberg. Doch als sie zum ersten mal Mutter wurde und sich noch öfter die Frage stellte, welche Erde wir unseren Kindern hinterlassen wollen, bemerkte die Kölnerin: Bei all den Ratschlägen zur Nachhaltigkeit, Vegetarismus oder wenigstens Flexitarimus und immer neuen Verzichtsappellen noch den Überblick behalten – das ist gar nicht so leicht.

„In Ratgebern wird oft gezeigt, wie man komplett auf Zero Waste umstellt oder zum Beispiel Deo selber macht - aber was wir bei all den vielen Dingen tun können, die wir sowieso täglich erledigen, das habe ich mich immer gefragt. Und versucht, Antworten darauf zu finden.“ Herausgekommen ist das kleine Büchlein „Jeden Tag die Welt retten“ mit 66 Inspirationen für den Alltag: Ernährung, Konsum, Haushalt, Reisen. Julia Allmann selbst nennt es einen „Selbstbedienungsladen zur Weltverbesserung“. Alles kann, nichts muss. Die Kölnerin ist davon überzeugt: „In Summe können wir gemeinsam einen Unterschied machen und in unserem täglichen Leben dafür sorgen, dass die Erde eine bessere Zukunft hat.“

Julia Allmann gibt 5 Tipps für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Alltag

1. Hafermilch statt Kuhmilch: Warum sich der Umstieg lohnt

Wer mithelfen will, Kohlendioxid-Ausstoß, Landnutzung und Wasserverbrauch zu reduzieren, kann dies auch durch den Verzicht auf Kuhmilch tun: Die Herstellung von einem Liter Kuhmilch verursacht mit 3,2 Kilo etwa so viel Kohlendioxid (CO2) wie 17 Kilometer Autofahrt, verbraucht 9 Quadratmeter Landfläche und benötigt stolze 628 Liter Wasser. Die Alternative ist der Haferdrink. Die pflanzliche Milch benötigt nur 0,9 Kilogramm CO2, die Landnutzung liegt bei 0,8 Quadratmetern und der Wasserverbrauch bei 48 Litern.

Ich höre von anderen Leuten oft das Argument, dass ihnen Haferdrink einfach nicht schmeckt. Das kann man natürlich schlecht wegargumentieren, aber es ist wirklich so, dass Haferdrink von fast jedem Hersteller anders schmeckt - auch wenn das komisch ist, weil eigentlich das Gleiche drinsteckt. Einfach mal durchtesten, vielleicht ist ja doch eine Sorte dabei, die passt.

Julia Allmann, Autorin „Jeden Tag die Welt retten“

2. Wein: Warum ein echter Korken hilft

Weingenuss mit Umweltbonus: Naturkorken auf der Weinflasche sind die klimaschonender als der Drehverschluss. Der Grund: Sie tragen zum Erhalt wertvoller Biotope bei: Korkeichenwälder, die es nur im Mittelmeerraum gibt und die einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten. „Alle Korkeichenwälder verwandeln jährlich 14 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid in vielseitig verwendbaren Kork“, heißt es beim BUND.

Außerdem sind die Wälder Heimat seltener Tier- und Pflanzenarten, die vom Aussterben bedroht sind. Wenn sich die Korkenproduktion nicht mehr lohnt, weil alle Käufer auf Drehverschlüsse umsteigen, besteht das Risiko, dass die Korkwälder durch andere Plantagen ersetzt werden. Tipp: Am besten Korken nachher zu einer Korken-Sammelstelle bringen. Dort kann er recycelt werden und es entstehen zum Beispiel Dämmstoffe oder Bodenbeläge daraus – auch das ist gut für die Umwelt.

3. Alufolie und Frischhaltefolie: Warum Alternativen besser sind

Und was ist, wenn wir die Alufolie in die Wertstofftonne werfen? Alles okay, weil sie recycelt wird? Leider nicht: „Weil das Material so dünn ist, kommt es beim Recycling von Alufolie zu sehr hohen Verlusten“, erklärt die Deutsche Umwelthilfe. Auch Frischhaltefolie ist keine gute Option: Sie besteht aus Polyethylen, abgekürzt PE. Es gilt zwar noch als „besserer Kunststoff“, weil es in der Regel keine Weichmacher enthält und sich vergleichsweise gut recyceln lässt. Trotzdem ist PE ein Kunststoff, der Erdöl und Erdgas zur Basis hat – und auch die PE-Herstellung verbraucht viele Ressourcen, genau wie das spätere Recycling.

Alufolie: Praktisch, aber leider belastend für den Planeten. Aluminium ist ein wertvoller Rohstoff, der unter großem Aufwand hergestellt wird. Es entsteht aus Bauxit, das vor allem in Australien, China oder Brasilien abgebaut wird. Teilweise werde dafür Regenwald abgeholzt, sagen Kritiker.

Am besten also Alternativen wählen: Langsam setzen sich Bienenwachstücher durch, die es in Unverpacktläden, Onlineshops oder auch im gut sortierten Drogeriemarkt gibt. Auch Lebensmitteldosen sind eine gute Lösung, genau wie der simple Weg, eine Schale mit einem flachen Teller abzudecken.

Auch wenn das vielleicht blöd klingt: Ich habe mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, dass Alufolie tatsächlich aus Aluminium besteht und welche aufwendigen Prozesse hinter der Produktion stecken. Seit ich das weiß, zucke ich jedes Mal zusammen, wenn jemand zum Beispiel einen Kuchen mitbringt, ihn mit einer Folie abgedeckt hat und die dann sofort zusammenknüllt und in den Müll wirft.

Julia Allmann, Autorin

4. Papiertüten richtig verwenden: Warum sich so die Umwelt schonem UND noch Geld sparen lässt

An die Papiertüten im Supermarkt oder Discounter haben sich die meisten schon gewöhnt. Wenn sie nicht beschichtet oder mit giftigen Farben bedruckt ist, können sie in der Natur besser verrotten – im Gegensatz zur Plastiktüte, deren kleine Plastikteilchen hunderte Jahre erhalten bleiben. Alles prima mit der Tüte aus Papier? Nicht ganz: Wenn es um die Herstellung geht, sind Papiertüten keine Gewinner. Die Produktion benötigt viel Energie und Wasser und leider haben noch lange nicht alle Papiertüten einen hohen Recyclinganteil. Um reißfest zu sein, sind sie dicker und damit schwerer als Plastiktüten. Die Folge: Es kommt mehr Material zum Einsatz – außerdem steigen dadurch die Emissionen beim Transport.

In Rezepten für Kuchen, Pizza oder Brot heißt es oft: „Den Ofen auf 200 Grad vorheizen…“ Also stellen wir den leeren Ofen an, während der rohe Teig draußen wartet. Ist das sinnvoll? Es kommt ganz auf das Gericht an. In vielen Fällen gilt: „Wenn es möglich ist, sollte man das Vorheizen vermeiden“, sagt Prof. Marlen Arnold, Nachhaltigkeitsexpertin von der TU Chemnitz. So seien Energieeinsparungen von bis zu 20 Prozent zu realisieren.

Ich muss zugeben, dass es mir am Anfang unangenehm war, mit eigenem Beutel Brötchen kaufen zu gehen. Aber das ist schon ein paar Jahre her und mittlerweile hat es sich viel mehr durchgesetzt. Und je mehr Menschen es machen, desto normaler wird es. Jetzt fühle ich mich eher schon schlecht, wenn ich den Beutel mal vergesse und dann klassisch eine Tüte bekomme.

Julia Allmann, Autorin „Jeden Tag die Welt retten“

5. Backofen: Warum ihr euch oft das Vorheizen sparen könnt

Wer also beim Einkaufen die Umwelt schonen will, sollte seine Tüte wieder und wieder verwenden – auch wenn diese aus Papier ist. Experten vom BUND rechnen vor: „Je nach Tütengröße muss eine Papiertüte drei bis acht Mal benutzt werden, um eine entsprechende Plastiktüte klimafreundlich zu ersetzen.“ Gilt übrigens auch für die Tüte beim Bäcker: Brötchentüten werden in der Regel nicht wiederverwendet, sondern nach einem kurzen Weg nach Hause in den Müll geworfen. Ein kleiner Stoffbeutel wäre für den Transport eindeutig der bessere Weg.

Doch natürlich können wir uns dann nicht mehr auf die Backzeit im Rezept verlassen, weil sie ab dem Moment gilt, wenn der Ofen die volle Temperatur erreicht hat. Wir müssen also (zumindest beim ersten Mal) unser Gericht gut im Blick haben. Es gibt aber Ausnahmen – und dazu gehört Pizza. Damit der Teig knusprig wird, muss der Ofen von Beginn an heiß sein. Auch andere Dinge wie Brandteig, einige Fischgerichte oder Soufflé gelingen nur im vorgeheizten Ofen. Hier sollten wir den hohen Energieverbrauch in Kauf nehmen, um auszuschließen, dass das Gericht misslingt und schlimmstenfalls im Müll landet. (KEM)

Titel„Jeden Tag die Welt retten“
AutorinJulia Felicitas Allmann
Umfang144 Seiten
VerlagGräfe und Unzer
Preis9,99 €
ISBN-13978-3-8338-7358-4

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