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Neues Köln-Logo: Henriette Reker, die Verwaltung und ein verpatzter Markenauftritt

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Von: Michael Hirz

Köln Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Broschüre mit neuem Köln-Logo
Der Ärger um das neue Köln-Logo trifft auch OB Henriette Reker. © Rolf Vennenbernd / dpa & Stadt Köln

Bei dem Ärger um das neue Köln-Logo ohne Dom handelt es sich um mehr als eine Gemütswallung von Lokalpatrioten, meint unser Gastautor Michael Hirz

Köln – Es ist so eine Sache mit dem Alleinstellungsmerkmal: Es ist nicht in jedem Fall das höchste Glück, unverwechselbar zu sein. Womit wir bei der Kölner Stadtverwaltung wären. Der wurde in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger gerade von zwei Investoren bestätigt, bundesweit der Standort mit den langwierigsten und unkalkulierbarsten Genehmigungsverfahren zu sein. Diese fundamentale Kritik (u.a. vom Kölner Unternehmer und Kommunalpolitiker Anton Bausinger), davon muss man ausgehen, wird (mit Ausnahme der Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der betroffenen Verwaltung) kaum auf Widerspruch stoßen.

Das soll allerdings nicht heißen, dass die Stadtverwaltung untätig ist. Im Gegenteil: Mit einem neuen Köln-Signet will sie sich einen zeitgemäßeren Anstrich geben – zumindest nach außen also modern und leistungsfähig erscheinen. Köln wäre nicht Köln, würde nicht aus einer beabsichtigten Lösung ein neues Problem. Denn das überarbeitete Signet verzichtet auf die stilisierten Domtürme – mithin auf das zentrale Alleinstellungsmerkmal der Stadt Köln.

Proteststurm gegen neues Köln-Logo ohne Dom

Wer immer Henriette Reker beraten haben mag, er kann es nicht gut mit ihr gemeint haben. Denn sofort erhob sich ein Protest gegen diese wenig instinktsichere Idee, angeführt vom Alt-Oberbürgermeister Fritz Schramma über den Präsidenten des einflussreichen Dombau-Vereins Michael Kreuzberg bis hin zu Kölsch-Rocker Peter Brings. Der nachgereichte Hinweis, es handele sich nur um das Signet der Stadtverwaltung, ein Standort-Logo für die „Stadt Köln in ihrer Gesamtheit“ werde auf das markante Profil der Domtürme nicht verzichten, vermochte nicht zu beruhigen.

Kritik am neuen Köln-Logo: Nicht nur eine sentimentale Gemütsaufwallung von Lokalpatrioten

Dass es sich nicht nur um eine sentimentale Gemütsaufwallung von Lokalpatrioten handelt, macht Michael Kreuzberg deutlich: „Von der Verwaltungspost bis zum Markenauftritt nach draußen braucht es eine Einheitlichkeit. Dieses Prinzip wird hier verletzt. Das verstößt gegen jedes Gebot einer angestrebten Corporate Identity“, formuliert er sein Unverständnis. In diesem Urteil wird er von Walter Brecht, einem international erfahrenen Markenspezialisten, bestätigt: „Das wirkt wie ein hastig nachgeschobenes Argument“ – mithin wenig glaubwürdig.

Als langjähriger Chef von Verwaltungen – erst als Bürgermeister von Brühl, dann als Landrat des Rhein-Erftkreises – kennt Michael Kreuzberg aus eigener Erfahrung solche Prozesse gut. Auch einen anderen heiklen Punkt sieht er, wenn die Stadt-Bürokratie mit einem eigenen Signet operiert: „Damit entsteht die Gefahr, dass die Verwaltung sich separiert, noch mehr meint, sie sei eine eigene Welt.“ Auch dürfte nicht der Eindruck bei den Bürgerinnen und Bürgern entstehen, „ihre Stadtverwaltung ist etwas anderes als ihre Stadt.“ Es zeuge im Übrigen, merkt er ironisch an, schon von einem enormen Selbstbewusstsein der Stadt, in einem Logo den Hinweis auf die weltweit berühmte Kathedrale zu verzichten. Andere Städte wie Berlin mit dem Brandenburger Tor kämen wohl kaum auf die Idee.

Generelle Unzufriedenheit mit der Stadt Köln und ihrer politischen Führung

Man könnte sich fragen, warum ein neues Signet eine solche Erregungswelle provoziert. Aber was auf manchen wie ein Sturm im Wasserglas wirkt, legt ein offensichtlich tiefer sitzendes Unbehagen frei. Eine generelle Unzufriedenheit mit der Stadt und ihrer politischen Führung. Der Eindruck, dass Köln hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, sein Potenzial nicht ausreizt, die PS nicht auf die Straße bringt. Es kann sein, ist sogar wahrscheinlich, dass sich die Aufregung über das neue Signet nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder legt, wie Marken-Experte Walter Brecht vermutet. Aber das Unbehagen, so steht zu befürchten, wird bleiben. (mh)

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