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Massiver Stellenabbau bei Ford: „Gehen vom Schlimmsten aus“

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Von: Johanna Werning

„Die Lage ist erschütternd.“ Bei den Ford-Werken in Köln sollen bis zu 3200 Jobs gestrichen werden. Teilweise sollen 65 Prozent der Stellen abgebaut werden.

Köln – Seit rund 100 Jahren zählen die Ford-Werke in Niehl zu den größten Arbeitgebern in Köln. Rund 14.000 Menschen arbeiten hier. Doch das könnte sich schon bald ändern. Das Unternehmen will tausende Stellen streichen. Die Rede ist von bis zu 3200 Jobs.

Großer Stellenabbau bei Ford in Köln droht: Hier sollen Stellen gestrichen werden

► Der Betriebsrat spricht in Köln insgesamt von 3200 gestrichenen Stellen.

► Im Forschungszentrum Köln-Merkenich sollen 2500 von insgesamt 3800 Stellen (65 Prozent) abgebaut werden.

► In der Verwaltung sollen 700 Angestellte (20 Prozent) gehen.

► Auch im Ersatzteil-Zentrum ist die Sorge groß, dass Stellen gestrichen werden.

► Im Forschungszentrum in Aachen soll es ebenfalls Entlassungen geben.

Großer Stellenabbau bei Ford in Köln droht: „Lage ist für die Beschäftigten erschütternd“

Möwen fliegen vor den Ford-Werken über dem Rhein. Im Kreis Mitarbeiter von Ford stehen vor dem Werksgelände.
Tausende Jobs bei den Ford-Werken in Köln sollen gestrichen werden © Oliver Berg/dpa & Oliver Berg/dpa

„Die Lage ist für die Beschäftigten erschütternd“, so der Betriebsrat. Am Montag fand eine außerordentliche Betriebsversammlung für die rund 14.000 Beschäftigten in Köln-Niehl (gehört zum Stadtbezirk Köln-Nippes) statt. Dort bekamen die Beschäftigten die Hiobsbotschaft vom Betriebsrat mitgeteilt. Bis zu 3200 Jobs sollen allein in Köln gestrichen werden, sagt Dr. Paul Hecker von der IG Metall gegenüber 24RHEIN. „Wir müssen vom Schlimmsten ausgehen.“

„Die Kollegen sind wirklich in großer Sorge – verunsichert und wütend.“ Allein im Forschungszentrum sind 65 Prozent der Stellen vom Abbau betroffen. Das sind 2500 der 3800 Stellen. In der Verwaltung müssen wohl rund 20 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen. Das sind insgesamt 700 Personen. Im Ersatzteil-Zentrum könnten ebenfalls Jobs gestrichen werden. Und auch im Forschungszentrum in Aachen soll es Entlassungen geben.

Ford in Köln: Stellenabbau? Unternehmen spricht von „erheblichen Veränderungen“

Besonders bitter für die Arbeitnehmer: Das Unternehmen selbst schweigt zu den genauen Plänen, so der Vorwurf der IG Metall weiter. Die konkreten Zahlen seien am Montag bei der Betriebsversammlung vom Betriebsrat genannt worden, nicht vom Unternehmen. „Dabei ist das deren Aufgabe. Die müssen doch die Pläne offenlegen“, so Dr. Hecker weiter.

Auf Nachfrage von 24RHEIN bestätigt ein Unternehmenssprecher lediglich, dass am Montag eine Versammlung stattfand. Auf Details wolle man nicht eingehen. „Wir kommentieren die aktuellen Spekulationen über eine mögliche Umstrukturierung bei Ford in Europa nicht“, so das Unternehmen in einem Statement. Allerdings ist die Rede von „erheblichen Veränderungen“ – wie genau die aussehen, bleibt unklar.

Wir kommentieren die aktuellen Spekulationen über eine mögliche Umstrukturierung bei Ford in Europa nicht. Ford beschleunigt derzeit seine Pläne für den Aufbau eines vollständig elektrisch betriebenen Fahrzeugportfolios in Europa. Bis 2030 werden alle neuen von Ford in der EU verkauften Pkw elektrisch sein, bis 2035 auch alle neuen Ford Nutzfahrzeuge. Diese Transformation bringt erhebliche Veränderungen mit sich, wie wir Ford-Fahrzeuge entwickeln, bauen und verkaufen, und wird Auswirkungen auf unsere zukünftige Organisationsstruktur haben. Weitere Einzelheiten geben wir bekannt, sobald unsere Pläne final sind und wir unsere Belegschaft informiert haben.

Unternehmensstatement zum drohenden Stellenabbau bei Ford

Massiver Stellenabbau bei Ford: „Köln hat konstruktive Hilfe angeboten“

„Ich stehe mit dem Kölner Ford-Management in Kontakt und habe die konstruktive Hilfe der Stadt Köln angeboten“, schreibt Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker auf Twitter. „Das Ziel muss lauten, möglichst viele Stellen in Köln zu erhalten. Sollte es zu einem Stellenabbau kommen, erwarte ich von Ford, dass er sozialverträglich abläuft.“ Wie genau das aussehen soll, schreibt die Oberbürgermeisterin nicht.

Ford streicht tausende Stellen in Köln: „Ein Schock für uns alle“

Hintergrund für den Stellenabbau sei, dass Ford Automodelle mit Elektromotor in Zukunft nicht mehr in Europa, sondern in den USA entwickeln lassen will. Neben den Ford-Werken in Köln gibt es auch Standorte in Saarlouis und Aachen.

„Über dreitausend gestrichene Stellen sind ein Schock für uns alle in Köln“, sagt Christian Joisten, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion in Köln. „Unsere Solidarität gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Fordwerke, die nun sorgenvoll in die Zukunft blicken.“ (jw mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, NRW und Deutschland passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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