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NRW-Wahl: Köln hat gewählt – und das verrät so einiges über die Stadt

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Von: Max Müller

NRW-Wahl: Die Ergebnisse aus Köln lassen Rückschlüsse auf die größte Stadt in Nordrhein-Westfalen zu. Fünf Dinge, die bei den Ergebnisse auffallen.

Köln – Die Landtagswahl in NRW ist vorbei und alle Zahlen liegen vor. Doch was sagen sie über die politische Lage in Köln aus? Legt man, im metaphorischen Sinne, die Stimmenanteile und die Stadtkarte übereinander, fällt auf: Rechtsrheinisch, traditionell die Heimat vieler Arbeiter, siegt die SPD. Im hippen Zentrum liegen die Grünen vorne und im wohlhabenden Kölner Süden ist die CDU zu Hause. Doch dahinter steckt wesentlich mehr.

NRW-Wahl: Köln gehört den Grünen

Sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen liegt eine Partei vorne: die Grünen. Es ist ein beeindruckender Aufstieg. 2017 holte man in Köln noch 11,8 Prozent der Zweitstimmen, 2022 sind es 30,6 Prozent.

Wo Lastenfahrräder unterwegs sind und die Kellnerin keine Rückfragen stellt, wenn man im Café einen „Flat White“ bestellt, kann man in Köln relativ sicher davon ausgehen: Hier ist Grünen-Gebiet. Beispiel Ehrenfeld: Die Öko-Partei verfehlt im hippen Kölner Stadtteil mit 46,6 Prozent (Zweitstimmen) ganz knapp die absolute Mehrheit. Das sind 26,6 Prozent mehr als bei der Landtagswahl 2017. Auch im nahe gelegenen Nippes dominieren die Grünen mit 44,3 Prozent. Dort gibt es – Klischee hin, Klischee her – sogar eine autofreie Sidelung.

Auf einer Bildmontage weht eine Flagge der Grünen auf dem Kölner Dom. (Montage)
In Köln sind die Grünen stärkste Partei. (IDZRW-Montage) © YAY Images/Imago & Richard Wareham/Imago

In der Innenstadt sind die Grünen ebenfalls die stärkste Kraft. Ob Altstadt-Süd, Neustadt-Nord, Sülz oder Lindenthal: Der Stadtkern ist grün eingefärbt, wenngleich es eher Werte diesseits der 30 Prozent sind. Auch auf der rechtsrheinischen Seite feiern die Grünen Erfolge – zumindest in den Gebieten, die als Nächstes gentrifiziert werden oder es bereits sind: Deutz, Kalk und Mülheim. Die Ergebnisse der NRW-Wahl in allen 86 Stadtteilen zeigt 24RHEIN im Überblick.

NRW-Wahl in Köln: Die größte Gruppe sind Nichtwähler

Die größte Wählergruppe hat zwar auch eine Wahlentscheidung getroffen, aber für keine Partei gestimmt. Denn: 42,6 Prozent aller Kölnerinnen und Kölner haben am Wahlsonntag ihre Stimme nicht genutzt. Damit kann Köln zwar immer noch eine leicht bessere Wahlbeteiligung als im Rest von Nordrhein-Westfalen vorweisen (landesweit: 55,5 Prozent, Köln: 57,4 Prozent), gemessen an den eigenen Maßstäben ist das jedoch enttäuschend. Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren machten in Köln nämlich noch 64,9 Prozent ihr Kreuzchen.

Frappierend ist der Blick auf die Wahlquoten in den einzelnen Stadtteilen. Plakativ ausgedrückt könnte man sagen: Je höher die Mieten, desto größer die Wahlbeteiligung. Am einen Ende steht das Villenviertel Hahnwald, wo 73,46 Prozent aller Menschen gewählt haben. Das Schlusslicht ist Chorweiler – hier hat gerade mal jeder Fünfte seine Stimme abgegeben (21,91 Prozent).

CDU und FDP dominieren den Kölner Stadtrand

Wenn eine Partei landesweit mit 35,7 Prozent triumphiert und lokal nur 24,6 der Zweitstimmen holt, muss etwas schiefgelaufen sein. Im Zentrum der Kritik: Der Kölner CDU-Vorsitzende Bernd Petelkau. Dabei könnte man mit Blick auf die Kölner Karte und den schwarz eingefärbten Gebieten auf den ersten Blick argumentieren, dass Petelkau die Argumente durchaus auf seiner Seite hat. Das Problem: Die CDU erobert flächentechnisch zwar große Teile, allerdings wohnen dort nicht so viele Wähler. Wo großes Haus an großes Haus gebaut ist, können eben nicht so viele Stimmen geholt werden wie im grün dominierten Stadtkern.

Besonders in den Kölner Randbezirken bekommen die Christdemokraten ihre Stimmen und das teils mit beeindruckenden Werte. In Hahnwald erreicht die CDU mit 58,1 Prozent sogar deutlich die absolute Mehrheit. Auch in Marienburg, Rodenkirchen und im gut situierten Kölner Westen (Junkersdorf, Müngersdorf) schneidet die CDU gut ab.

Ein ähnliches Ergebnis erzielt die FDP. Wo das Vermögen zu Hause ist, ist die FDP am erfolgreichsten. 18,6 Prozent im Hahnwald, 14,2 Prozent in Marienburg und auch im Westen Kölns sind die Liberalen zweistellig.

NRW-Landtagswahl: SPD bleibt eine rechtsrheinische Arbeiter-Partei

„Es gibt keine Wahlmilieus mehr“, sagt der Politikwissenschaftler Thomas Jäger und meint damit: Früher wusste man qua Beruf, wen man wählte. Du arbeitest in einem mittelständischen Unternehmen? CDU. Du stehst am Fließband? SPD. Du bist Polizist? Auf keinen Fall die Grünen. Zumindest für einen kleinen Teil von Köln gilt diese Wahrheit noch.

Auf der rechtsrheinischen Seite, wo nach wie vor viele Arbeiter wohnen, funktioniert die SPD immer noch am besten. In Gremberghoven zum Beispiel erreichen die Sozialdemokraten 39,7 Prozent der Wähler. Auch in Holweide, Bucheim, Ostheim und Höhenberg liegt die SPD vorne. Ein paar Achtungserfolge gibt es auch im Norden von Köln – zumindest dort, wo die Hochhaussiedlungen stehen.

NRW: Wahlbeteiligung in einigen Stadtteilen sehr niedrig

Mit insgesamt 3,7 Prozent der Zweitstimmen liegt die AfD in Köln am Boden. In fast allen Bezirken schafft die Partei den Sprung über die 5-Prozent-Hürde nicht. Doch es gibt eine Entwicklung, die beunruhigt: Besonders in den Teilen der Stadt, wo die Wahlbeteiligung extrem niedrig ist, feiert die AfD die größten Erfolge. Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen Wahlbeteiligung und AfD-Ergebnis gibt. Dennoch fällt auf, dass die Rechtspopulisten besonders in sozialen Brennpunkten erfolgreich waren.

In Chorweiler wählten gerade einmal 21,9 Prozent der Menschen. Die AfD holt mit 16 Prozent ihr bestes Ergebnis. Die gleiche Entwicklung ist in Gremberghoven zu beobachten, wo 31,1 Prozent Wahlbeteiligung mit 10,5 Prozent für die AfD einhergehen. In Longerich, Volkhofen/Weiler und Vingst zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. (mm) Tipp: Fair und verlässlich informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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