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Lkw-Blockade: Demo durch Köln, Unfälle durch bremsende Lkws in Dortmund

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Von: Oliver Schmitz

Jetzt kam doch alles anders: Statt einer Autobahn-Blockade zogen mehrere Lkw am Mittwoch hupend durch Köln. Eigentlich war eine Blockade am Dreieck Heumar geplant.

Köln – Eigentlich hätte am Mittwochnachmittag (16. März) eine Lkw-Demo den Verkehr auf den Autobahnen rund um Köln lahmlegen sollen. Damit sollten gegen die massiv gestiegenen Spritpreise in ganz Deutschland demonstriert werden. Doch daraus wurde nichts: Statt wie geplant am Autobahndreieck Heumar zu starten, wurde die Blockade abgeblasen. Stattdessen fuhren 12 Lkw hupend durch die Kölner Innenstadt. Ganz anders im Ruhrgebiet: Bei Dortmund wurde der Verkehr auf der A2 ausgebremst, und auf der A42 bei Gelsenkirchen tatsächlich blockiert.

Lkw-Streik am 16. März 2022: Lkw-Fahrer sorgen auf der A2 in Höhe Dortmund für drei Unfälle

Dabei ist es, wie die Polizei Dortmund am Abend erklärt, auf der A2 zu drei Verkehrsunfällen gekommen. Ein Führerschein wurde sichergestellt und eine Strafanzeige geschrieben. „Drei Lkw blockierten bis zum Stillstand alle drei Fahrstreifen. Nach circa fünf Minuten setzte man die Fahrt in Schritttempo fort. Es kam zu einem erheblichen Rückstau. Mehrere Autos versuchten über den Seitenstreifen an den Lkw vorbeizufahren. Im Rückstau kam es zu drei Unfällen mit einem Sachschaden von circa 16.000 Euro“, so die Polizei weiter.

Lkw-Streik am Mittwoch (16.03.22): Welche Autobahnen sollten betroffen sein?

Lkw-Demo auf Autobahn: Polizei droht Teilnehmern mit Anzeigen – Veranstalter reagiert

LKW-Fahrer demonstrieren gegen Kraftstoffpreise
Gerd Fischer hat die Lkw-Demo organisiert. © Rolf Vennenbernd/dpa

Die Polizei Köln bereitet sich auf die mögliche Protestaktion auf der Autobahn vor und kündigte Konsequenzen für alle Teilnehmer der Lkw-Demo an. „Die Polizei Köln hat dem Initiator eine Gefährderansprache erteilt. Teilnehmern dieser Aktion drohen Ordnungswidrigkeiten- oder Strafanzeigen. Sogenannte ‚Autokorsos‘ auf Autobahnen werden aufgelöst“, teilt die Polizei mit. Und genau das war letztlich auch der Grund, warum die geplante Autobahn-Blockade nicht stattgefunden hat. Man habe auf die Blockade aufgrund der Strafbarkeit der Aktion verzichtet, sagte der Demo-Initiator, Spediteur Gerd Fischer.

Versammlungen auf der Autobahn seien verboten, betont die Polizei. „Zumal langsam fahrende oder auch stehende Fahrzeuge dort zu unvorhersehbaren Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer und somit zu schweren Unfällen führen können.“ Ob das die Lkw-Fahrer von der Aktion abhalten wird, ist noch unklar. Gegen Mittag hatten sich laut einem dpa-Fotografen sieben bis acht Lastwagen an einem Treffpunkt in Köln versammelt.

Die Polizei warnt daher vor möglichen Verkehrsbeeinträchtigungen und „schließt gefährliche Situationen“ nicht aus. Zuvor hatte der WDR berichtet, dass Lkw-Fahrer am Mittwochnachmittag (16. März) Autobahnen in Nordrhein-Westfalen aus Protest gegen die Rekordspritpreise blockieren wollen. Erst am Samstag waren etliche Lkws bei einer Demo durch Köln gefahren.

Lkw-Demo in Köln: Route durch die Innenstadt

Lkw-Streiks auf NRW-Autobahnen: Störung bei Dortmund und Gelsenkirchen

Während die Blockade beim Dreieck Köln-Heumar abgesagt wurden, sorgten Lkw-Fahrer im Ruhrgebiet tatsächlich für Störungen auf Autobahnen. Gegen 14 Uhr haben Sattelzüge mindestens auf mindestens zwei Autobahnen in NRW den Verkehr blockiert. Auf der A2 bei Dortmund bremsten laut Polizei drei Laster den Verkehr auf Schrittgeschwindigkeit aus. Dann fuhren sie weiter. Die Polizei ermittelt laut einem Sprecher wegen Nötigung. Bei Gelsenkirchen versperrten nach Angaben der Polizei drei Lkw die A42.

Lkw-Demo auf Autobahnen: Fahrer treffen sich in Köln – Streik Mittwoch angekündigt (16.03.22)

Gerd Fischer, Organisator der Lkw-Blockadeaktion, rechnete laut dpa-Informationen mit bis zu 30 Teilnehmern. „Das geht nicht weiter, das ist ein Unding“, sagte der Spediteur aus Bergisch Gladbach (Rheinisch-Bergischer-Kreis) angesichts der Rekordpreise.

Fischer sagte, geplant sei ein Treffen von Lastwagenfahrern am Mittag in Köln. Dann beginne die Fahrt zum Autobahndreieck Heumar, das blockiert werden solle. „Wir werden mit einigen Lkws in der Kolonne in das Kreuz hineinfahren, dann verlangsame ich die Fahrt, bis hinter mir alles zum Stehen kommt“, sagt Fischer der RP Online. „Dann mache ich das Auto aus und warte, welche Politiker dort erscheinen.“ Dabei sollen alle Fahrtstreifen blockiert werden. Auf dem viel befahrenen Abschnitt auf dem Kölner Autobahn-Ring kommen die Autobahnen A3, A4 und A59 zusammen. Doch diese Blockade wurde abgesagt.

Lkw-Demo NRW: Autobahnen stundenlang blockiert?

Laut dem Plan von Gerd Fischer sollten die Lastwagen-Fahrer gegen 14 Uhr auf verschiedenen Autobahnen anhalten und stehen bleiben. Gegenüber dem WDR hatte er am Dienstag noch erklärt, dass davon die A1, A3, A4, und A61 unter anderem bei Dortmund und im Sauerland betroffen sein. „Das reicht, um ein Riesenchaos zu schaffen. Das dauert ein paar Minuten, dann haben wir überall Staus“, sagte Fischer. In der Folge sollte dann vier bis fünf Stunden lang nichts mehr gehen auf den Autobahnen.

„Wir versuchen gerade, alles zu erfassen“, sagte der Sprecher der Kölner Polizei am späten Dienstagabend. Am frühen Abend habe die Kölner Polizei erste Informationen erhalten. Es werde auch versucht, Kontakt zu dem Spediteur aufzunehmen und mit ihm zu sprechen.

Lkw-Streik am Mittwoch (16.03.22): Verkehrschaos um Köln drohte – ADAC warnt

Das Autobahndreieck Heumar bei Köln ist eines der am meisten genutzten Autobahnknotenpunkten in ganz Europa. Nach Angaben der Autobahngesellschaft des Bundes fahren dort etwa 200.000 Fahrzeuge pro Tag. Bei einer Blockade von mehreren Stunden droht also ein echtes Verkehrs-Chaos. Es kann zu kilometerlangen Staus und somit langen Verzögerungen kommen. Autofahrer sollten den Bereich ab 14 Uhr, wenn möglich, großzügig umfahren.

Das bestätigte auch der ADAC, der mit „erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen auf dem gesamten Kölner Autobahnring und in der Kölner Innenstadt“ rechnet. Laut einer Mitteilung des Automobil-Clubs leiden die Transportunternehmen zwar tatsächlich unter den hohen Spritpreisen, jedoch schieße die Lkw-Demo „weit über das Ziel hinaus“. Denn es wäre nicht mehr nur eine „einfache Verkehrsbehinderung“, sondern ein „gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.“

Hohe Benzin- und Spritpreise: Nächste Lkw-Demos in NRW schon geplant

Doch bei der Lkw-Demo am Mittwoch könnte es womöglich nicht bleiben. Initiator Gerd Fischer kündigte gegenüber dem WDR an: Insofern sich nach der ersten Blockade „bis zum Wochenende niemand meldet, folgt am Samstag die zweite Warnung“. Also weitere Autobahn-Blockaden. Ab Montag (21. März) sollen dann sogar alle Autobahnen drei Tage in Folge komplett blockiert werden.

Laut Fischer würde man es jetzt „genauso wie die Kollegen in Frankreich“ machen. „Da wird den deutschen Bürgern das Lachen vergehen, wenn sie nichts mehr zu essen kriegen“. Am Mittwochmorgen startete bereits auf der A10 in Berlin ebenfalls eine Lkw-Demo.

Lkw-Streik in NRW: Hohe Dieselpreise „bedrohen Existenzen, zerstören Familien“

Links: Eine Preistafel einer Aral-Tankstelle. Ein Liter Diesel kostet 2,56 Euro. Rechts: Ein Lastwagen-Korso während einer Demo in Berlin.
Am Mittwoch soll eine äußerst gefährliche Lkw-Demo auf den Autobahnen von NRW stattfinden. © Arnulf Hettrich/Imago und A. Friedrichs/Imago

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind sowohl die Benzin- als auch Dieselpreise rasant angestiegen. Diese Rekordpreise von bis zu 2,30 Euro seien laut Gerd Fischer nicht mehr hinnehmbar. „Die bedrohen Existenzen, zerstören Familien“, sagte der Spediteur RP Online. Weiter meint er: „Mich fressen die Kosten auf, weil sie ein Limit überschreiten“. Mittlerweile müsse er privates Geld in sein Unternehmen stecken, weil die Kosten nicht mehr tragbar seien. Deshalb sei die Schmerzgrenze, was wirtschaftlich für ihn tragbar sei, längst überschritten. 

Durch die Lkw-Blockade erhofft sich Fischer Aufmerksamkeit für die Situation der Spediteure und Transportfirmen. Die Polizei hatte ihm wegen der Demo aber wohl bereits angedroht, den Führerschein abzunehmen, berichtet RP Online. Davon wolle er sich aber nicht aufhalten lassen. (os mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln und NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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