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Cold Case in Köln: DNA-Massentest im Mordfall Seckin Caglar

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Von: Benjamin Stroka

Die 16-jährige Seckin Caglar wurde 1991 in Köln ermordet. Ihr Mörder wurde bis heute nicht ermittelt. Am Sonntag findet deshalb erneut ein DNA-Massentest statt.

Update vom 26. März, 10 Uhr: Im Zuge der Ermittlungen zu einem 32 Jahre zurückliegenden Mordfall in Köln sind am Sonntag erneut Männer zu einem Massengentest geladen. Die Polizei hat insgesamt 355 Männer, die 1991 einen Bezug zum rechtsrheinischen Stadtteil Poll hatten, zur Teilnahme an der DNA-Reihenuntersuchung aufgefordert. Rund 200 von ihnen hatten bereits bei einem ersten Termin am vergangenen Wochenende eine Speichelprobe abgegeben. Durch den Abgleich mit Spuren vom Tatort hoffen die Ermittler, den Mord an einer Jugendlichen aufklären zu können.

Die 16-jährige Seckin Caglar war am 16. Oktober 1991 auf dem Rückweg von der Arbeit aus der Straßenbahn gestiegen und verschwunden. Am nächsten Tag wurde ihre Leiche hinter einem Gebüsch nahe der Haltestelle in Poll gefunden. Das Mädchen war sexuell missbraucht und erwürgt worden. Die Abgabe einer Speichelprobe sei freiwillig, hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft vor Beginn des Massentests betont. Aber: «Wenn jemand nicht mitmacht, werden wir uns diese Person natürlich genauer anschauen.»

Cold Case in Köln: DNA-Massentest im Mordfall Seckin Caglar

Erstmeldung vom 17. März, 19:34 Uhr: Köln – Der furchtbare Mord an der damals 16-jährigen Seckin Caglar ist 31 Jahre her. Der Täter konnte aber bis heute nicht geschnappt werden. Inzwischen wurde der Cold Case aus Köln wieder neu aufgerollt. Ein großer DNA-Massentest soll im März nun neue Erkenntnisse bringen – und vielleicht sogar Seckins Mörder überführen.

„Dass ihr Mörder seit mehr als 31 Jahren nicht ermittelt wurde, ist bis heute eine große Belastung für die Familie. Ein Anspruch also an uns, weiterzumachen und neuen Spuren nachzugehen. Aufgeben ist keine Option“, sagt Markus Weber, Leiter der zuständigen Mordkommission.

Bild von Seckin Caglar und eine Laborszene zu einem DNA-Test (Montage).
Ein DNA-Massentest soll neue Erkenntnisse und Ermittlungsansätze im Mordfall Seckin Caglar (l.) bringen (IDZRW-Montage). © Polizei Köln & Frank Molter/dpa

Seckin Caglar: 16-Jährige wurde 1991 in Köln ermordet

Der Fall Seckin Caglar hat 1991 in Köln für Entsetzen gesorgt. Die Details sind auch heute noch genauso schockierend. Die 16-Jährige verschwand am 16. Oktober 1991 auf dem Heimweg von ihrer Arbeitsstelle an der Siegburger Straße in Köln-Poll. Seckin hatte erst einen Monat zuvor eine Ausbildung in einem dortigen „co op“-Markt begonnen. Wie immer stieg sie damals, es war ein Mittwochabend, an der Haltestelle „Salmstraße“ in eine Bahn der KVB-Linie 7. Zwei Minuten später verließ sie an der Station „Poll-Autobahn“ wieder die Bahn. Dort wurde Seckin üblicherweise von einem Familienmitglied abgeholt.

Am 16. Oktober 1991 kam ihr Vater, um sie abzuholen. Doch er verpasste Seckin laut Polizeiangaben „um wenige Minuten und wartete vergebens“. Von der 16-Jährigen fehlte zunächst jede Spur. Am nächsten Tag war klar: Seckin wurde Opfer eines grausamen Verbrechens. Ihre Leiche wurde nur wenige Meter von dem Ort, wo sie die Bahn verlassen hatte, in einem Gebüsch gefunden – entblößt und erdrosselt.

Mordfall Seckin Caglar: DNA-Massentest soll neue Erkenntnisse bringen

Wer die 16-Jährige damals ermordet hat, ist bis heute nicht bekannt. Auch wann Seckin auf ihren Mörder traf, ist unklar. „Ob in der Bahn, an den beiden Haltestellen oder erst zufällig am Tatort – alles ist möglich“, teilt die Polizei mit. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass der Täter sich spontan zu dem Verbrechen entschloss. Zudem sei ein persönlicher Bezug zu Köln-Poll nicht auszuschließen. „Vielleicht wohnte der Täter damals im Bereich des Tatortes und lebt heute noch dort. Vielleicht aber war er in der Nähe bei jemandem zu Besuch oder hatte seine Arbeitsstelle in der Nähe“, so die Polizei weiter.

Inzwischen kam wieder Bewegung in den Fall, der mittlerweile als Cold Case behandelt wird. So startet die Polizei noch im März eine DNA-Reihenuntersuchung. An zwei Terminen (18. und 26. März) sollen zunächst 355 Männer Speichelproben abgeben. Es handle sich laut Polizeiangaben um Männer, „die zum Tatzeitpunkt zwischen 14 und 75 Jahre alt waren und zum damaligen Tatzeitpunkt Bezug zum Stadtteil Poll hatten“.

Cold Case in Köln: Polizei will mit DNA-Massentest Druck auf Mörder erhöhen

Neben Einwohnern seien etwa auch Kleingartenbesitzer und Bauarbeiter zur Abgabe einer Speichelprobe aufgefordert worden. Die Teilnahme sei freiwillig und richte sich an Zeugen, betonte Weber bei einem Pressetermin am 10. März. Wer nicht mitmacht, müsse jedoch damit rechnen, von den Ermittlern genauer unter die Lupe genommen zu werden.

Mit dem DNA-Massentest will die Polizei den Druck auf den Täter erhöhen. „Wir wollen ihm klarmachen, dass wir ihm auf den Fersen sind“, sagte Ermittlungsleiter Markus Weber am Freitag. Auch Seckins Bruder Basri Caglar war beim Termin am 10. März vor Ort. „Das war der Tag, an dem meine Kindheit kaputt gemacht worden ist“, sagte der Bruder des Opfers. Basri Caglar war zur Tatzeit acht Jahre alt. Er bat mögliche Zeugen, die bisher vielleicht aus Angst geschwiegen haben, sich bei der Polizei zu melden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass damals keiner was gesehen oder gehört hat.“

Die Polizei hat außerdem am 8. und 9. März eine große Plakataktion in Köln-Poll gestartet. In KVB-Bahnen hängen auch Flyer, die über den Fall informieren.

Erst vor wenigen Wochen konnte die Polizei Köln einen Ermittlungserfolg in einem Cold Case bekannt geben. Im Mordfall Petra Nohl, aus dem Jahr 1988, wurde im Februar ein Verdächtiger verhaftet. (bs mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren. Hinweis: Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert und mit neuen Details nach einem Pressetermin am 10. März ergänzt.

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