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Inzidenz in Finkenberg am niedrigsten – Erklärung ist einfach, aber traurig

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Von: Johanna Werning

Im Vergleich zur Kölner Inzidenz ist der Wert in Finkenberg deutlich geringer. Doch die Stadt geht von mehr Corona-Infizierten aus. Dafür gibt es einen Grund.

Köln – Der Kölner Stadtteil Finkenberg gilt als sozialer Brennpunkt in Köln. Aktuell gibt es jedoch eigentlich gute Nachrichten aus Finkenberg: Die Inzidenz ist Anfang Juli die niedrigste in ganz Köln. Für den 6. Juli meldet die Stadt Köln einen Wert von 425. Der Wert ist damit auch weitaus geringer als die Inzidenz für die gesamte Stadt Köln (602,0 – Quelle: RKI/Stand: 11. Juli). Zwar stecken sich weiter Personen mit dem Coronavirus an, doch die Testbereitschaft in Köln sinkt. Dadurch tauchen zahlreiche Infektionen gar nicht erst in der offiziellen Corona-Statistik auf.

Corona in Köln: Niedrigste Inzidenz in Finkenberg – doch dafür gibt es einen Grund

Die Hochhaussiedlung an der Theodor Heuss Straße im Stadtteil Köln-Finkenberg.
In Finkenberg ist die Inzidenz am niedrigsten. Die Stadt Köln hat dafür eine Erklärung. (Archivbild) © Future Image/Imago

Aktuell liegt der Inzidenzwert in Köln bei 602,0 (Quelle: RKI, Stand: 11. Juli 2022). In den einzelnen Stadtteilen sieht die Corona-Lage jedoch häufig anders aus: Die Inzidenzen schwanken zwischen 425 in Finkenberg und 1250,7 in Westhoven (Stand: 6. Juli 2022, Quelle: Stadt Köln). Das geht aus einer Statistik der Stadt Köln hervor.

Doch das sind nur die offiziellen Zahlen. In der Realität dürfte die Corona-Lage in Köln-Finkenberg (Stadtbezirk Köln-Porz) anders aussehen. Der Grund: Nicht jeder lässt sich auf Corona testen. Das weiß auch die Stadt Köln: „In die Inzidenz fließen aber nur die positiven PCR-Tests ein. Das Gesundheitsamt geht von mehr Infizierten aus, die sich aber entweder gar nicht testen lassen oder nur einen Antigen-Schnelltest machen“, erklärt eine Pressesprecherin auf Nachfrage von 24RHEIN. Konkret heißt das, dass sich die Finkenberger Inzidenz nur auf offizielle PCR-Tests bezieht. Schnelltest oder Selbsttests werden in diese Statistik nicht miteinbezogen – das gilt allerdings für die gesamte Stadt.

Finkenberg: Der Stadtteil in Köln-Porz

► Finkenberg ist der jüngste Stadtteil in Köln. Er wurde erst am 24. August 2007 ein eigenständiger Stadtteil.

► Errichtet wurde das Veedel ab 1972 – als Planstadt. „Man setzte dabei auf eine Kombination aus Wohnblöcken mit bis zu 20 Etagen, Einfamilienhäusern und einer überdachten Geschäftspassage“, so die Stadt.

► Aus diesem Status als „Demonstrativ-Bauvorhaben“ resultiert die von vielen Bewohnerinnen und Bewohnern auch heute noch verwendete Bezeichnung „Das Demo“.

► Finkenberg gilt heute als sozialer Brennpunkt. Die Hälfte der 6.824 Einwohnerinnen und Einwohner leben hier von der staatlichen Unterstützungsleistungen. Allerdings gibt es in dem Stadtteil ein ausgeprägtes soziales und ehrenamtliches Engagement.

Köln: Niedrigste Inzidenz in Finkenberg – doch die Corona-Dunkelziffer sieht anders aus

Doch damit nicht genug: Noch höher dürfte die Dunkelziffer in Finkenberg und anderen Stadtteilen in Köln sein. Denn nicht immer wird eine Corona-Infektion auch bemerkt. Teilweise verläuft die Infektion ohne typische Symptome ab, wodurch sich Betroffene gar nicht erst testen und nicht merken, dass sie infiziert sind.

Zwar gibt es laut Stadt Köln sieben verschiedene Corona-Testzentren in Finkenberg, dennoch gehen die Testzahlen zurück. „Stadtweit wurden im Juni zwischen 20.000 und 30.000 Tests am Tag durchgeführt, seit dem 1. Juli täglich ca. 10.000 bis 15.000 Tests stadtweit“, erklärt eine Sprecherin. Für die einzelnen Stadtteile gibt es laut Stadt solch eine Statistik nicht.

Corona-Lage in Köln: Corona-Tests sind nicht mehr kostenlos – doch es gibt Ausnahmen

Aber warum sinkt die Testbereitschaft in Köln? Ganz klar ist das nicht. Aber ein möglicher Grund für den Testrückgang: Seit dem Juli sind die Corona-Tests nicht mehr kostenlos. Wer sich testen lassen möchte, muss zwischen zehn und 15 Euro zahlen. Nur in Ausnahme-Fällen sind die Corona-Tests in Köln günstiger oder sogar kostenlos. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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