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Zurückhaltung bei Impfungen in Köln-Finkenberg: Impf-Teams abgewiesen

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Von: Nina Büchs

Plattenbauten an der Theodor Heuss Straße in Porz Finkenberg in Köln am 20. 08. 2017.
In Finkenberg fanden am Montag und am Dienstag Schwerpunktimpfungen statt. Doch viele Bewohner hatten kein Interesse an der Impf-Aktion. (Symbolbild) © Christoph Hardt/Imago

Bewohner von Köln-Finkenberg konnten sich gegen das Coronavirus lassen. Nicht einmal die Hälfte des Impfstoffs wurde verbraucht – es gab Vorbehalte.

Köln – Von Montag bis Mittwoch fanden die Schwerpunktimpfungen im Stadtteil Finkenberg statt. Erstmals wurden dort auch mobile Impfteams zur Aufklärung, Motivation und Impfung in den Wohnhäusern eingesetzt. Doch obwohl für die Aktion insgesamt 1.500 Impfdosen bereitstanden, wurden lediglich 44 Prozent (an 662 Personen) davon verimpft. Denn nicht alle Bewohner hatten offenbar an den Impfungen Interesse. „Leider wurden die Teams häufig an den Türen abgewiesen oder die Türen wurden gar nicht erst geöffnet“, so der Stadtsprecher gegenüber 24RHEIN.

Doch worauf ist dies zurückzuführen? Und kann tatsächlich in Finkenberg von einer geringen Impfbeteiligung gesprochen werden? Wir haben bei Musa Deli, Leiter des Gesundheitszentrums für Migrantinnen und Migranten und der Stadt Köln nachgefragt.

Coronavirus: Nur etwa 44 Prozent der Impfdosen in Finkenberg verimpft – was ist die Ursache?

„Zwar gibt es viele Migrantinnen und Migranten, die sich über eine Impfung freuen. Auch in Chorweiler kam die Impfung gut an, doch in Finkenberg hätte man bei der Planung anders vorgehen und auch früher darüber informieren müssen“, sagt Deli gegenüber 24RHEIN. Dort sei der Anteil von Migranten nochmals höher als in Chorweiler, viele Bewohner hätten mit sprachlichen Barrieren zu kämpfen. Zudem gebe es unter ihnen auch einige Analphabeten, die Probleme haben, das Geschriebene auf Infomations- und Aufklärungsflyern zu verstehen, so Deli.

Zudem erreiche man die Menschen dort nicht über lokale Medien. „Stattdessen erreichen sie oft Verschwörungstheorien über soziale Netzwerke, zum Beispiel die Fake-Information, dass eine Impfung gegen das Coronavirus unfruchtbar macht.“ Dies schüre natürlich Ängste, so Deli. Auch unter den Geflüchteten sei die Angst vor einer Impfung groß. „Viele verstehen nicht, warum ausgerechnet sie nun bei der Impfung bevorzugt werden sollen. In ihren Herkunftsländern ist die medizinische Versorgung meist eher reicheren Leuten vorbehalten. Das bewirkt, dass sie sich fragen, ob sie nun als Versuchskaninchen herhalten sollen. Aber auch Sorgen, dass die Impfung mit einer Bringschuld verbunden ist und dass sie vielleicht durch die Impfung schneller abgeschoben werden, kommen vor“, erklärt Musa Deli.

Was hätte man also besser machen können? Laut Deli wäre es sinnvoll gewesen, die Aktion in Finkenberg mehrere Tage zuvor schon zu bewerben. „Und man hätte auch die sozialen Einrichtungen und Vereine vor Ort noch mehr einbeziehen müssen“, betont er. „Viele Menschen gehen dort zum Beispiel zum Freitagsgebet. Man hätte die Menschen zum Beispiel auch über den Imam über die Imfpungen informieren können.“

Stadt Köln äußert sich zur Impfquote in Finkenberg: „Aus unserer Sicht war Impf-Aktion ein Erfolg“

Musa Deli hat seinen Standpunkt klargemacht. Doch was sagt die Stadt dazu? Kann tatsächlich von einer geringen Impfquote gesprochen werden? Und wie wurde die Impf-Aktion vorab angekündigt?

„Die Impfquote ist nicht gering“, so das Fazit der Stadt Köln. Finkenberg sei ein kleiner Stadtteil mit knapp 7.000 Einwohnern. In Relation zu den potenziell noch nicht geimpften und gegebenenfalls impfwilligen Personen sei der Anteil der in Finkenberg geimpften Personen mit dem Anteil der in Chorweiler oder Meschenich geimpften Personen sehr gut vergleichbar. „Für die Stadt und aus Sicht der vor Ort tätigen Träger war die Impfaktion ein Erfolg, da jeder einzelne Geimpfte einen Teil zur Bewältigung der Pandemie beiträgt und sich sowie seine Mitmenschen vor einer schweren Erkrankung schützt“, so eine Stadtsprecherin gegenüber 24RHEIN.

Stellungnahme der Stadt Köln zur Impfung in Finkenberg: „Aktion wurde bereits drei Tage vorab beworben“

Zudem habe die Stadt die Impfaktion in Finkenberg bereits drei Tage vorab beworben, heißt es weiter. Zum Beispiel wurden mehrsprachige Flyer verteilt und Plakate in den Geschäften und im öffentlichen Raum aufgehängt, so die Stadtsprecherin.

Auch zu der Beteiligung der örtlichen und kulturellen Vereine und Einrichtungen hat die Stadt etwas zu sagen. „Die zuständige Sozialraumkoordination aktiviert die professionellen Einrichtungen sowie die Multiplikatoren über ihre Netzwerke. Diese wiederum werben in ihren Gemeinschaften und Netzwerken für die Impfaktion, klären auf und unterstützen die Menschen bei Bedarf zum Beispiel bei Sprachbarrieren.“ So wurde bei der Impfaktion in Köln-Finkenberg zum Beispiel auch die alevitische Gemeinde, die jesidische Gemeinde und der Interkulturelle Dienst einbezogen, so die Stadtsprecherin auf Nachfrage von 24RHEIN.

Außerdem wurde in Finkenberg erstmals ein mobiles Impfteam eingesetzt, das von Tür zu Tür ging, um Bewohner aufzuklären und bei Bedarf zu impfen. Die Teams bestehen jeweils aus Impfärzten, Medizinischen Fachangestellten, Dolmetschern, Sicherheitsdienst-Mitarbeitenden und Sozialarbeitern, so die Stadt.

Impfungen in sozialen Brennpunkten – bis Montag, 31. Mai, wird in Köln-Kalk geimpft

Die Impfaktion zeigt also: Es wird viel dafür getan, um möglichst viele Bewohner in den sozial schwächeren Stadtteilen in Köln zu impfen oder sie zu einer Impfung zu motivieren. Doch trotzdem kann nicht immer jeder Bewohner erreicht werden. Denn die Ängste der Menschen sind teilweise groß. Wie die Schwerpunktimpfungen weiter angenommen werden, bleibt abzuwarten. Bis Montag, 31. Mai, wird übrigens in Kalk geimpft. (nb)

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