1. 24RHEIN
  2. Köln
  3. Porz

Corona-Patientinnen aus Lungen-Reha in Köln über Spätfolgen: „Kam kaum aus dem Bett heraus“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Nina Büchs

Ein Student im Praktischen Jahr am Universitätsklinikum Heidelberg untersucht in der Chirurgie einen Patienten mit einem Stetoskop.

Auch nach ihrer Covid-Infektion müssen manche Patienten noch weiter behandelt und medizinisch betreut werden (Symbolbild). © Uwe Anspach/dpa

Heike und Gunda sind zwei Patientinnen der Reha „AmKaRe“ in Köln-Poll. Auch Monate nach ihrer Corona-Infektion haben sie noch schwer mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Köln – Über drei Millionen Menschen in Deutschland sind bislang an Covid-19 erkrankt. Einige von ihnen haben auch Monate danach noch mit schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen, wie anhaltender Erschöpfung und Müdigkeit oder Atembeschwerden zu kämpfen. Auch Heike und Gunda leiden unter Spätfolgen. Sie sind Patientinnen der „AmKaRe“ Lungen-Reha in Köln-Poll. In einem Video-Tagebuch berichten sie über ihr Leben nach Corona. Die Reha hat ihre Videos auf Facebook geteilt.

Köln: Patientin Heike berichtet über ihre Spätfolgen – „konnte mich kaum aus dem Bett bewegen“

Heike, eine Frau mit blonden Haaren und pinkem Sweatshirt spricht in eine Handykamera, im Hintergrund ist der Kölner Dom zu sehen. „Ich habe Long-Covid und das seit viereinhalb Monaten. Die ersten zwei Monate, konnte ich mich kaum aus dem Bett bewegen. Duschen war schon eine riesige Anstrengung. Nach zwei Monaten bin ich dann mal so 500 Meter gegangen und war da schon sehr stolz drauf.“ Und auch jetzt, viereinhalb Monate später, ist Heike noch immer sehr kurzatmig, sogar Treppensteigen und kurze Steigungen auf dem Weg fallen ihr schwer, erzählt sie. Auch beim Sprechen hört man ihren lauten Atem. „Außerdem habe ich Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Haarausfall und Fatigue. Das bedeutet, dass man eigentlich die ganze Zeit müde ist.“ Auch schlafen hilft dabei nicht weiter.

Ein Überblick über typische „Long-Covid-Symptome“:

Inzwischen ist Heike nun schon ein paar Tage in der Lungen-Reha in Köln. Dabei kann sie sogar schon ein Erfolgserlebnis teilen: „Zum ersten Mal habe ich nun fast 10.000 Schritte geschafft“, erzählt sie stolz. Davor kam sie kaum über 6.000. „Vor meiner Corona-Erkrankung habe ich allerdings sogar 20.000 Schritte pro Tag zurückgelegt und zusätzlich auch noch Sport gemacht.“

Neben Heike ist auch Gunda Patientin in der ambulanten Reha für Herz, Lunge und Gefäße in Köln-Poll. Eigentlich leitet sie einen Kindergarten, doch auch heute, vier Monate nach ihrer Infektion mit dem Coronavirus, kann sie noch nicht wieder arbeiten, erzählt sie in einem kurzen Video.

Lungen-Reha „AmKaRe“ in Köln-Poll: 5 Stunden pro Tag verbringen Gunda und Heike in der Klinik

Bis Heike und Gunda ihr Leben wieder so führen können, wie sie es vor ihrer Corona-Erkrankung gemacht haben, wird noch etwas Zeit vergehen. Bis dahin steht für die beiden viel auf dem Programm. Fünf Stunden pro Tag verbringen sie nun in der Lungen-Reha, um an Gruppen- oder Einzeltherapien, wie zum Beispiel an „Atem- oder Bewegungstherapien“ teilzunehmen.

Während Heike und Gudrun nun zumindest auf dem Weg der Besserung sind, gibt es viele Covid-Patienten, die wegen ihrer Erkrankung noch auf den Intensivstationen um ihr Leben kämpfen. Wie dramatisch die Lage auf den Intensivstationen ist, dazu hat sich Michael Hallek, Direktor Klinik I für Innere Medizin der Kölner Uniklinik, in den Tagesthemen geäußert. Der Mediziner drängte deshalb darauf, die bundeseinheitliche Notbremse nun möglichst schnell umzusetzen.

Coronavirus: Studie zeigt, dass mehrheitlich Frauen mittleren Alters von Spätfolgen betroffen sind

Wie viele Patienten in Deutschland nun genau unter Spätfolgen ihrer Corona-Infektion leiden, ist der Bundesregierung bisher nicht bekannt, berichtete der Spiegel. Auch welche Altersgruppe davon besonders betroffen ist, sei noch nicht geklärt. Der Grund dafür ist, so heißt es in dem Artikel, dass das RKI Spätfolgen bislang noch nicht regulär im Meldesystem erfasst.

In anderen Ländern scheint man zumindest mit den Erkenntnissen zur Zielgruppe von Long Covid Patienten jedoch etwas weiter zu sein. Zwei Studien aus Großbritannien kamen nun zum Beispiel zu dem Schluss, dass Frauen im mittleren Alter besonders häufig von Long Covid betroffen seien. In der „Phosp-Covid-Studie“ etwa untersuchten britische Forscher den Zustand von knapp 1.000 Covid-Patienten. Dabei kamen die Forscher bei der häufigsten Zielgruppe der Long Covid Patienten zu folgendem Schluss: „Der Hauptanteil sind laut unserer Studie weiße Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren und mindestens zwei langjährigen Vorerkrankungen wie Asthma und Diabetes“, sagt Studienleiter Chris Brightling von der Universität Leicester. Ein ähnliches Ergebnis erzielte eine Studie der Universität Glasgow. Dort wurden 327 Erwachsene untersucht, die an Corona erkrankt waren. Hierbei kam heraus, dass Frauen unter 50 das höchste Risiko haben, an Spätfolgen zu leiden – und das sogar ohne Vorerkrankung. (nb)

Auch interessant