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Prozess in Köln: Polizist schießt auf flüchtigen Räuber – gibt es nun Konsequenzen?

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Ein Polizeiwagen steht am 12.09.2017 vor dem Landgericht in Köln (Nordrhein-Westfalen).
Einem Polizisten wird gefährliche Körperverletzung im Amt zu Last gelegt. Der Prozess beginnt am Mittwoch in Köln. (Archivbild) © Marius Becker/dpa

Als ein mutmaßlicher Räuber in Köln vor seiner Festnahme flüchtete, schoss ein Polizist auf ihn. Nun steht er wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt vor Gericht.

Köln – Ein Polizist steht seit Mittwoch in Köln vor Gericht, weil er fünf Mal auf einen Verdächtigen geschossen und ihn mit drei Treffern erheblich verletzt haben soll. Der 46 Jahre alte Schütze ist wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt angeklagt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Beamte ohne ausreichenden Grund auf den damals 19-Jährigen geschossen hat.

Köln: Polizist wollte Verdächtigen nicht davonkommen lassen – traf Oberkörper statt „nur“ Bein

Zum Prozessauftakt räumte der Deutsche die Schüsse auf den heute 22 Jahre alten Nebenkläger ein. Zuvor sei ein erster Festnahmeversuch unter Einsatz von Pfefferspray misslungen, der Gesuchte sei im „Vollsprint“ davongelaufen, sagte der Angeklagte. Er habe die Verfolgung aufgenommen, den 22-Jährigen — der wegen eines schweren Raubes auf einen Drogendealer per Haftbefehl gesucht wurde — zunächst aus den Augen verloren, ihn wenig später aber im Kühlraum eines Getränkemarkts aufgespürt.

Trotz gezückter Waffe und Unterstützung durch zwei Kolleginnen habe sich der 22-Jährige erneut der Festnahme durch Weglaufen entzogen. „Um ihn an seiner weiteren Flucht zu hindern, habe ich auf seine Beine geschossen“, sagte der 46-Jährige. Da seine ersten beiden direkt hintereinander abgegebenen Schüsse „keine Wirkung“ gezeigt hätten, habe er weitergeschossen. „Wenn der jetzt weg ist, dann ist der richtig weg“, habe er gedacht, so der Angeklagte. „Ich ärgere mich sehr, dass er am Oberkörper getroffen wurde. Auf die Beine würde ich aber immer wieder schießen“, sagte der Angeklagte ungerührt.

Prozess in Köln: Polizisten sollen sich nicht zur Erkennung gegeben haben

Der 22-Jährige gab in seiner Aussage an, dass sich die Zivil-Fahnder weder auf der Straße noch später im Getränkemarkt als Polizeibeamte zu erkennen gegeben hätten. Ferner zeigte er sich sicher, dass zuerst sein Nacken und Rücken getroffen worden seien und dann erst das Bein. (dpa/lnw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Text wurde am 8. September um 15:10 Uhr inhaltlich aktualisiert. Neuerung: Erste Details aus dem Gerichtssaal.

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