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Rhein-Derby 2019: Hohe Strafe für Böllerwerfer – Kölner Landgericht spricht von „Heimtücke“

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Von: Nina Büchs

 Der Angeklagte sitzt auf seinem Platz im Gerichtssaal.
Der Böllerwerfer vom Rhein-Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach ist nun vom Kölner Landgericht verurteilt worden. © Federico Gambarini/dpa

Ein 35-Jähriger hatte 2019 beim Rhein-Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach einen Böller in das Stadion geworfen. 21 Menschen wurden dabei verletzt.

Köln – Hohe Strafe für den Böllerwerfer im Rhein-Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach. Der Mann, der im September 2019 einen verbotenen Böller durch ein Absperrgitter vor der Südtribüne in den Stadioninnenraum geworfen hatte, muss nun drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Dies urteilte das Kölner Landgericht am Donnerstag, dem 3. Dezember.

Haftstrafe für Böllerwerfer: 21 Menschen wurden bei Rhein-Derby im September 2019 verletzt

„Wenn man den Böller Leuten direkt vor die Füße schmeißt und sich selbst schützend wegdreht, dann liegt da auch ein gewisses Heimtücke-Element vor“, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung am Donnerstag. 21 Menschen wurden durch den lauten Knall in der 83. Spielminute verletzt, darunter viele Pressefotografen und Ordner. Einige der Geschädigten sagten in ihren Zeugenaussagen aus, dass sie aufgrund des lauten Geräusches zunächst an einen Terroranschlag im Stadion gedacht hätten.

Zwei Männer hatten durch den Böllerwurf bleibende Schäden, wie einen teilweisen Hörverlust, einen chronischen Tinnitus und Kopfschmerzen erlitten. Sie traten im Prozess als Nebenkläger auf und erhalten nun laut Gerichtsurteil Schmerzensgeld von 4.000 bis 5.000 Euro.

Kölner Landgericht verurteilt Böllerwerfer: Knallkörper war besonders gefährlich

Einschätzungen eines Sprengstoffsachverständigen des Bundeskriminalamts zufolge, soll vom Böller eine „besondere Gefährlichkeit“ ausgegangen sein. So seien Knallkörper dieser Art auch schon beim Aufsprengen von Geldautomaten benutzt worden. Wie die Bild zuvor berichtete, gab der arbeitslose Angeklagte im Rahmen des Prozesses zu, dass ein Bekannter den in Deutschland verbotenenen Böller in das Stadion reingeschmuggelt und ihm dann dort gegeben hätte.

Rhein-Derby zwischen Köln und Gladbach: NRW-Innenminister Reul äußert sich zum Gerichtsurteil

Zum Urteil äußerte sich nun auch NRW-Innenminister Reul. „Ich bin froh, dass das Gericht so konsequent war. Das ist ein wichtiges Signal in die Szene“, sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Reul hatte außerdem erst im September mit den neun NRW-Clubs in der 1. und 2. Bundesliga eine Vereinbarung zu „Stadionallianzen gegen Gewalt“ unterzeichnet.

Köln: 21 Menschen bei Böllerwurf im Stadion verletzt – Angeklagter fiel auch zuvor schon polizeilich auf

Wie bekannt wurde, fiel der 35-Jährige der Polizei auch zuvor schon wegen anderer Straftaten auf. So wurde er außerdem wegen Zeigens des Hitlergrußes bei einer Demonstration am Kölner Hauptbahnhof im Oktober 2018 verurteilt. Ebenso wurde er wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beamtenbeleidigung bei einer Rangelei vor einem Kiosk im August 2020 schuldig gesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte kann nun Revision dagegen einlegen. (nb mit dpa)

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