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Rattenplage am Kölnberg: Gesundheitsausschuss berät – doch ergreift keine Maßnahmen

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Von: Johanna Werning

Der Kölnberg in Köln-Meschenich.
Einige Bewohner am Kölnberg in Köln werfen ihren Müll einfach aus ihren Fenstern. (Archivbild) © Christoph Hardt/Imago

Der Kölnberg hat aufgrund des enormen Mülls ein Rattenproblem – darin sind sich Stadt und Hausverwalter einig. Einige Bewohner werfen ihren Müll einfach aus dem Fenster.

Köln – Es sollte das Vorzeigeprojekt werden. Der „Wohnpark auf dem Kölnberg“ galt in der Bauphase in den 1970er Jahren als hochwertiges Immobilienprojekt. Jedes der acht Gebäude hatte einen eigenen Hausmeister und technische Besonderheiten. Zusätzlich gab es ein Schwimmbad mit Saunabereich, einen Tennisplatz und einen kleinen Fußballplatz. Doch von der luxuriösen Vorstellung ist am „Kölnberg“ heute nicht mehr viel zu sehen. Stattdessen gilt der Kölnberg schon seit Jahren als sozialer Brennpunkt in Köln – inklusive Müll- und Rattenproblem.

Im Minutentakt wird der Müll von den Bewohnern einfach aus dem Fenster geworfen. Für die unzähligen Ratten ein gefundenes Fressen. Nach und nach nehmen die Krankheitsüberträger den „Kölnberg“ ein – Stadt, Hausverwaltung und ansässige Vereine wissen nicht mehr weiter. Egal wo man hinsieht, findet man Ratten und Müll.

Köln: Rattenplage am „Kölnberg“ – „die laufen teilweise über die Füße“

„Ich bin seit sechs Jahren am ‚Kölnberg‘, aber so schlimm war es noch nie“, erklärt Torsten Zelgert, Projektleiter von VISION e.V. Der Verein bietet seit 2009 ein niedrigschwelliges Angebot für Drogenkonsumenten an. Schon seit Jahren kämpfen Verein, Stadt und Hausverwaltung mit dem Rattenproblem. „Immer, wenn ich hier bin, sehe ich auch Ratten“, erzählt Zelgert weiter. Die Prämisse: Schuld daran ist das Verhalten einiger Bewohner.

Denn diese entsorgen ihre Abfälle einfach über die Fenster oder vom Balkon der Hochhäuser. Die Nager hätten dabei die Qual der Wahl und können sich sogar aussuchen, ob sie Pizza, Döner oder andere Leckereien fressen wollen: Für die Ratten ein wirklich gefundenes Fressen – für die anderen Bewohner eine ekelige und mitunter gefährliche Angelegenheit.

Mittlerweile sei die Population so stark, dass eine herkömmliche Schädlingsbekämpfung nicht mehr ausreiche. „Das, was hier unternommen wird, ist marginal. Da lachen die Ratten drüber“, so der Projektleiter von VISION e.V. weiter. Mit Giftködern und Erde aufschütten sei es längst nicht mehr getan. Die Schädlinge hätten mittlerweile nicht einmal mehr Angst vor den Bewohnerinnen und Bewohnern des „Kölnbergs“. „Die laufen teilweise über die Füße“, erzählt Zelgert weiter.

Köln: Rattenplage am „Kölnberg“ – „die Situation ist aus hygienischer Sicht katastrophal“

Schon häufig habe es bei der Stadt Beschwerden gegeben, doch der seien die Hände gebunden, teilt Robert Baumanns, Pressesprecher der Stadt Köln, mit. Der „Kölnberg“ sei ein Privatgrundstück und somit seien Vermieter und Hausverwalter zuständig. Man „überwacht und kontrolliert jedoch die Ratten-Population“, heißt es weiter.

Erst Anfang Juni seien zwei Mitarbeiter der Desinfektoren- und Schädlingsbekämpferstelle des Gesundheitsamtes der Stadt Köln vor Ort gewesen. Das Ergebnis: „Die Situation ist aus hygienischer Sicht katastrophal“. Immer wieder seien an vielen Stellen große Müllberge gefunden worden. In Anwesenheit der Mitarbeiter seien mehrere Male Mülltüten aus den Fenstern der Hochhäuser geflogen. Daraufhin habe die Stadt die Wohnungsgesellschaft und die Hausverwaltung „nochmals dringend aufgefordert, umfangreiche und zügige Maßnahmen einzuleiten“, heißt es von Seiten der Stadt weiter.

Köln: Rattenplage am „Kölnberg“ – Hausverwaltung ist machtlos

Ob das etwas bringt, ist jedoch fraglich. Denn der Wohnungsgesellschaft SHV, Hausverwaltung am „Kölnberg“, sei das Rattenproblem bekannt, doch das Verhalten der Bewohner sorge dafür, dass die Ratten immer wieder kommen. „Eigentlich sollte ein Hausverwalter über derartige Presseberichte peinlich berührt sein, was bei uns allerdings nicht der Fall ist. Wir befürworten es, dass die Öffentlichkeit die Problematik zum Thema macht, da wir in unserer Funktion als Hausverwalter im Wohnungseigentumsbereich zum Teil an unsere Grenzen stoßen“, so Werner Eßer, Geschäftsführer der Hausverwaltung. Solange die Bewohnerinnen und Bewohner weiterhin ihren Müll aus den Fenstern werfen, sei das Rattenproblem nicht zu lösen.

In der Vergangenheit habe man bereits rechtliche Schritte gegen einige Bewohner eingeleitet – jedoch ohne Erfolg. Die SHV habe Anzeige gegen versuchter Körperverletzung erstattet. „Da sich der Beschuldigte nach eigenen Aussagen vergewissert hat, ob jemand durch die widerrechtliche Entsorgung verletzt werden könnte (er hat vorher ‚herabgesehen‘), wurde das Verfahren eingestellt“, so Eßer weiter.

Köln: Rattenplage am „Kölnberg“ war Thema im Gesundheitsausschuss

Das Rattenproblem am „Kölnberg“ war am Dienstag (8. Juni) Thema im Gesundheitsausschuss der Stadt Köln. Die Rats-Franktionen von Linke und SPD haben unter dem Titel „Rattenplage in der Wohnsiedlung ‚Am Kölnberg‘ bekämpfen!“ einen Antrag für eine „Aktuelle Stunde“ gestellt.

Der Antrag sah dabei vor, dass weitreichende Maßnahmen am „Kölnberg“ unternommen werden. Zum einen sollen die Lebensbedingungen der Bewohner verbessert werden. Zudem sollte „eine positive Sichtweise auf die lebendige und durchaus mit vielen Ressourcen ausgestattete Wohnanlage vermittelt werden“, heißt es in der Begründung. Denn die nicht funktionierenden Müllschlucker und die defekten Fahrstühle bestärken das Müllproblem am „Kölnberg“.

Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht. Weitere Maßnahmen bleiben zunächst aus. Das teilt Mitantragssteller Günter Bell (Die Linke/Köln) auf Nachfrage von 24RHEIN mit: „Die Aktuelle Stunde wurde beantragt und abschließend durchgeführt. Es gibt jedoch kein Ergebnis. Grüne und CDU haben einen Antrag auf Maßnahmen abgelehnt“.

Die Antragssteller wollen sich damit nicht zufriedengeben. „Der Sozialausschuss findet in zwei Wochen statt. Da stellen wir dann einen weiteren Antrag“. Zwar sei die nicht ordnungsgemäße Entsorgung für das Rattenproblem verantwortlich, „man muss aber auch das bauliche Problem sehen“, so Bell weiter.

Köln: Rattenplage am „Kölnberg“ – kein Ende in Sicht

Erst wenn das Mullproblem gelöst werde, könnte man auch die Rattenplage beseitigen. Das bestätigt auch die Stadt Köln. „Egal, welche Maßnahmen ergriffen werden: Wenn weiterhin Müll aus den Fenstern geworfen wird, würde die Problematik generell schnell wieder bestehen.“

Das Ausmaß an der rücksichtslosen Müllentsorgung sei dabei unvorstellbar. „Der Müll wird bereits täglich abgeholt, aber da kommt immer wieder neuer Müll hinzu“. Beinahe im Minutentakt fliegen die Abfälle aus Fenstern und Balkonen. Ein Ende der Rattenplage am „Kölnberg“ ist somit nicht in Sicht.

Update-Hinweis vom 9. Juni, 12:58 Uhr: Der Artikel wurde um den Aspekt des Antrags von SPD und Linke ergänzt.

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