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Kölnberg: Ratten und Müll sollen verschwinden – so soll es gelingen

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Von: Johanna Werning

Eine Wohnanlage am Kölnberg im Stadtteil Meschenich. Davor eine Leitplanke und eine Straße.
Die Bezirksvertretung Rodenkirchen hat über mehrere Maßnahmen beraten, um das Rattenproblem am Kölnberg zu lösen (Symbolbild) © Christoph Hardt/Imago

Die Rattenplage am Kölnberg soll gelöst werden – mithilfe verschiedener Maßnahmen. Doch leicht werde das nicht, sagt Rüdiger Nies von der FDP.

Köln – Es war eine lange Sitzung der Bezirksvertretung Rodenkirchen in Köln: Doch sie könnte etwas gebracht haben. Bis circa 21:30 Uhr saßen Vertreter von Politik, Abfallwirtschaftsbetrieb und Stadtverwaltung am 14. Juni zusammen. Dabei berieten sie unter anderem über den Kölnberg und sein massives Rattenproblem. Auf Antrag der FDP wurde eine „Aktuelle Stunde“ durchgeführt. Die „Situation am Kölnberg ist unerträglich. Es muss dringend etwas gemacht werden“, sagte der FDP-Politiker Rüdiger Nies im Vorfeld. Dabei wurde über mehrere Maßnahmen beraten.

Rattenproblem am Kölnberg

Der Wohnkomplex „Am Kölnberg“ kämpft mit einem Rattenproblem. Angezogen werden die Nager von Unmengen an Müll. Aufzüge sind kaputt, Müllschlucker sind außer Betrieb – das macht die Wege zur Entsorgung des Mülls weit. Die Bewohner des Kölnbergs werfen teilweise ihren Müll aus dem Fenster. Zur Freude der Ratten, die dort ihre Hauptnahrungsquelle finden.

Mittlerweile leben laut Schätzungen Tausende Ratten am Kölnberg. Angst vor Menschen haben sie nicht. Die Tiere laufen teilweise über die Füße der Bewohner.

Köln: Rattenplage am Kölnberg – diese Maßnahmen sollen helfen

Nun soll das Ratten- und Müllproblem am Kölnberg in Köln Meschenich gelöst werden – doch einfach ist das nicht. „Unsere Aufgabe ist es, auf Missstände hinzuweisen. Das haben wir jetzt getan – mit den Beschlüssen. Die Verwaltung ist jetzt dran“, so Nies weiter. Der Plan, der in der „Aktuellen Stunde“ beraten wurde: Mit mehreren Lösungsansätzen soll die Müll- und Rattenplage bekämpft werden.

In der Sitzung der Bezirksvertretung haben AWB und Stadtverwaltung über die Missstände am Kölnberg informiert, so Nies weiter. „Wir waren wirklich positiv überrascht, wie viele Mitarbeiter der Stadt vor Ort waren.“ Neben der AWB, haben auch Vertreter des Ordnungsamtes an der Sitzung teilgenommen, ebenso der Leiter des Gesundheitsamts Köln, Dr. med. Johannes Nießen.

Dabei sei man sich schnell einig geworden, „dass dringend etwas getan werden muss.“ Immerhin leben am Kölnberg mittlerweile tausende Ratten, schätzt der FDP-Politiker. Das sei ein enormes Gesundheitsrisiko. Auslöser für die Rattenplage sei das Verhalten der Bewohner selbst: Solange Müll aus dem Fenster geworfen werde, seien die Schädlinge nur schwer zu bekämpfen.

Köln: Rattenplage in Siedlung – Bewohner sollen mit ins Boot geholt werden

„Das Hauptziel ist, die Müllquelle zu beenden. Mittel- und langfristig muss die soziale Struktur am Kölnberg geändert werden.“ Schon seit Jahren gilt der Gebäudekomplex als sozialer Brennpunkt. Neben dem Müll- und Rattenproblem stelle auch die Prostitution ein großes Problem dar. „Für die Kinder sind das ziemlich ungesunde Strukturen“, so Nies weiter. Man müsse mit sozialen Projekten und Streetworkern dagegen vorgehen. Nur so könne der Zugang zu den Bewohnerinnen und Bewohnern gelingen und das Probleme am Kölnberg gelöst werden.

Köln: Rattenplage am Kölnberg – „runder Tisch“ ins Leben gerufen

Eine leichte Aufgabe sei das jedoch nicht. „Es gibt eine große Fluktuation“. Immer wieder ziehen Menschen ein und aus, die wenig Acht geben. „Dagegen müsse man vorgehen“, so Nies. Noch in dieser Woche soll ein sogenannter „runder Tisch“ ins Leben gerufen werden. Am Donnerstag sollen sich Gesundheitsamt, Ordnungsamt, Interessierte sowie Hausverwaltung und Hauseigentümer erstmalig treffen und gemeinsam über die Rattenplage am Kölnberg beratschlagen.

Köln: Rattenplage am Kölnberg – Sondergenehmigung für Abfallanlagen

Um das Rattenproblem auch kurzfristig lösen zu können, soll der Kölnberg zusätzlich eine Sondergenehmigung bekommen. Denn die defekten Fahrstühle und die außer Betrieb genommenen Müllschlucker verschärfen das Problem. „Bewohner aus den obersten Stockwerken brauchen bis zu einer halben Stunde, um ihren Müll runterzubringen“, so Nies weiter. Das sei unzumutbar. Man will prüfen, ob die Abfallanlagen wieder in Betrieb genommen werden dürfen.

Dennoch sei eine Sondergenehmigung aus Sicht der FDP Köln nicht zielführend. „Wir sind da skeptisch. Der Müll bleibt in den Schächten hängen oder platzt auf“ und zieht Insekten an. „Das kennt man schon von anderen Gebäuden wie dem Unicenter“, so Nies weiter.

Köln: Rattenplage am Kölnberg – wilde Müllkippen mit Müllrutschen bekämpfen

Auch Müllrutschen wurden diskutiert, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger. Dabei sollen sogenannte Eimer-Rutschen an der Fassade angebracht werden, die den Müll sicher und geordnet nach unten transportieren. Solche Konstruktionen kenne man unter anderem von Hausentkernungen. Die Überlegung sei jedoch schnell verworfen worden, so Johannes Nießen, Leiter des Gesundheitsamts. Solange das Müllproblem nicht gelöst werde, sei auch die Rattenplage nicht zu bekämpfen, hieß es demnach von den Abfallwirtschaftsbetrieben (AWB). Allein im vergangenen Jahr seien von der AWB 160 wilde Müllkippen am Kölnberg beseitigt worden.

Köln: Rattenplage am Kölnberg – Schädlingsbekämpfer sollen weiterhin eingesetzt werden

Auch der Lösungsansatz, Schädlingsbekämpfer weiterhin und vermehrt einzusetzen, sei „derzeit relativ erfolglos“. Die Rattenpopulation und die möglichen Nahrungsquellen seien so enorm, dass Rattengift nicht ausreiche, erklärt Nies weiter. „So lange der Müll da ist, können sich die Ratten aussuchen, ob sie das Gift oder lieber Speisereste essen wollen“.

Köln: Rattenplage am Kölnberg wird dauerhaftes Thema in der Bezirksvertretung

Jetzt muss sich zeigen, ob die geplanten Maßnahmen Wirkung zeigen. Fest steht: Man wolle der Kölnberg nicht aufgeben. In einem halben Jahr soll in der Bezirksvertretung geprüft werden, ob sich die Situation am Kölnberg verändert hat, so Nies weiter.

Das geht auch aus dem Sitzungsprotokoll hervor. Darin heißt es, dass „die Sache zur weiteren Bearbeitung in die Verwaltung überwiesen wird. Die Fachverwaltung wird gebeten in 6 Monaten eine Mitteilung über den Sachstand zu fertigen und diesen in einer Sitzung der Bezirksvertretung in derselben Besetzung (AWB, Gesundheitsamt, Amt für öffentliche Ordnung) darzustellen.“

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