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Köln: Neue Rhein-Querung sorgt für Zoff und „Verschwörungstheorien“ – Verlängerung A553

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Von: Martin Henning

Der Rhein in Wesseling am 30.03.2007.
Die neue Rheinspange könnte in Wesseling entstehen. © Ginger/Imago

Im Kölner Süden soll die „Rheinspange“ entstehen – eine Querung über den Rhein, die die A59 und A555 miteinander verbindet. Doch es gibt Zoff um die Umsetzung.

Köln – Die Planungen für das nächste große Verkehrsprojekt bei Köln sind gestartet. Südlich der Stadt soll die sogenannte „Rheinspange 553“ entstehen – eine Querung über den Rhein, die die rechtsrheinische A59 und die linksrheinische A555 miteinander verbindet. Dazu soll die A553, die im Augenblick am Kreuz Bliesheim beginnt und in Brühl endet, bis nach Porz verlängert werden. Sie ist Teil des sogenannten „Bundesverkehrswegeplans 2030“ . Die Überquerung soll das hohe Verkehrsaufkommen im Ballungsraum Köln-Bonn entzerren.

Wo genau sie entstehen soll, ist noch unklar. Auf der linken Rheinseite könnte die Überquerung in Godorf, Wesseling oder Bornheim entstehen, als Standort für die rechte Rheinseite sind Ranzel oder Niederkassel im Gespräch.

Rheinspange 553 bei Köln: Varianten sorgen für viel Diskussionen

Bis 2030 will die zuständige Autobahn GmbH des Bundes den Bau fertiggestellt haben. Doch schon, bevor die ersten Bagger rollen, gibt es Ärger. Sowohl die Gemeinden im Einzugsgebiet, als auch Anwohner und Bürgerinitiativen und die Politik äußern ihren Unmut. Rüdiger Däumer, Leiter des Rheinspangen-Projekts, spricht in der Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger von „Verschwörungstheorien“.

Zwölf unterschiedliche Varianten der Überquerung mit verschiedenen Streckenführungen sind in der Auswahl. Für besonders viel Diskussionsstoff sorgt die Frage, ob die Querung als Brücke oder als Tunnel gebaut wird. Kritiker behaupten: Die Autobahn GmbH habe sich bereits frühzeitig auf einen Favoriten festgelegt. Die Verantwortlichen weisen das zurück. „Es gibt keine Vorfestlegung auf eine Variante“, sagt die Autobahn GmbH und ergänzt: „Derzeit werden alle zwölf vertiefend zu prüfenden Varianten der Rheinspange 553 gleichrangig geprüft.“

Bis Ende August soll Kölner Stadt-Anzeiger ein Verkehrsgutachten vorliegen, das die Leistungsfähigkeit der Varianten und ihre Auswirkungen auf den umliegenden Verkehr beleuchtet. Besonders wichtig ist dabei, wie sehr die Anwohner im Verkehr während des Baus der Rheinspange behindert werden. Es wird auch geprüft, wie umweltverträglich die unterschiedlichen Varianten sind. Mitte Dezember sollen diese Prüfungen abgeschlossen sein.

Geplante Verlängerung der A553 von Brühl bis Porz

Rheinspange 553: Gutachten soll Entscheidung beeinflusst haben

Schon jetzt fertig ist das sogenannte „Seveso III“-Gutachten. Es hat untersucht, wie sich die verschiedenen Bauvarianten auf Industriebetriebe wie Shell oder Evonik auswirken und ob beim Bau eventuell giftige Stoffe austreten könnten. Das Ergebnis: Die Querung sollte möglichst im Norden (bei Godorf) gebaut werden und eine Tunnellösung sei besser als der Bau einer Brücke.

Auch hier gab es Kritik – das Gutachten lenke den Entscheidungsprozess bewusst in eine bestimmte Richtung, bemängeln Kritiker. Die Autobahn GmbH sagt dazu: „Die Berücksichtigung der Seveso-III-Richtlinie ist im vorliegenden Planungskontext vorgeschrieben und daher keine Entscheidung, die der Autobahn GmbH freistand. Die Variantenauswahl erfolgt ergebnisoffen, systematisch und transparent.“

Rheinspange 553: Wesseling hat eigenes Gutachten erstellen lassen

Manche Gemeinden haben eigene Gutachten zum Bauprojekt erstellen lassen. So zum Beispiel Wesseling. Das „Schutzgut Mensch“ sei bei der Planung nur unzureichend berücksichtigt worden, heißt es im Gutachten. Bedeutet konkret: Es bestünden Zweifel, dass die Belange der Wesselinger Bürgerinnen und Bürger als auch die der Stadt „ausreichend erfasst, gewichtet und in die notwendige Abwägung eingestellt werden“.

Däumer betont: „Die Menschen – und hier in erster Linie die Anwohner – stehen immer im Zentrum der Betrachtung.“ Alle Untersuchungen – egal, ob zu den zu erwartenden Emissionen, Grundwasser, Bodenschutz, Klima oder der Wirtschaftlichkeit – „beziehen sich letztlich auf den Menschen“, so Däumer weiter.

Rheinspange 553: Bornheim kritisiert Intransparenz

Kritik wird auch an anderen Stellen laut: Die Bürgerinitiative Porz-Langel warnt vor den klimatischen Folgen des Baus. Dadurch würden unwiederbringlich der Auenwald im Langeler Bogen, Wasserschutzzonengebiete und Ablaufgebiete für Hochwasser zerstört. Einen entgegengesetzten Weg geht man ganz in der Nähe: Die Rodenkirchener Brücke könnte ein Erholungsgebiet werden.

Vonseiten der Kommunalpolitik in Bornheim heißt es, die Autobahn GmbH sei bei der Planung intransparent vorgegangen. „Das ist für mich absolut nicht nachvollziehbar“, entgegnet Däumer. Man habe in den letzten Jahren viele Bürgerinformationsveranstaltungen abgehalten, auch die Politik werde regelmäßig unterrichtet. Außerdem würden alle Planungsschritte und deren Sachstand auf der Rheinspangen-Website präsentiert und aktualisiert – samt Erklär-Videos.

Rheinspange 553: Baubeginn soll 2022 sein

Ein hochemotionales Thema also. Die Verantwortlichen wollen unabhängig von den vielen kritischen Stimmen auf die Tube drücken. „Wir hoffen, im Frühjahr 2022 eine Vorzugsvariante vorstellen zu können“, sagt Rüdiger Däumer. 2026 wolle man mit dem Bau der Rheinspange beginnen.

Wer viel auf den Autobahnen in der Region unterwegs ist, für den gibt es indes eine gute Nachricht: Der Bund hat seine neue Autobahn App vorgestellt. Damit sollen Autofahrerinnen und Autofahrer alle Infos übersichtlich auf ihr Handy bekommen und noch schneller an ihr Ziel kommen. (mah)

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