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Grünoase statt Autobahn: Rodenkirchener Brücke in Köln soll Vorzeige-Park werden

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Von: Nina Büchs, Johanna Werning

Das Bauprojekt der CDU. Die Rodenkirchener Brücke als Ausflugsziel mit Grünflächen, Rad- und Fußgängerwege, Sitzgelegenheiten und Cafés.
Noch ist es nur eine Vision für die Rodenkirchener Brücke – doch Köln könnte so moderner und nachhaltiger werden. © CDU Rodenkirchen/Oliver Kehrl

Statt die Rodenkirchener Brücke abzureißen, will der Landtagesabgeordnete Oliver Kehrl daraus ein Erholungsgebiet machen. Im Gespräch mit 24RHEIN erklärt er die Idee.

Köln – Schon lange gilt die Rodenkirchener Brücke als Wahrzeichen des Kölner Südens. Jeden Tag fahren dort unzählige Autofahrer von Rodenkirchen nach Poll. Schnell geht es dabei jedoch nicht immer zu. Die Brücke hat ein Stau-Problem, dabei soll das Verkehrsaufkommen in den nächsten Jahren sogar noch weiter zunehmen. Die Autobahnbrücke müsste deshalb von sechs auf acht Spuren erweitert werden.

Autobahnbrücke RodenkirchenA4, 51105 Köln
Baubeginn1952
Längste Spannweite378 Meter
Eröffnet1954
Längste Stützweite376 Meter
VerkehrsaufkommenBis zu 135.000 Fahrzeuge täglich (Stand 2018)

Doch das alte Bauwerk hält den erforderlichen Baumaßnahmen nicht stand. Während manche nun über einen Abriss und Neubau nachdenken, will der Kölner Landtagsabgeordnete Oliver Kehrl (CDU) die Brücke anderweitig nutzen. Statt Abgasen und rauschendem Verkehr soll auf der Brücke eine grüne Oase über dem Rhein entstehen. Was genau er dort plant, hat er 24RHEIN erzählt.

Köln: Rodenkirchener Brücke soll Freizeit-Oase werden – mit Cafés und Grünflächen

„Wir haben versucht, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“, so Kehrl über die Idee zur Nutzung der Rodenkirchener Brücke. Ein Abriss des beliebten, denkmalgeschützten Bauwerks kommt für ihn und die CDU Rodenkirchen nicht infrage. Stattdessen solle die Brücke eine Art Park werden. Damit soll Köln nicht also nur einen Mehrwert für die Bürger schaffen, sondern auch grüner werden. Aber was bedeutet das konkret?

„Auf der Brücke gäbe es nach unserer Vorstellung Grünflächen, Rad- und Fußgängerwege, Sitzgelegenheiten und Cafés oder Gastronomie-Konzepte. Auch Sportanlagen und Pop-up-Stores wären denkbar“, erklärt Kehrl die Idee weiter. Der ÖPNV ist im Konzept ebenfalls integriert – so könnte die KVB mit autonomen, elektrisch betriebenen Kleinbussen die Fahrgäste von der einen auf die andere Rheinseite bringen, so Kehrl gegenüber 24RHEIN.

Und der Autoverkehr? „Der wird in einem Tunnel unter dem Rhein durch auf die andere Seite geleitet“, sagt Kehrl. Dabei soll der Tunnel vom Rodenkirchener Ufer bis nach Gremberghoven verlaufen. „Das haben wir uns auch schon für die Rheinspange gewünscht“, sagt Kehrl im Interview mit 24RHEIN. Bei der Brücke in Rodenkirchen soll das nun Realität werden.

Das Bauprojekt der CDU. Die Rodenkirchener Brücke als Ausflugsziel mit Grünflächen, Rad- und Fußgängerwege, Sitzgelegenheiten und Cafés
Die Rodenkirchener Brücke in Köln könnte ein weltweites Vorzeigeprojekt werden. © CDU Rodenkirchen/Oliver Kehrl

Rodenkirchener Brücke soll grüne Oase über dem Rhein werden – Konzept ähnelt „High Line“ in New York

Die Idee klingt visionär, ganz neu ist sie jedoch nicht: Der Entwurf orientiert sich an einem Konzept aus New York – der sogenannten „High Line“. Dabei wurde eine stillgelegte Güterzugtrasse nach und nach in einen Park verwandelt, der sich durch den Big Apple schlängelt und jährlich Millionen Besucher anlockt. Bei Oliver Kehrl lösen Projekte wie diese Begeisterung aus. „Wir müssen auch in Köln bei der Stadtentwicklung moderner denken“, sagt er. Mit dem Plan, die Rodenkirchener Brücke in Köln als Freizeitoase umzufunktionieren, soll das gelingen.

Bisher ist das allerdings nur eine ferne Idee. Ein konkretes Bauvorhaben gibt es noch nicht. „Den Tunnel zu prüfen – das ist ja unsere Forderung. Das ist aber ein enormer Prüfungsauftrag. Wir müssen erst einmal sehen, ob das technisch und finanziell machbar ist.“ Ein weiteres großes Bauvorhaben ist in Köln bereits fortgeschritten: Mit dem Deutzer Hafen soll direkt am Rhein ein neues Wohn- und Büroquartier entstehen.

Der Entwurf ist zunächst lediglich eine Spielerei. „Das ist ja auch politisch interessanter, wenn man sagen kann, so könne es aussehen. Prüft das bitte unter diesen Gesichtspunkten.“ Bis die Rodenkirchener also tatsächlich Kölns Vorzeigeprojekt wird, könnte es also noch dauern.

Rodenkirchener Brücke: Bauvorhaben in Köln soll bis zu zwei Milliarden Euro kosten

Die grüne Rodenkirchener Brücke ist ein Teil der Autobahn A4
Wenn es nach CDU-Politiker Oliver Kehrl geht, sieht die Rodenkirchener Brücke zukünftig anders aus. (Archivbild) © Henning Kaiser/dpa

Doch das ist nicht die einzige Problematik. Denn die Idee ist nicht gerade günstig. Ein bis zwei Milliarden Euro soll das Projekt kosten, so die erste Einschätzung des Landtagsabgeordneten in Absprache mit Tunnelbauexperten. „90 Prozent davon würde der Tunnel ausmachen, diesen wird der Bund finanzieren“, so der CDU-Politiker. Für die Umgestaltung der Brücke wäre laut Kehrl dann die Stadt verantwortlich, die sich dabei etwa mit Gastronomen oder Betreibern von Sportanlagen zusammenschließen könne.  

Umbau der Rodenkirchener Brücke: Weniger Lärm, weniger Staus

Bedenken bezüglich der Finanzierung äußerten unterdessen auch manche Facebook-User. „Jeder hat Träume... aber wir sind hier immer noch in Köln. Bitte am Boden bleiben.“ Oliver Kehrl selbst sieht dabei jedoch kein Problem: „Die Finanzierung ist bei solchen Investitionen durch die Nullzins-Politik deutlich rentabler als früher, da der Staat heute wenig bis gar keine Zinsen zahlen muss.“

Natürlich müsse bei diesen Projekten etwas tiefer in die Tasche gegriffen werden, doch die Investition zahlt sich am Ende auch aus, sagt Kehrl: „Damit hätten wir keinen Lärm mehr, die Staus werden weniger und damit würde die Luftverschmutzung deutlich zurückgehen und die Trasse unter dem Kölner Rhein wäre viel leistungsfähiger.“

Können die Kölner in zehn Jahren dort flanieren, wo sich bisher noch jeden Tag zehntausende Autos über den Rhein schieben? Das erscheint erstmal unvorstellbar, denn noch ist dieser Vorschlag nur eine Vision, wenn auch eine mutige. Es wird noch viel Wasser den Rhein runterfließen, bis sich entscheidet, ob die Idee irgendwann Realität – und die Rodenkirchener Brücke zu einem Ort der Entspannung wird.

Hintergrund zur Rodenkirchener Brücke: Deshalb soll die Autobahnbrücke A4 erweitert werden

Die Autobahnbrücke A4 verbindet das Autobahnkreuz Köln-Süd mit dem Autobahnkreuz Gremberg. Aktuell fahren etwa 135.000 Fahrzeuge täglich auf insgesamt sechs Fahrspuren über die Rodenkirchener Brücke. 2030 rechnet man sogar mit 158.000 Fahrzeugen pro Tag (ohne den Bau einer zusätzlichen Rheinquerung zwischen Köln und Bonn).

Schon jetzt kommt es auf der Rodenkirchener Brücke immer wieder zu Staus, denn für das gegenwärtige und zukünftige Verkehrsaufkommen sind die sechs Fahrspuren nicht mehr ausreichend, wie eine Analyse ergab. Die Autobahnbrücke A4 muss deshalb erweitert werden. Doch nach ersten Untersuchungen ist es fraglich, ob das rund 70 Jahre alte Bauwerk weiteren Anbauten noch standhalten kann. Um den steigenden Verkehrsfluss in den kommenden Jahren zu bewältigen, stehen deshalb verschiedene Optionen zur Auswahl. So könnte die Rodenkirchener Brücke zum Beispiel abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Aber auch Tunnel- und Brückenvarianten nördlich oder südlich der bestehenden Brücke stehen unter anderem zur Auswahl.

(jw/nb)

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