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Psychologe erklärt, warum die Friedensdemo Karneval und Mitgefühl hervorragend vereinte

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Von: Melissa Ludstock, Thomas Kemmerer

Demonstrierende bei Friedensdemo in Köln, Psychologe Jens Lönneker
Auf der Kölner Friedensdemo vermischten sich die Gruppe von Menschen, die wegen des Krieges nicht Karneval feierten – und solche, die es dennoch taten. Für Psychologe Jens Lönneker eine sehr gute Lösung. © Eibner / Imago & Roland Breitschuh

Ist es richtig, trotz Ukraine-Krieg Karneval zu feiern? Eine einfache Antwort gibt es nicht. Die Friedensdemonstration an Rosenmontag nimmt dabei eine wichtige Rolle ein.

Köln – In der Ukraine bricht ein Krieg aus, im Rheinland der Karneval: Beides passiert an dem Tag, den Jecke Weiberfastnacht* nennen. Während sich morgens in und um Köln* tausende Karnevalisten auf den Tag einstimmten, auf den sie zwei Jahre lang verzichten mussten, erreichten sie die ersten Nachrichten vom Ukraine-Konflikt*. Und damit war das Abwägen im Kopf. Angst, Leid, Tod durch einen russischen Angriffskrieg auf der einen Seite. Frohsinn, Kölsch und jeckes Rebellentum auf der anderen Seite. Viele Jecke fragten sich: Soll ich feiern, oder nicht? Und andere schimpften bestürzt: Wie könnt ihr nur feiern, während keine 2000 Kilometer entfernt so viel Leid geschieht?

Karneval feiern – obwohl in der Ukraine Krieg herrscht?

Während das Kölner Dreigestirn* auf dem Alter Markt um 11:11 Uhr den Straßenkarneval eröffnete („lassen uns auch nicht die Grenzen des Frohsinns von Menschen bestimmen, die Freiheit und Frieden mit Füßen treten“), sagte Kölns OB Henriette Reker* alle karnevalistischen Termine ab: „Jeder und jede muss für sich selbst entscheiden, ob er oder sie angesichts dieser Situation feiern möchte.*“ Beide Aussagen geben genau die Perspektiven wieder, die auch Psychologe Jens Lönneker vom Kölner Rheingold Salon bei vielen Menschen sieht:

Feiern oder Nichtfeiern: Zwischen diesen beiden Polen spielte sich die Diskussion ab, auch die Kölner Jecken waren und sind zwischen dem Feiern und Mitgefühl ständig hin- und hergerissen. „Auf der einen Seite die egoistische Lustbefriedigung versus Moral, auf der anderen Seite Freiheit versus Unterdrückung.“

Das ist Jens Lönneker

Jens Lönneker ist Gründer und Geschäftsführer von Rheingold Salon, die Agentur ist in der Werbe- und Medienforschung aktiv. Als studierter Tiefenpsycologe setzte sich Jens Lönneker unter anderem auch mit der Unsicherheit und den Ängsten der Deutschen in Bezug auf die Corona-Pandemie* auseinander.

Rosenmontag in Köln: Friedensdemo vereint beide Lager

Insofern war die Friedensdemo am Rosenmontag in Köln eine ideale Lösung. Es gab Protest und Mitgefühl der Kostümierten, aber auch einen großen Teil von Menschen, die unverkleidet protestierten. Beide Seiten wurden zusammengebracht. Wer wollte, konnte also doch eine Form des Rosenmontagszugs in der Demo sehen. Und wem gar nicht nach feiern zumute war, sah in der Friedensdemo eben genau das – eine Solidaritätsdemo gegen den Krieg. Jens Lönneker ist daher voll des Lobes: „Man konnte mit zwei unterschiedlichen Meinungen und Perspektiven auf ein und dieselbe Demonstration gehen. Eine extrem gut gelungene Lösung.“ (IDZRW) *24RHEIN ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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